Digital Life

23 Prozent der Teenager üben mit KI für echte Gespräche

„Hast du ChatGPT schon gefragt?“, hört man auf Schulhöfen immer öfter. Fast alle Jugendlichen in Österreich nutzen mittlerweile KI-Chatbots. Rund ein Viertel chattet täglich damit, 42 Prozent mehrmals pro Woche. Das zeigt die neue Studie "KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Kinder und Jugendliche", für die im vergangenen Herbst mehr als 500 Jugendliche zwischen 11 und 17 befragt wurden. 

"Die Zahl, dass 94 Prozent der Jugendlichen die Chatbots bereits einmal genutzt haben, ist überraschend", sagt Stefan Ebenberger, Generalsekretär der ISPA. ChatGPT ist der mit Abstand meistgenutzte: 90 Prozent haben das Programm schon verwendet. Alternativen wie Google Gemini oder Claude nutzte maximal jeder Vierte. 

Die Teenager sehen KI überwiegend positiv: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen orten in der Künstlichen Intelligenz Chancen. Gefahren würden viel weniger sehen, sagt Ebenberger. Am größten sehen sie den Nutzen aber für sich persönlich. 

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KI hilft bei Hausaufgaben

Sie schätzen an ChatGPT etwa, dass es jederzeit antwortet, zeitsparend und unkompliziert ist. Am liebsten nutzen die jungen Österreicher es für Schule und Hausaufgaben. Fast drei Viertel lassen sich dabei helfen. Auch als Suchmaschinenersatz werden die Chatbots gern genutzt: 47 Prozent suchen damit Infos oder lassen sich Zusammenfassungen erstellen. Jeder Dritte lässt sich von dem Chatbot auch Dinge erklären

Die Befragung zeigte aber auch, dass das neue Nachhilfe-Tool auch Schattenseiten hat: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen vertraut etwa blind darauf, dass die Antworten der KI richtig sind. 40 Prozent überprüfen selten oder nie, ob sie stimmen. 

Zumindest ist vielen bewusst, dass zu großes Vertrauen in die KI unerwünschte Nebenwirkungen haben kann: 56 Prozent befürchten etwa, dass sie durch die Chatbots verlernen, selbst über Dinge nachzudenken. 

ChatGPT wird zum Selbsthilfe-Tool

Die KI ist für Jugendliche aber nicht nur als virtueller Wissensassistent wertvoll, sondern auch als Ansprechpartner. "Wir haben herausgefunden, dass 40 Prozent der KI als hilfreicher empfinden, als einen Menschen zu fragen. 28 Prozent haben gesagt, dass sie der KI intime Dinge anvertrauen", erklärt Birgit Satke, Leiterin Rat auf Draht. "26 Prozent haben sogar angegeben, dass man sich in einen Chatbot verlieben könnte."

Gerne holen sich die Jugendlichen auch Lebensrat: 6 von 10 Jugendlichen holen sich bei Liebeskummer, Stress oder Konflikten Tipps von ChatGPT und Co. Überraschend ist, dass es 4 von 10 offenbar leichter fällt, eine KI bei Alltagssorgen um Rat zu fragen, als eine menschliche Vertrauensperson. Einige pflegen mittlerweile sogar ein freundschaftliches Verhältnis (24 Prozent) oder sie flirten mit dem Chatbot (19 Prozent).

Das Vertrauen ist groß: 57 Prozent finden, dass die KI gute Ratschläge gibt. Nur 18 Prozent haben sich bei einer Unterhaltung schon einmal unwohl gefühlt.

Besonders oft besprachen 2025 Mädchen Dinge mit der KI. Zahlenmäßig hätten sie die Burschen überholt. Ebenberger erklärt das damit, dass sie generell lieber chatbasierte Medien verwenden. Männliche Jugendliche würden hingegen mehr video- und bildbasierte Medien wie Reels konsumieren. 

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Gespräche mit Menschen "üben"

Eine Veränderung bemerkt auch die Beratungsorganisation Rat auf Draht. Viele würden etwa auch beim Anruf dort direkt fragen "Bist du ein Mensch oder ein Chatbot?" 

In den Gesprächen sei es dann oft um Themen wie Liebeskummer, körperliche Veränderungen oder Sexualität gegangen. "Heute werden wir oft gefragt, wie man ein Gespräch beginnen kann", erklärt Satke. "Es fällt ihnen schwer, mit realen Personen im wirklichen Leben zu sprechen. Sie haben Scheu davor, Angst vor Zurückweisungen." 

Manche Jugendliche sehen hier ein Problem für zukünftige Generationen: "Wenn man von klein auf bei allen Problemen mit der KI redet, dann fällt es einem schwer, sich später an eine erwachsene Person zu wenden", meinte etwa eine Person im Interview. 

Gefährdet die KI unsere Jugend?

Die psychischen Folgen sind bislang nur wenig erforscht. Es gibt aber schon Fälle, in denen sich Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen durch KI-Chatbots in eine Art Echokammer begeben haben. Ein weiteres Problem sei etwa der Datenschutz. "Wir konnten sehen, dass in Bezug auf Datenschutz wenig Bewusstsein vorhanden ist", erklärt Barbara Buchegger, Pädagogische Leiterin Saferinternet.at. Dazu kommt eine Reihe weiterer Risiken.

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In Österreich wird derzeit etwa über ein Verbot für Social Media unter 14 diskutiert. Experten sagen, rund 20 Jahre nach dem Aufkommen, man habe hier die Risiken für Heranwachsende übersehen. Auch im Zusammenhang mit KI gibt es diese - und viele warnende Stimmen.  

"Machen wir nicht die Fehler, die bei den Social-Media-Angeboten passiert sind. Machen wir es hier besser", mahnt Buchegger. "Stellen wir sicher, dass altersadäquate Angebote gibt und man auch die Nutzung gut erlernen kann." Es brauche entsprechende Safeguards, eine Kennzeichnung von Werbung und KI-Bildern.

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Weichenstellungen für KI-Zeitalter

Gleichzeitig müsse man sicherstellen, die Chancen von KI nicht zu verpassen. Schon jetzt sei bei der Anwendung ein sogenannter "Digital Divide" bemerkbar: Das bedeutet, dass manche Jugendliche besser wissen, wie man mit einer KI spricht und sie sinnvoll einsetzt als andere. Es geht darum, den richtigen Mix zu finden. "Die beste technologische Veränderung bringt nichts, wenn die Jugendlichen nicht verstehen, wie sie anzuwenden ist", erklärt Alexander Pröll, Staatssekretär für Digitalisierung. 

Als richtigen Ort, um mehr über KI zu lernen, sehen die Jugendlichen im Übrigen die Schule: 66 Prozent sehen sie den richtigen Ort dafür. Wie genau ein sachgemäßer KI-Unterricht aussehen soll, ist allerdings noch unklar. Es gibt etwa den Vorschlag, dass man KI als eigenes Schulfach einführen könnte. Für Pröll ist aber auch klar: "Zuerst sollen die Kinder und Jugendlichen und Schüler lesen, schreiben, rechnen, kritisches Denken lernen, ohne Einsätze von digitalen Mitteln."

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Jana Unterrainer

Interessiert sich nicht nur dafür, was Technologie kann, sondern auch was sie mit uns macht. Sie schreibt am liebsten über KI, Digitale Trends und Wissenschaft.

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