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China tarnt seine Atomraketen jetzt als Kran

Eine Atomrakete auf der Autobahn erregt Aufsehen. Und Aufsehen ist nicht willkommen, wenn man die Standorte der Interkontinentalraketen vor möglichen Feinden geheim halten will.

Das chinesische Militär setzt deshalb auf Tarnen und Täuschen. In diesem Fall hat das nicht ganz so gut funktioniert: Chinesische User haben durchschaut, was sich da wirklich unter den gelben Planen befindet.

Zoomlion QY150

Auf den ersten Blick ist die Tarnung gar nicht mal so schlecht. Die gelbe Plane soll vortäuschen, dass hier ein mobiler Kran unterwegs ist. Dazu wurde Zoomlion auf die Plane gedruckt, ein chinesischer Hersteller von Baufahrzeugen. Außerdem ist „QY150“ darauf zu lesen. Das ist die Modellbezeichnung eines Teleskopkrans von Zoomlion mit 150 Tonnen Traglast.

Ein Zoomlion QY150 Kranfahrzeug

Googelt man den QY150, fällt das markante L-förmige Bauteil mit Haken an der Spitze des Teleskopauslegers auf, der über die Windschutzscheibe ragt. Auch Kranfahrzeuge anderer Hersteller nutzen diese Bauart. Diese Form wurde mit der Plane nachgebildet, um die verräterische Kuppelform des Raketen-Startbehälters zu kaschieren.

Zoomlion QY150

Plane statt Türen

Beim genaueren Hinschauen sieht man aber, dass die Kabine des Lkw des vermeintlichen Kranfahrzeugs ebenfalls komplett mit der Plane umhüllt ist. Auch die Türen sind nur Planen, wie auf einem Foto zu sehen ist, bei dem mehrere der Lkw anscheinend bei einer Tankstelle abgestellt wurden.

Getarnter Lkw bei der Tankstelle

Die Plane hat vorne Öffnungen für die Windschutzscheibe und Lichter des eigentlichen Lkw, der sich darunter befindet. Die Lüftungsschlitze in der Plane haben eine leicht abgeänderte Form als die des Lkw darunter, um ihn zu kaschieren.

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An der Rückseite ist die militärisch grüne Farbe des eigentlichen Trucks gut zu erkennen. Außerdem hat der Lkw 8 Räder auf jeder Seite. Der Zoomlion QY150 hat aber nur 6 Räder je links und rechts.

Der "Kran" auf der Straße

Dongfeng 41

Anhand der Form und der Konfiguration der Achsen, dürfte sich unter der Plane eine Dongfeng 41 (DF-41) verbergen. Das ist eine ballistische Interkontinentalrakete, die von einer mobilen Plattform auf Lkw-Basis (Transporter Erector Launcher – TEL) starten kann. Die DF-41 wurde schon 2017 in Dienst gestellt, der Öffentlichkeit aber erst 2019 bei einer Militärparade demonstriert.

Die Reichweite soll bis zu 15.000 km betragen. Sie ist für die Nutzung von MIRV-Mehrfachsprengköpfen ausgelegt. Bei maximaler Beladung kann sie 10 nukleare Sprengköpfe mit je 150 Kilotonnen Sprengkraft tragen oder 8 Stück mit 250 kT.

Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von 13 kT. Durch den Einsatz wurden bis zu 80.000 Menschen sofort getötet. Schätzungen zufolge sind anhand der Spätfolgen bis 1946 weitere 90.000 bis 160.000 Menschen gestorben.

Analysten gehen davon aus, dass die DF-41, die in Bereitschaft stehen, mit nur 3 Sprengköpfen bestückt sind. Der übrige Platz wird für Täuschkörper, Jammer und andere Maßnahmen genutzt, die das Abfangen der Rakete verhindern sollen, bevor die einzelnen MIRV-Sprengköpfe abgekoppelt und in Richtung ihrer Ziele fliegen.

Als Baumstamm getarnt

Es ist nicht das erste Mal, dass China versucht, seine Atomraketen zu tarnen. Im Juni 2025 wurde ein TEL gesichtet, mit einer Plane, die den Startkanister wie einen Baumstamm aussehen lassen sollte. Diese Tarnung war weit weniger umfassend als der jetzt gesichtete Kran-Überwurf.

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Die DF-41 auf TELs ist ein wichtiger Teil von Chinas Atomstrategie, gemeinsam mit U-Booten und Silos als Startplattformen. U-Boote können zwar monatelang unbemerkt in den Meeren unterwegs sein, sind aber teuer und langsamer zu bauen als TELs. Bei Silos ist das Problem, dass der Standort fix ist und in einer Zeit von ständiger Satellitenaufklärung nicht geheim gehalten werden kann – der Feind weiß also genau, wo er zuschlagen müsste, um den potenziellen Start der Atomraketen zu verhindern.

Die TELs lassen sich hingegen im ganzen Land verteilen. Sie können in unscheinbaren Garagen untergestellt werden oder in nicht befahrenen Eisenbahn- und Autotunnels. Sie könnten sogar unter Tarnnetzen in bewaldetem Gebiet geparkt werden, bis sie den Einsatzbefehl erhalten, auf eine Lichtung fahren und dort die Rakete starten.

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Die Kran-Tarnung ist vermutlich nicht gedacht, um die TELs auf Industriegebieten oder in der Nähe von Baustellen zu parken, bis der Schussbefehl kommt. Vermutlich wird der Überwurf nur für die Verlegung der DF-41 genutzt, also die Fahrt von einem Ort zum nächsten, um dabei weniger Aufmerksamkeit zu erregen und eine Ansammlung von Schaulustigen zu vermeiden.

Eine Frau macht ein Selfie vor einer ausgestellten DF-41

Die immer neuen Tarnungen machen es zudem schwieriger, die TELs mittels automatischer Bilderkennung in Satellitenfotos zu identifizieren und so deren Wege zu verfolgen. Hat man vorher etwa eine Bilderkennungs-KI auf die Baumstamm-Tarnung trainiert, wird sie jetzt vermutlich nicht auf die Kran-Umhüllung anspringen.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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