Neue Biosensoren erleichtern Krebsdiagnose per Blutprobe
Eine einfache Blutprobe erkennt Krebszellen, bevor ein Tumor sichtbar wird – ohne schmerzhafte Gewebeentnahmen oder lange Wartezeiten. Das ermöglicht die sogenannte „Liquid Biopsy“: eine Methode, die Krebs und andere schwere Erkrankungen nicht-invasiv aufspürt, indem sie winzige Spuren von Tumor-DNA oder Krebszellen im Blut nachweist.
Da solche genetischen Veränderungen oft nur in geringen Mengen vorliegen, erfordern Analyseverfahren eine hohe Empfindlichkeit. Bisherige Methoden der Liquid Biopsy, wie das PCR-Verfahren, sind präzise, aber aufwendig und materialintensiv. Das erschwert häufige Testungen und schränkt ihren routinemäßigen Einsatz ein.
Sensoren per Siebdruck
Für eine nachhaltigere und breiter zugängliche Diagnostik entwickelt ein europäisches Forschungsteam unter der Leitung des AIT Austrian Institute of Technology im Projekt SmartSens siebdruckbasierte Biosensoren, die Nukleinsäuren wie DNA oder RNA erkennen. Laut Projektleiterin Eva Melnik von der Abteilung Molekulare Diagnostik sei der vorrangige Vorteil des Siebdrucks seine hohe Skalierbarkeit. Gleichzeitig setzt das Projekt verstärkt auf erneuerbare Materialien wie Zellulose und Biopolymere, um elektronische Bauteile nachhaltiger zu gestalten.
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Ein wesentliches Ziel besteht darin, den Einsatz von Silber zu vermeiden, da dessen Nutzung mit sozioökonomischen Herausforderungen verbunden ist. „Kupfer stellt in diesem Zusammenhang eine vielversprechende Alternative dar, insbesondere aufgrund seiner guten Rezyklierbarkeit“, sagt Melnik der futurezone. Außerdem gelten Kupfermaterialien im internationalen Handel als weniger kritisch: „Die entsprechenden Rohstoffe können aus Europa geliefert werden – ein Hauptanbieter von Kupfermaterialien in Europa ist Schweden“, sagt die Expertin.
Fakten
Projektziel
Im Forschungsprojekt „SmartSens“ werden Materialien, Systeme und Prozesse entwickelt, die es ermöglichen, die erforderlichen Analyse- und Verfahrensschritte zur Diagnose diverser Krankheiten auf ein Format in Chipkartengröße zu bringen.
Budget
Das Projekt ist im Juni 2026 gestartet und läuft über einen Zeitraum von 3 Jahren. Es verfügt über ein Gesamtbudget von 1,3 Millionen Euro.
Projektpartner
Zu den Projektpartnern des AIT zählen RHP Attophotonics Biosciences GmbH (AT), Masaryk Memorial Cancer Institute (CZ), University of Turku (FI), Lukasiewicz Research Network-Lodz Institute of Technology (PL) und die Sabancı University (TR).
Hohe Kosten
Die herkömmliche PCR-basierte Diagnostik hat im Vergleich zu den neuartigen Biosensoren einige Nachteile, wie den finanziellen Aufwand: „Die PCR-Diagnostik geht in Richtung der Mutationsanalytik. Die Kosten pro Test sind in diesem Bereich sehr hoch. Ein Kit mit 24 Tests kann mehr als 5.000 Euro kosten. Damit entstehen bereits auf Materialebene erhebliche Kosten – Personalkosten des Klinikums sowie weitere betriebliche Aufwendungen sind dabei noch nicht berücksichtigt“, sagt die Forscherin.
In der klinischen Routine könne daher nur eine begrenzte Anzahl von PCR-basierten Mutationsanalysen durchgeführt werden. Die entsprechenden Untersuchungen werden meist zentralisiert in Krankenhäusern durchgeführt, die über die notwendige technische Ausstattung und entsprechend geschultes Personal verfügen.
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Lab-on-a-Chip
Aus Versorgungssicht sei es der Wissenschafterin zufolge jedoch wünschenswert, diese Testverfahren zu dezentralisieren und häufiger verfügbar zu machen, zumal ein Großteil der Bevölkerung nicht in urbanen Zentren lebt. „Ziel ist es, sämtliche externen Prozessschritte, die üblicherweise in einem konventionellen Labor durchgeführt werden, in Form eines Lab-on-a-Chip-Systems zu integrieren“, ergänzt sie.
Was sonst im Labor passiert, wird auf ein Format in Chipkartengröße gebracht.
© RHP-Attophotonics
Insbesondere für Therapieentscheidungen oder -anpassungen sollten ihr zufolge entsprechende Testmöglichkeiten auch bei niedergelassenen Kassenärzten und Gynäkologen zur Verfügung stehen. Gleichzeitig müssten die Verfahren so kosteneffizient sein, dass eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen möglich ist oder die Untersuchungen für Patienten finanziell leistbar bleiben.
Fokus auf Brustkrebs
Im Forschungsprojekt SmartSens liegt der Fokus zunächst auf dem Nachweis sogenannter PIK3CA-Mutationen bei Brustkrebs. Darüber hinaus sehen die Forschenden weiteres Potenzial – etwa die Diagnostik von Endometriose, die ebenfalls auf nukleinsäurebasierten Analysen beruht. „Derzeit werden entsprechende Untersuchungen nur von wenigen spezialisierten Labors in Europa angeboten und sind mit hohen Kosten verbunden, die häufig von den Patientinnen selbst getragen werden müssen“, betont die Fachfrau.
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Darüber hinaus könnten die neuartigen Biosensoren künftig für die Diagnostik von Infektionskrankheiten wie SARS-CoV-2, Schweinegrippe, Maul- und Klauenseuche oder Vogelgrippe eingesetzt werden. „Die entwickelten Materialien und Verfahren müssen möglichst eng an etablierte Produktions- und Anwendungsprozesse anschließen, um eine spätere industrielle Nutzung zu ermöglichen“, sagt die Forscherin. Dies stelle insbesondere bei neuartigen Materialien eine wesentliche Herausforderung dar.
Drucksensor im Knie überwacht Reha in Echtzeit
Menschen mit einer Knieverletzung brauchen oft lange, bis sie sich wieder wie gewohnt bewegen können. Denn ein verletztes Knie darf nicht zu stark belastet werden. Ganz ohne Bewegung und Training kann es aber auch versteifen, da es in dem Fall zu Durchblutungsstörungen kommen kann. In der Folge kann sich der Knorpel abbauen oder beschädigt werden, was den Gesamtzustand noch weiter verschlimmern kann.
Ein neuartiger Drucksensor, der an der University of Connecticut entwickelt wird, könnte Menschen mit einer Knieverletzung in Zukunft zu einer schnelleren Genesung verhelfen.
Reha-Überwachung
Der Biosensor wird im Kniegelenk eingesetzt und kann Überlastungen in Echtzeit überwachen. Er ist biologisch abbaubar und besteht aus Poly-L-Milchsäure (PLLA). Dabei handelt es sich um ein Polymer, das sich im Körper zu Milchsäure, Kohlendioxid und Wasser zersetzt – für Menschen unbedenklich.
Der Sensor wirkt piezoelektrisch: beim Biegen oder Pressen des Polymers, also beim Gehen, Laufen oder Springen, erzeugt er elektrische Ladung. Sein Signal kann in der Folge zur Echtzeitüberwachung drahtlos an ein Gerät übertragen werden.
Der Drucksensor könnte sich insbesondere für Sportler eignen, um ihre Reha nach einer Knieoperation im Blick zu behalten und Bewegungen zu vermeiden, die das Kniegelenk überlasten könnten. Nach mehreren Wochen wird der Biosensor dann im Körper natürlich abgebaut. Daneben könnte er sich auch für tierärztliche Anwendungen eignen – etwa für Rennpferde. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science Advances publiziert.