Die Kunming wird im Video getroffen und versenkt
Saab zerstört in Werbevideo den chinesischen Zerstörer Kunming
Es ist üblich, dass Rüstungshersteller ihre Produkte mit fiktiven Einsatzszenarien bewerben. Früher wurde in solchen Videos auf generisches Kriegsgerät eines gesichtslosen Feindes geschossen. Mittlerweile werden Panzer und Schiffe anvisiert, die relativ deutlich bestimmten Typen zuzuordnen sind.
Saab ist beim Video zu seiner Antischiffsrakete RBS15 aber noch einen Schritt weiter gegangen. Darin ist nicht nur ein chinesischer Zerstörer der Klasse Typ 052D sehr detailliert dargestellt, sondern auch die Kennung am Rumpf zu sehen.
Die 172 ist keine generische Beschriftung, sondern gehört zur Kunming. Sie ist der erste Zerstörer dieser Klasse und seit März 2014 im aktiven Dienst.
Kunming
© PLAN
Wehrt Schweden eine chinesische Invasion ab?
Dass in dem Video ein echt existierendes Schiff, das sich im Dienst befindet, aus mehrfacher Perspektive getroffen wird, explodiert und sinkt, ist eine interessante Wahl von Saabs PR-Abteilung. Dazu kommt, dass ein paar der Raketen von Saab JAS 39 Gripen Kampfjets abgefeuert werden.
Diese starten aus bewaldetem Gebiet, was naheliegt, dass sie zu den schwedischen Luftstreitkräften gehören – und nicht etwa zu Thailand. Das Land nutzt ebenfalls die Gripen und wäre geografisch deutlich näher an China als Schweden.
Ebenfalls ist im Video zu sehen, dass eine RBS15 von einem Schiff der Visby-Klasse gestartet wird. Schweden ist der einzige Nutzer dieser Korvette. Das Szenario des Werbevideos ist also, dass Schweden die chinesische Marine angreift – oder China gerade mit 2 Schiffen eine Mini-Invasion der schwedischen Gewässer durchführt, die abgewehrt werden muss.
Saab entfernte Video
Dass das beides aus politischer Sicht nicht gerade sauber ist, hat wohl auch Saab eingesehen. Das Werbevideo am offiziellen YouTube-Account wurde auf privat gestellt. Auf dem X-Kanal von Saab ist es ebenso nicht zu finden. Ein Statement des Rüstungskonzerns zu dieser Sache wurde bisher nicht veröffentlicht.
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Immerhin wird in dem Video auch ein realistisches Ziel beschossen und zerstört: ein russisches 91N6. Dabei handelt es sich um ein Luftüberwachungsradar. Dieses hat eine Reichweite von bis zu 600 km und eine 360-Grad-Abdeckung. Es ist Teil des russischen Luftabwehrsystems S-400, dessen Raketen eine Reichweite von bis zu 380 km haben.
Odins Speer
Mit dem Video wollte Saab die Vielseitigkeit der RBS15 demonstrieren. Seit die Waffe 1984 in Dienst gestellt wurde, wurde sie mehrfach verbessert und weiterentwickelt. Mittlerweile kann sie nicht nur als Antischiffsrakete genutzt werden, sondern auch Landziele angreifen.
Die neueste Version ist Gungnir. So heißt Odins Speer in der nordischen Mythologie. In dem Video ist am Gefechtskopf der Rakete noch „tryck eh här“ zu lesen. Dabei handelt es sich nicht um eine Typenbezeichnung: Übersetzt heißt das „Drücken sie hier“.
"Drücken Sie hier"
© Saab
Die RBS15 Gungnir hat eine Reichweite von über 300 km und fliegt 1.100 km/h schnell. Sie nutzt sogenannten Sea Skimming, fliegt also sehr knapp über der Wasseroberfläche, um nicht vom feindlichen Radar erfasst zu werden.
Die RBS15 kann von Landfahrzeugen, Kampfjets und Schiffen gestartet werden. Werden mehrere Raketen auf dasselbe Ziel abgefeuert, können sie so programmiert werden, dass sie aus verschiedenen Richtungen kommen, aber zur gleichen Zeit einschlagen. Der Gefechtskopf wiegt 200 kg. Die Navigation ins Zielgebiet erfolgt mittels Trägheitsnavigation und GPS, das laut Saab gegen Jamming geschützt ist. Die Zielerfassung erfolgt per Radarsuchkopf.
Eine RBS15 ist neben einem Gripen bei einer Flugshow ausgestellt
© orayan82/Wikimedia Commons
RBS15 fliegt Ausweichmanöver
In dem Werbevideo ist zu sehen, dass sich die RBS15 nicht von den gestarteten Täuschkörpern der Kunming ablenken lässt. Außerdem fliegt sie, kurz vor dem Einschlag Ausweichmanöver, um dem CIWS zu entgehen. Die Typ 052D nutzt als CIWS das Typ 730. Das ist eine 30-mm-Gatlingkanone mit 7 Läufen. Die Reichweite beträgt bis zu 5 km, die Feuerrate bis zu 5.800 Schuss pro Minute.
Dass die Kunming keine Luftabwehrraketen aus ihren vertikalen Startzellen (VLS) abfeuert, macht für das Werbevideo Sinn, da die RBS15 unter dem Radar fliegt. Allerdings haben die Typ 052Ds auch noch ein raketenbasiertes CIWS für den Nahbereich an Bord, das in dem Video nicht gezeigt wurde: das HQ-10. Je nach Ausführung hat das 8 bis 24 Raketen pro System, mit jeweils bis zu 9 km Reichweite.
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