Zweiter Super-Flugzeugträger der Ford-Klasse sticht erstmals in See
Die USS John F. Kennedy hat den Hafen in Newport News, Virginia, verlassen. Der Flugzeugträger mit der Kennung CVN-79 ist jetzt unterwegs zu den ersten Testfahrten.
Bei diesen Testfahrten werden wichtige Systeme des Schiffs und Komponenten des Flugzeugträgers zum ersten Mal im Meer getestet. Eigentlich hätte die Kennedy schon 2018 fertiggestellt werden sollen, nachdem die Bauarbeiten im Februar 2011 begonnen hatten.
Schon Ende 2012 wurde die geplante Indienststellung auf 2022 verschoben. Mittlerweile wird gehofft, dass die Kennedy im März 2027 an die US Navy übergeben wird – wobei es bereits Gerüchte gibt, dass das nicht vor Juli 2027 passieren wird.
Es gab schon eine Kennedy vor der Kennedy
Die Kennedy ist der zweite Flugzeugträger der USA, der diesen Namen trägt. Die erste USS John F. Kennedy (CV-67) gehörte zur Kitty-Hawk-Klasse. Sie war von 1968 bis 2007 aktiv.
Die Flugzeugträger der Kitty-Hawk-Klasse hatten noch einen konventionellen Antrieb. Die Verdrängung betrug bis zu 83.000 Tonnen, weshalb sie als Superflugzeugträger gelten. Von dieser Kategorie spricht man, wenn eine Verdrängung von 75.000 Tonnen überschritten wird.
Übung im Pazifik mit der USS Kitty Hawk (rechts). Mittig das Versorgungsschiff USNS Tippecanoe, links der japanische Zerstörer Haruna.
© US Navy
Diese Masse machte die Flugzeugträger der Kitty-Hawk-Klasse zu den größten Kriegsschiffen mit konventionellem Antrieb – bis 2009 die USS Kitty Hawk, als letztes verbleibendes Schiff der Klasse, außer Dienst gestellt wurde. Mittlerweile trägt diesen Titel die Fujian, Chinas dritter und bisher größter Flugzeugträger. Die Fujian hat eine Verdrängung von bis zu 85.000 Tonnen.
Gerald-R.-Ford-Klasse
Die neue Kennedy gehört zur Gerald R.-Ford-Klasse, den neuesten Flugzeugträgern der USA. Diese haben eine Verdrängung von 100.000 Tonnen. An Bord ist Platz für über 75 Flugzeuge und Hubschrauber. Die 2 Nuklearreaktoren sorgen für eine Geschwindigkeit von über 56 km/h. Geplant ist, dass die Träger der Ford-Klasse bis zu 90 Jahre im Dienst bleiben.
Die Kennedy ist das zweite Schiff der Klasse. Das erste, die USS Gerald R. Ford (CVN-78), wurde 2017 in Dienst gestellt. 2030 soll der dritte Flugzeugträger der Ford-Klasse einsatzbereit sein, die USS Enterprise (CVN-80).
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Kinderkrankheiten
Die Verzögerungen beim Bau der Kennedy sollen für Verbesserungen genutzt worden sein. Weil die USS Gerald R. Ford das erste Schiff der Klasse war, wurden bei ihr einige Kinderkrankheiten entdeckt. So bekommt die Kennedy etwa ein AN/SPY-6(V)3-Radar, weil sich das Dual-Band-Radar der Ford als zu unzuverlässig herausgestellt hat.
USS John F. Kennedy auf dem Weg zur ersten Testfahrt.
© HII
Auch das elektromagnetische Katapult (EMALS) der Ford machte Probleme, obwohl es eines der Haupt-Features ist. Die Ford-Klasse sind die ersten Flugzeugträger der Welt, die die üblichen, dampfbetriebenen Katapulte durch EMALS ersetzen. Die Fujian, die im November 2025 in Dienst gestellt wurde, ist der zweite aktive Flugzeugträger weltweit mit EMALS.
EMALS
Katapulte von Flugzeugträgern sind üblicherweise dampfbetrieben. Elektromagnetische Katapulte (EMALS) sind eine moderne Alternative dazu.
Der Jet wird an einem Katapultschlitten befestigt, der sich in der Startbahn befindet. Elektromagnete entlang der Bahn erzeugen ein enorm starkes magnetisches Feld. Dadurch wird der Schlitten - und gleichzeitig auch das an ihm befestigte Flugzeug - entlang der Bahn beschleunigt. Nachdem das Flugzeug die erforderliche Geschwindigkeit für das Abheben erreicht hat, löst es sich vom Schlitten und hebt ab. Der Schlitten wird am Ende der Katapultbahn abgebremst und für den nächsten Start zurückgeführt.
Aufgrund der Funktionsweise mit den Magneten kann die Beschleunigung bei der elektromagnetischen Variante exakt angepasst werden. Die notwendige Kraft kann sich je nach Flugzeugtyp stark unterscheiden. So sind vollbeladene Jagdbomber etwa deutlich schwerer als unbemannte Aufklärungsdrohnen. Durch die Anpassung kann Energie gespart und der Verschleiß bei leichteren Maschinen und Drohnen reduziert werden.
EMALS sollen zudem weniger wartungsintensiv sein als Dampfkatapulte. Allerdings gibt es Berichte über Kinderkrankheiten der noch jungen Technologie. EMALS bei der USS Gerald R. Ford soll derzeit deutlich häufiger ausfallen, als ursprünglich von der Navy berechnet wurde.
Neben der Verlässlichkeit des EMALS soll ein anderes großes Manko beseitig worden sein. Obwohl die Ford der neueste Flugzeugträger der US-Streitkräfte ist, hat sie keine F-35C an Bord, den aktuellen Stealth-Fighter der US Navy. Denn der Bau des Kriegsschiffs war zu weit fortgeschritten, um die zum Betrieb der F-35C nötige Infrastruktur einzubauen. Die F-35C hatte ihren Erstflug im Jahr 2010, wurde aber erste 2019 in Dienst gestellt.
Eigentlich war auch für die Kennedy vorgesehen, dass die F-35C-Unterstützung erst nach der Indienststellung nachgerüstet wird, genauso wie bei der Ford. Der US-Kongress hatte sich dafür eingesetzt, dass die Kennedy von Beginn an die F-35C unterstützt. Den Auftrag für die damit verbundenen Bauarbeiten hat der Schiffsbauer HII im November 2020 erhalten – auch das war ein Grund, dass die geplante Indienststellung der Kennedy weiter nach hinten geschoben wurde.
F-35C startet von der USS George H.W. Bush (CVN 77)
© US Navy
Munitionsaufzüge und Blast Shields
Ebenfalls ein Grund für die Verschiebung waren nötige Verbesserungen an den Aufzügen, die die Bomben und Raketen für die Flugzeuge zum Flugdeck bringen. Die Aufzüge bei der Ford waren so unzuverlässig, dass zeitweise nur 3 von 11 funktionierten.
Weiters hatte die Ford Probleme mit der Fanganlage, die die landenten Flugzeuge bremst. Ebenso war das Blast Shield nicht zuverlässig genug und wurde als ein Faktor genannt, warum die Ford bisher nicht die angestrebte Effizienz erreicht hat. Das Blast Shield wird vor dem Start eines Flugzeugs aufgestellt, damit die heißen Triebwerksgase nicht Menschen und Equipment dahinter gefährden.
Das Problem sind die Aktoren, die die Schilder senken und aufstellen. Selbst nach mehreren Modifikationen und Arbeiten daran waren im August 2022 alle 4 Blast Shields von Ausfällen betroffen. Die Ford musste deshalb früher als geplant im Hafen einlaufen und konnte die geplanten Flugzeugträger-Qualifikationen nicht abschließen.
2 Soldaten unter einem geöffneten Blast Shield der Gerald R. Ford.
© US Navy
Kennedy kostet über 13 Milliarden US-Dollar
Diese benötigten Modifikationen ließen den Preis für die Kennedy nach oben schnellen. 2018 wurden die Kosten auf 11,3 Milliarden US-Dollar geschätzt. Laut einem Bericht des US-Kongress von Dezember 2025 sind die Kosten mittlerweile auf 13,196 Milliarden US-Dollar gestiegen – wobei nicht klar ist, ob dieser Betrag die Inflation miteinbezieht. Falls nicht und falls der Ausgangspunkt die im Jahr 2018 berechneten Kosten sind, wären das heute 16,92 Milliarden US-Dollar.
USS John F. Kennedy
© HII
Die US Navy geht davon aus, dass die Preise für die Schiffe der Ford-Klasse weiter steigen werden. Die USS Doris Miller (CVN-81), die derzeit gebaut wird, soll mindestens 15 Milliarden US-Dollar kosten. 6 weitere Flugzeugträger für die Klasse sind aktuell geplant. Für die CVN-82 und CVN-83 wurden bereits die Namen vergeben: William J. Clinton und George W. Bush.
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Die neuen Ford-Klasse-Flugzeugträger sollen die der Nimitz-Klasse ersetzen, deren Lebenszeit sich dem Ende zuneigt. Aktuell sind 10 Träger der Nimitz-Klasse im Einsatz. Das älteste ist die USS Nimitz, die 1975 in Dienst gestellt wurde.
Falls die USS Nimitz heuer außer Dienst gestellt wird, so wie es die Navy geplant hat, hat die Navy nur noch insgesamt 10 aktive Flugzeugträger (9x Nimitz-Klasse, 1x Ford-Klasse). Wird die Kennedy 2027 in Dienst gestellt, sind es 11. Eigentlich ist die Navy gesetzlich dazu verpflichtet, nicht weniger als 11 aktive Flugzeugträger zu haben. Von US-Politikern wird seit 2016 versucht, diese Zahl auf 12 zu erhöhen.