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Neuer „Wunder-Treibstoff“ gibt Kampfjets 30 Prozent mehr Reichweite

Einfach neuen Treibstoff tanken und schon hat eine F-35 einen Kampfradius von 1.560 km statt 1.200 km. Oder eine Rakete kann auf einmal die doppelte Nutzlast ins All bringen, ganz ohne Umbauten oder Modifikationen.

F-35

Das und noch mehr verspricht das Start-up CycloKinetics, berichtet flyingmag. Sollten sich diese Behauptungen als wahr herausstellen, die nach einem „Wunder-Treibstoff“ klingen, könnte das ein echter Gamechanger sein.

Von nachhaltigem Treibstoff zu Militäraufträgen

Hinter dem Unternehmen steckt Mukund Karanjikar, der Gründer und CEO von CycloKinetics ist. Die neue Firma ist ein Spin-Off von CleanJoule, das der Chemieingenieur schon 2009 gegründet hat. CleanJoule hat sich auf die Produktion von nachhaltigen Flugzeugtreibstoffen (SAF) spezialisiert.

Seit 15 Jahren werde laut Karanjikar bei CleanJoule schon zusammen mit der US Air Force, Army und Navy an neuen Treibstoffen geforscht. Seit Mitte 2025 würden diese 3 Teilstreitkräfte CycloKinetics-Produkte für „verschiedene Anforderungen“ nutzen. Details dazu gibt es nicht.

Eine F-35 wird betankt (Symbolbild)

Vom US-Militär findet man ebenso keine Informationen dazu. Beim US-Kriegsministerium wird CleanJoule zumindest erwähnt. 2024 wurde etwa ein Auftrag in Höhe von 1,49 Millionen US-Dollar vergeben, um eine Produktionsanlage für Flugzeugtreibstoff-Zusatzstoffe aufzubauen, damit man weniger von ausländischen Lieferanten abhängig ist.

Wenn man anscheinend schon „heimlich“ große Teile der US-Streitkräfte beliefert: Warum taucht dann CycloKinetics jetzt aus den Schatten auf? Damit wolle man noch mehr Kunden beim US-Militär gewinnen und auch bei mit den USA verbündeten Streitkräften. Außerdem soll damit klargestellt werden, dass CleanJoule rein für den zivilen Markt Treibstoffe produziert und CycloKinetics für die Rüstungsindustrie und Raumfahrt.

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30 Prozent mehr Reichweite

Laut CycloKinetics haben die neuen Treibstoffe eine bis zu 32 Prozent höhere Energiedichte als die, die sie beim US-Militär ersetzen sollen. Dies würde bei Flugzeugen eine Reichweitensteigerung von bis zu 30 Prozent bedeuten. Kampfjets und Drohnen könnten damit genauso weiter und länger fliegen, wie auch Transportflugzeuge und Bomber. Zudem soll es auch einen Treibstoff geben, der für Raketen geeignet sei.

Laut Mukund Karanjikar sind alle Treibstoffe „100-prozentige Drop-In Replacements“. Sie können also sofort statt der bisherigen Treibstoffe genutzt werden. Weder für Transport, Lagerung noch an den Flugzeugen und Raketen selbst seien Umbauten oder Modifikationen nötig.

F/A-18 wird betankt (Symbolbild)

3 Treibstoffe

CycloJP soll die üblichen Treibstoffe ersetzen, wie Jet A, JP-5, JP-8 und JPTS. Diese gibt es schon seit den 1950er- und 1970er-Jahren und werden immer noch für Flugzeuge, Hubschrauber und Drohnen genutzt. CycloJP soll nicht nur eine höhere Energiedichte haben, sondern auch bessere thermische Stabilität, bessere Leistung bei niedrigen Temperaturen und auch in großen Flughöhen effizienter sein als die bisherigen Treibstoffe.

CycloRP soll die Treibstoffe RP-1 und RP-2 von Flüssigtreibstoffraketen ersetzen. Karanjikar zufolge hätte ein „Weltraum-Dienstleister“, der aus Gründen der Geheimhaltung nicht genannt werden dürfe, CycloRP bei Bodentests genutzt. Diese Tests würden zeigen, dass die Nutzlast einer Rakete damit mehr als verdoppelt werden könne. Man sei jetzt in Verhandlungen und ein erster Raketenstart mit CycloRP könne ab Anfang 2027 erfolgen.

CK-10 soll der Ersatz für JP-10 werden. JP-10 wird hauptsächlich für Marschflugkörper, wie etwa die BGM-109 Tomahawk, und andere militärische Raketen genutzt. CK-10 soll die Reichweite dieser Waffen erhöhen, ebenfalls ohne, dass die Triebwerke oder Raketen selbst umgebaut werden müssen.

Wie der Preisunterschied der neuen zu den alten Treibstoffen ist, ist nicht bekannt. Auch zur Produktionskapazität gibt es keine konkreten Infos. Auf der Website des Unternehmens liest man lediglich, dass die Fertigungsanlagen schnell und stetig erweitert werden und man bereit sei, die Produktion sofort hochzuskalieren, wenn der Kunde dies benötige.

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„Wunder-Treibstoff“ ist mit Vorsicht zu genießen

Falls die Treibstoffe von CycloKinetics wirklich all das halten, was sie versprechen, ist das ein Meilenstein - selbst, wenn die Reichweitensteigerung nur 10 bis 20 Prozent ausmacht. Ob eine Tomahawk über 2.000 km Reichweite hat oder doch nur 1.700 km, kann den Unterschied machen, ob ein Ziel im Landesinneren damit bekämpft werden kann - oder ob der Zerstörer, der den Marschflugkörper startet, näher an die Küste ran und sich in Gefahr begeben muss, statt in sicherer Entfernung bleiben zu können.

Kampfjets und Bomber könnten damit Ziele erreichen, ohne in der Luft betankt werden zu müssen oder sie müssen weniger oft betankt werden, was die Lufttankerflotte entlastet. AWACS-Radarflugzeuge und Aufklärungsdrohnen können länger im Einsatz bleiben.

In der Raumfahrt könnten doppelt so viele Satelliten ins All gebracht werden – also statt 2 Starts könnte nur noch einer nötig sein. Das würde die Startkosten drastisch reduzieren und könnte die private Raumfahrt nochmal ordentlich aufmischen.

Die Betonung liegt jedenfalls auf „falls“: Solange nicht das US-Militär und Raumfahrtunternehmen die Leistung der Treibstoffe öffentlich bestätigen, sollte man alle Angaben von CycloKinetics mit sehr viel Vorsicht genießen.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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