FILE PHOTO: Amazon logo outside an Amazon warehouse in Manchester

Amazon (Symbolbild).

© REUTERS / Phil Noble
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Legendärer Amazon-Dienst wird nach 20 Jahren eingestellt

Was tun, wenn man als Unternehmen z. B. schnell eine riesige Menge von Daten annotieren will, ohne dafür eigenes Personal einzustellen? Lange war dafür die Antwort Amazon Mechanical Turk. 

Der Dienst verbindet seit 2005 Auftraggeber mit Gig-Workern, die für Cent-Beträge Mikro-Tasks absolvieren. Dazu gehören so unterschiedliche Aufgaben wie das Kategorisieren von Bildern oder Produkten, das Moderieren von Kommentaren oder das Sammeln von Informationen aus dem Web. Amazon beschreibt die Arbeitskräfte als „weltweite Ressource“, die rund um die Uhr zur Verfügung steht und Aufgaben rasch bewältigt.

Doch die Tage des legendären Amazon-Diensts sind offenbar gezählt. Ab 30. Juli wird MTurk, wie die Plattform von Nutzerinnen und Nutzern knapp benannt wird, keine neuen Kundinnen und Kunden mehr annehmen. Bestehende blieben laut Amazon zunächst unberührt, heißt es auf der offiziellen Hilfeseite.

KI beißt sich in den Schwanz

MTurk wurde lange verwendet, um Datensets für KI-Modelle zu erstellen oder verbessern. Unter den Kunden sind etwa das KI-Forschungsinstitut Al2 und die Forschungsabteilung des chinesischen Internet-Konzerns Baidu gelistet.

Doch mittlerweile dürfte sich die KI selbst in den Schwanz beißen. Bereits 2023 stellte eine Schweizer Studie fest, dass 33 bis 46 Prozent der Gig-Worker von Mechanical Turk auf LLM-Unterstützung zurückgreifen, um mehr Tasks zu schaffen und damit mehr Geld zu verdienen. Angesichts der Tatsache, dass LLMs heute weit leistungsstärker sind als noch vor 3 Jahren, kann man davon ausgehen, dass sich dieses Phänomen nur verstärkt hat.

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Nimmt man den MTurk-Subreddit als Anhaltspunkt, dürften sich die Auftraggeber zunehmend von MTurk abwenden. Dort häufen sich nämlich die Beschwerden über ausbleibende Tasks.

Historisches Vorbild: Der Schachtürke

Mechanical Turk hat seinen Namen vom sogenannten Schachtürken, der 1770 in Wien am Hof von Maria Theresia präsentiert wurde. Dabei handelte es sich vermeintlich um einen mechanischen Automaten in Form einer „türkisch“ aussehenden Figur, die eigenständig Schach spielen konnte.

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Historische Zeichnung eines Schachtürken mit verborgenem Spieler.

Zeitgenössischer Kupferstich des "Schachtürken".

Tatsächlich war der Mechanismus gar nicht automatisch: im Inneren des Geräts versteckte sich ein äußerst versierter, menschlicher Spieler. Leider wurde das Original Ende des 19. Jahrhunderts bei einem Brand zerstört. Ein Stummfilm aus dem Jahr 1927 zeigt eine Nachbildung:

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