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Threads in der EU gestartet: Alles was ihr wissen müsst

Der Kurznachrichtendienst “Threads” ist seit Donnerstag, dem 14. Dezember, um 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit nach monatelanger Ungewissheit auch in der EU verfügbar.  Die neue Mikroblogging-Plattform des US-Internetkonzerns Meta, dem auch Facebook, Instagram und WhatsApp angehören, startete bereits im Juli dieses Jahres in mehr als 100 Ländern

Die wichtigsten Funktionen

Bei Threads handelt es sich um ein textbasiertes soziales Netzwerk, welches zur Unterhaltung und zum Austausch zwischen Nutzer*innen dienen soll. In der Social-Media-App kann man Textbeiträge von bis zu 500 Zeichen erstellen und dazu auch Links, Fotos und Videos von bis zu 5 Minuten anhängen. Als User*in kann man auf die Beiträge anderer reagieren, antworten, sie teilen oder zitieren.

Man könnte die App also auch als eine Art Mischung aus X (vormals Twitter) und dem auf (Bewegt-)Bild fokussierten sozialen Netzwerk Instagram beschreiben. Laut Instagram-Geschäftsführer Adam Mosseri versuche man mit Threads jedoch nicht, X zu ersetzen, da sich das neue soziale Netzwerk nicht allzu sehr auf Politik oder die aktuelle Nachrichtenlage fokussieren will.

Des Weiteren gibt es bei Threads auch keine Hashtags, User*innen können nur nach anderen Mitgliedern und nicht nach Themen suchen. Folglich lassen sich keine Trends feststellen, worüber gerade besonders diskutiert wird. Auch private Direktnachrichten kann man bei Threads (noch) nicht verschicken.

In Instagram integriert

Threads erinnert nicht nur in seiner Optik und Funktionalität stark an Instagram, es ist auch unmittelbar mit dem beliebten sozialen Bildnetzwerk verknüpft. Beiträge aus Threads können direkt in Instagram-Storys, also den nach 24 Stunden verschwindenden Meldungen, geteilt werden. 

Grundsätzlich ist die Erstellung eines Threads-Accounts überhaupt nur mit einem bereits vorhandenen Instagram-Profil möglich. So können nach der Erstanmeldung bei Threads der Instagram-Benutzer*innenname, das Kontopasswort und die Profilbeschreibung einfach übernommen werden. Auch die Konten, denen man bereits auf Instagram folgt, können in die neue App importiert werden.

Mit Ticket zur App

Aber wie kommt man denn nun als EU-Bürger*in am 14. Dezember ab 12 Uhr mittags zur neuen Threads-App? Instagram hat dafür ein kleines Easter Egg in seiner App versteckt: Gibt man in Instagrams Suchfunktion die Wörter “Threads” oder “Ticket” ein, erscheint neben dem Begriff ein rotes Ticket-Symbol

Berührt man es, öffnet sich eine animierte weiße Karte mit dem schwarzen Threads-Logo auf der einen Seite und den Eckdaten zum Threads-Start auf der anderen Seite. Das Datum "Do. Dez. 14." und die Uhrzeit "12:00 PM" sowie der künftige Benutzername, ein QR-Code und die ungefähren Threads-Nutzer*innenzahlen scheinen auf. Darunter befindet sich ein Funktionsfeld mit der Aufschrift "Hole dir Threads" - wählt man dieses an, kommt man zum App- oder Google-Play-Store. Den Service kann man aber auch über die Desktop-Version unter threads.net nutzen.

Verspäteter Start

Aber warum konnte man Threads in der Europäischen Union bisher nicht offiziell nutzen? Das Netzwerk hat bis jetzt die Verbraucherschutzstandards der EU nicht ausreichend erfüllt. Manche neugierige Nutzer*innen haben sich dennoch kurzzeitig mittels Beta-Versionen und anderen Tricks Zugang zur App verschafft. In Folge verschärfte Meta die Threads-Sperre im EU-Gebiet. 

Man begründete diesen Schritt mit rechtlichen Unklarheiten in Bezug auf die “neuen Digitalgesetze" wie dem gesetzlichen Doppelpaket Digital Services Act (DSA) und Digital Markets Act (DMA). Auch die automatische Verknüpfung der Nutzer*innendaten von Instagram und Threads wurden in diesem Zusammenhang als problematisch eingestuft. Laut Wall Street Journal gäbe es entsprechend der EU-Regeln nun Anpassungen wie der Option, Threads nur zum Lesen von Beiträgen nutzen zu können, ohne eigene Postings verfassen zu müssen. Außerdem ist es möglich, sein Threads-Konto zu löschen, ohne das damit verknüpfte Instagram-Profil zu deaktivieren - das war bis vor kurzem nicht der Fall.

Musk beschuldigt Meta

Auch wenn Threads-Verantwortliche wie Instagram-Geschäftsführer Mosseri oder Meta-Gründer Mark Zuckerberg ihre neue Plattform als Antithese zum rauen Ton auf X präsentieren und nicht als unmittelbare Konkurrenz darstellen wollen, fühlt sich X-Besitzer Elon Musk anscheinend trotzdem vom ähnlichen Prinzip des sozialen Mediums bedroht. So beschuldigte Musk Meta schon im Sommer, Ex-Twitter-Mitarbeiter*innen eingestellt zu haben und so an internes Wissen und vertrauliche Informationen gekommen zu sein. Der Konzern von Zuckerberg bestreitet das und verwies auf das Ziel von Meta, man wolle mit Threads “positive, produktive Unterhaltungen” ermöglichen - eine Aussage, die man als Seitenhieb gegen Musk und X deuten könnte, wo Diskussionen häufig aus dem Ruder laufen.

➤ Mehr lesen: Ein Jahr nach der Übernahme: Wie Elon Musk Twitter demoliert hat

Starker Start

Fakt ist jedoch, dass die Nutzer*innenzahlen von Musks X seit seiner Übernahme und der Namensänderung stark gesunken sind und damit auch die Werbeeinnahmen der Plattform. Dagegen hat Meta’s Threads im Juli innerhalb weniger Tage die Marke von 100 Millionen Anmeldungen überschritten. Seitdem wurden keine offiziellen Zahlen mehr veröffentlicht. Zuletzt wurde spekuliert, dass die Nutzung nach dem anfänglichen Hype wieder zurückging. Die populärsten Threads-Accounts haben unter anderem Fußball-Star Neymar mit 10,8 Millionen Follower*innen oder Sängerin Selena Gomez mit 10,2 Millionen Abonnent*innen.

Meta-Chef Zuckerberg ist davon überzeugt, dass Threads in geraumer Zukunft eine Plattform mit einer Milliarde Nutzer*innen werden könnte. Der heutige EU-Start soll somit einen weiteren Meilenstein in der noch jungen Geschichte von Threads markieren.

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Caroline Kainz

recherchiert, skriptet, moderiert und schneidet Erkärvideos – am liebsten zu Themen, die Technologie und Gesellschaft verbinden.

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