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Diese unsichtbaren Probleme könnten eine Mondbasis scheitern lassen

Sie sind auf engstem Raum über Monate mit anderen Menschen eingesperrt. Draußen droht Gefahr durch Strahlung, fehlende Atemluft und Meteoriteneinschläge. Feinster Sand, so scharf wie Glassplitter, könnte sich jederzeit seinen Weg in die Innenräume bahnen und beim Einatmen die Zellen schädigen und eine Staublunge verursachen. 

So könnte man sich das Leben auf einer potenziellen Mondbasis vorstellen, wie sie die NASA derzeit plant. Gegen die Gefahren von außen hilft Technik. Doch ein Forschungs-Team der George Mason University um Raymond Vera zeigt mit einer neuen Simulation, wo die versteckten Gefahren des Zusammenlebens auf einer solchen Mondbasis lauern. 

Forscher simulieren Zusammenleben 

Dass es hohes Konfliktpotenzial gibt, wenn man Menschen über einen langen Zeitraum in extremen Umgebungen isoliert, ist dabei nicht neu. Raymond Veras Team hat den derzeitigen Forschungsstand jetzt in einem eigenen Modell formuliert. Es enthält sowohl Informationen über die bisher bekannten lokalen Gegebenheiten als auch Psychologie und Team-Dynamiken. Damit kann das Zusammenspiel von kognitiven, emotionalen, sozialen und Umweltfaktoren auf einer Mondbasis simuliert werden.

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In der Simulation erhalten fiktive Astronauten und Astronautinnen zufällige Eigenschaften. Ihnen werden Expertisen, Persönlichkeitsmerkmale und Gesundheitszustände zugewiesen. Sie passen sich mit der Zeit an die Umweltbedingungen und das Zusammenleben an. Sie erledigen täglichen Routineaufgaben effizienter und verbessern ihre Fähigkeiten. Die Simulation konfrontiert sie auch mit unvorhergesehenen Ereignissen wie kaputtem Equipment oder Mondbeben. 

Die Forscher formulierten ein Basisszenario, das aus 4 Teammitgliedern und 2 Rovern besteht und 3 Monate lang dauert. 2 Personen sind dabei auf der Raumstation Lunar Gateway und 2 auf der Mondoberfläche. Nach 2 Monaten wird es eine Versorgungslieferung geben, aber keinen Personalwechsel. 

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Die Simulation geht von einem Basisszenario aus, das mit 9 weiteren Fällen verglichen wird

Mehr Personen und kürzere Missionen

Dieses Basisszenario wurde dann modifiziert, etwa durch mehr Personal oder längere Missionen. So entstanden 9 Vergleichsfälle. Die Forscher haben Zehntausende solcher Simulationen ausgewertet und verglichen. Erhöht man etwa die Personenzahl auf 6, können sie auch bei größerer Belastung um 27 Prozent effizienter arbeiten. Gleichzeitig sinkt das Spannungslevel um bis zu 56 Prozent

Besonders gravierend waren die Auswirkungen, wenn die Mission von 3 auf 6 Monate verlängert wurde, ohne dass eine Personalrotation vorgesehen war. Das Spannungslevel für die 2 Astronauten-Paare stieg um 39 Prozent. Dabei zeigte sich, dass es über die Zeit mehr Konflikte gab, weniger Aufgaben geschafft wurden und das zu Frust führte.

Will man eine Mondbasis mit permanenter Besatzung bauen, müsse man nicht nur die Technologie dafür verstehen, sondern auch menschliches Verhalten, schreiben die Forscher. Ihre Studie stellen sie im Fachmagazin PLOS One vor. Sie sehen auch die Notwendigkeit, ihre Simulation mit neuen Studien zu verbessern. Aktuell beziehen sie sich vor allem auf Ergebnisse aus Antarktismissionen von 1993 und 1994

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Einsamkeit und Paranoia

Neue Erkenntnisse aus einer von der Universität Würzburg veröffentlichten Studie können dabei helfen. Sie statteten die 12 Teilnehmenden der 10-monatigen Mission zur Antarktisstation Concordia mit Sensoren aus. Diese Sensoren zeichneten nähere Interaktionen der Teammitglieder auf. Daraus ließ sich vor allem Gruppenbildung erkennen. 

Aus Selbstauskünften erfuhren sie, dass bereits zur Mitte der Mission Misstrauen zwischen den Teilnehmern entstand. Sie vermuteten, andere würden negativ über sie sprechen oder sie beobachten. Neben solchen paranoiden Gedanken stieg auch die Einsamkeit und Konflikte nahmen zu. Langfristig zeigte sich, dass diese durch größere physische Nähe noch zunahmen. 

Die Teilnehmenden, hauptsächlich aus Frankreich und Italien, teilten sich mit steigender Unsicherheit in eine italienische und französische Gruppe auf. Das führte dazu, dass sich Menschen polarisieren und die sozialen Interaktionen zwischen den Gruppen immer stärker zurückgehen. 

Die Forschungsstation Concordia an der Antarktis

Unberechenbare Menschen

Die Ergebnisse beider Forschungen zeigen: Egal wie gut Menschen für solche Extrem-Missionen ausgebildet und vorbereitet sind, es gibt viel Konfliktpotenzial. Die psychische Belastung ist hoch und bevor Personen für Monate auf den Mond geschickt werden, sollten diese Faktoren bei der Missionsplanung einbezogen werden. 

Vor Mondstaub und dem Vakuum schützen Schleusen, vor Meteoriten und Strahlung ein robustes Gebäude. Aber die Gefahr kann auch von innen kommen. Eindrücklich bewies das ein Vorfall vom März 2023, als Forscher einer Antarktis-Expedition um Hilfe riefen. Ein Mitglied der Expedition wurde körperlich übergriffig und sprach Todesdrohungen aus. Auslöser soll ein Streit über die Aufgaben gewesen sein. Das zeigt: Trotz sorgfältigem Auswahlprozess lässt sich nie mit Sicherheit sagen, wie sich Menschen unter solchen extremen Bedingungen tatsächlich verhalten. Solche Forschung ist daher essenziell, um die bestmögliche Ausgangssituation zu schaffen.

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction. Co-Host des Podcast "Raumfahrtgeschichten".

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