Bio-Cloud aus menschlichen Gehirnzellen spielt Doom
Doom, ein Ego-Shooter von 1993, ist nicht nur eines der bekanntesten Computerspiele überhaupt, sondern hat sich in den vergangenen Jahren auch zu einem beliebten Testprogramm für Forschungsteams unterschiedlichster Disziplinen entwickelt. Beispielsweise hat eine US-Bioingeineurin den Shooter 2024 auf E.-coli-Bakterien übertragen. Vergangenes Jahr ließ ein ungarischer Neurowissenschaftler Ratten das Spiel zocken.
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Nun hat sich das australische Bio-Computer-Unternehmen Cortical Labs ebenfalls Doom angenommen. Dessen „biologischer Computer“ CL1 besteht aus echten menschlichen Neuronen, die auf Silizium-Chips wachsen. Ein daraus gebildetes Cloud-Netzwerk kann nun dank einer neu entwickelten Schnittstelle Doom spielen, wie Cortical Labs auf YouTube bekannt gegeben hat.
Von Pong zu Doom
Im Jahr 2021 war es den Forscherinnen und Forschern von Cortical Labs bereits gelungen, ihre Chips Pong spielen zu lassen, wie sie in diesem Fachartikel im Journal Neuron beschreiben. Das 1970er-Jahre-Game ähnelt Tischtennis: Die beiden Spieler müssen einen senkrechten Strich als Schläger steuern, um einen Ball hin- und her zu schießen.
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Die 800.000 Neuronen auf einem Bio-Chip „lernten“ damals innerhalb von 5 Minuten Pong zu spielen, d. h. die „Schläger“ besser als der Zufall zu steuern. „Das war ein massiver Meilenstein, weil es adaptives, zielorientiertes Echtzeit-Lernen demonstrierte“, erklärt Cortical-Labs-Forschungschef Brett Kagan.
Bio-Computer Cloud per Python programmieren
Doom sei im Vergleich wesentlich komplexer, weshalb nun die Cortical Cloud, d. h. ein ganzes Netzwerk von CL1-Computern mit jeweils nur 200.000 Neuronen zum Einsatz kommt. Dank der neu entwickelten API kann man die dahinterliegenden Chips nun per Python programmieren.
Ein CL1 Bio-Computer.
© Cortical Labs
Das bedeutet, dass keine Expertise in der Arbeit mit biologischen Computern mehr nötig ist, um die Bio-Computer zu steuern. „Es ist diese Zugänglichkeit und Flexibilität, die das wirklich aufregend macht“, meint Kagan zu dieser Innovation.
Kein E-Sports-Champion
Sean Cole, ein unabhängiger Entwickler, hatte durch die neue Schnittstelle die Möglichkeit, den CL1-Chips per Python beizubringen, Doom zu spielen. Seinen Code veröffentlichte er bei GitHub.
„Ist [die Cortical Cloud] ein E-Sports-Champion? Absolut nicht. Derzeit spielen die Zellen wie ein Anfänger, der noch nie einen Computer gesehen hat“, betont Kagan. Dennoch zeigten sie Lernfähigkeit, wenn sie Feedback erhielten. Mit einem menschlichen Hirn könne man es allerdings nicht vergleichen – die Chips seien lediglich ein Material, das Informationen auf spezielle Art und Weise verarbeiten könne.