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007 First Light im Spieletest: Tolle Bond-Momente mit Durststrecken

Was haben Agent 47, Nathan Drake und Bruce Waynes Alter Ego gemeinsam? Sie alle sind Teil von Bond, James Bond.

Zumindest in 007 First Light (PS5, Xbox Series, PC, ab 16 Jahren, ab 70 Euro bei Amazon) ist das so, dem ersten echten Bond-Videospiel seit 14 Jahren. Ich habe das Game auf der PS5 getestet.

Junior-Agent

First Light ist ein völlig eigenständiges Spiel. Es basiert weder auf einem Bond-Film noch auf einer Ian-Fleming-Kurzgeschichte, ist aber natürlich stark im Bond-Universum verankert. Auch wenn man die First-Light-Versionen von M, Q und Co. nicht aus den Bond-Filmen kennt, sind ein paar vertraute Gesichter und Stimmen dabei: Besonders Lennie James sticht durch sein Voice Acting positiv hervor. Generell wurde gut gecastet, inklusive Patrick Gibson, der dem jungen Bond seinen frechen Charme verleiht.

Jung, weil sich Bond in First Light erst seine Nummer verdienen muss. Er stolpert mehr oder weniger ins Visier des MI6 und wird für den Neustart des Doppelnull-Programms rekrutiert. Und hier beginnt ein Spielemoment, der so clever ist, dass ich mich daran noch Jahre erinnern werde: Das Tutorial ist wie eine Trainings/Ausbildungs-Montage eines Films aufgebaut. Hier wechseln sich ganz kurze Spielmomente mit etwas längeren Levels und dazwischen die üblichen Montagesequenzen ab, bis zu einem filmreifen Finale.

Auch wenn das Pacing fast schon zu schnell ist, dass man sich alles Gelernte merkt: Dieser Teil ist grandios gelöst und wird sicherlich in Zukunft von etlichen anderen Spielestudios kopiert werden.

Hitman Light

Die Erwartungen sind also da, dass es genauso gut weitergeht. Und zu Beginn ist man auch noch zuversichtlich. Eine etwas eskalierende Ausbildungsmission beim abendlichen Fortgehen macht Lust auf mehr. Das Streifen durch den vollen Club, das Suchen von verschiedenen Wegen zum Ziel, die „Verkleidung“: Hier ist ganz klar die Handschrift vom Spielestudio IO Interactive zu erkennen, das auch hinter der Hitman-Serie steckt.

Diese Passagen, in denen man möglichst elegant und unauffällig infiltrieren und mit anderen Personen interagieren soll, sind für mich das Highlight bei First Light. Das Gameplay geht zwar nicht so weit wie bei Hitman und ist eher ein Herumstochern im Sandküberl als dessen Sandbox-Kreativität, aber durchaus unterhaltsam. Dieses „Hitman Light“ und der charmante Patrick-Gibson-Bond passen einfach gut zusammen.

007 First Light: Einer der "Hitman Light"-Abschnitte in einem Museum.

Leider franst das Ganze dann stark aus. Gerade manipuliert man noch inkognito eine Schwarzmarkt-Auktion für eine Stealth-Drohne und im nächsten Moment klettert und hüpft man durch einen Schiffsfriedhof. Diese Klettersequenzen gibt es auch später immer wieder und sie gehen leider oft über das „ich häng mich hier aus dem Fenster, um über die Dachrinne ins abgesperrte Zimmer zu kommen“-Maß hinaus. Zwischendurch habe ich mich öfters gefragt, ob es jetzt wirklich nötig ist, das Gameplay mit ausufernden Klettereinlagen von Hitman Light zu einem „Uncharted Light“ zu machen.

Batman, Ballern, Autofahren

Ähnliche Déjà-vu-Erlebnisse häufen sich für erfahrene Gamer im weiteren Spielverlauf. Die eigentlich ganz gut gelösten Prügelsequenzen laufen nach dem Schema ab, das man aus der Batman-Arkham-Serie kennt: Ausweichen, kontern, greifen und Gadgets einsetzen. Besonders in späteren Levels, wenn die Rangeleien zu Massenschlägereien ausarten, fühlt man sich stark an die Handgemenge mit dem Dunklen Ritter erinnert.

Die Action-Passagen, im Stil eines Deckungs-Shooters, fühlen sich seltsam an. Zu Beginn des Games wird man noch belehrt, dass MI6-Agenten nur schießen, wenn unbedingt nötig: Und dann gibt es in regelmäßigen Abständen Ballereien mit massig Feinden, die die Tanker-Szene von „The Spy Who Loved Me“ und den Kampf in Safins Hauptquartier in „No Time to Die“ wie friedliche Geplänkel wirken lassen.

Auf Tastendruck wird der Fokus-Modus gestartert, der kurz die Zeit verlangsamt, um präziser Schießen zu können.

Man muss IO Interactive aber anrechnen, dass sie versucht haben, die Schusswechsel ins übrige Gameplay zu integrieren. Kommt man nahe genug an die Feinde ran, kann man sie in Batman-Manier prügeln und in einigen Levels können Ballerpassagen durch geschicktes Schleichen umgangen werden. Demgegenüber stehen die erzwungenen, gefühlt viel zu langen Ballerabschnitte, die dann auch noch gefüllt mit stark gepanzerten Soldaten sind und später humanoiden Robotern. Dem Bond-Gefühl hätte es jedenfalls gutgetan, wenn die Feuergefechts-Level kürzer ausgefallen wären.

Zum Abrunden darf man noch Autofahren: Denn was wäre ein Bond-Film ohne Verfolgungsjagd? Leider fühlen sich die Fahrszenen ziemlich holprig an, zum Glück sind sie mit Bedacht eingesetzt. So richtig Bond-Feeling kommt dabei nicht auf, denn die Inszenierung erinnert an Autosequenzen aus anderen Action-Videogames, die dort zur Auflockerung des üblichen Gameplays eingebaut wurden.

Fazit

Nach den gut 12 Stunden Spielzeit lässt mich First Light unbefriedigt zurück – nicht, weil es ein schlechtes Spiel ist, sondern weil es viele gute Ansätze hat, die aber nicht gut genug ineinanderklicken, um einen „spielbaren Bond-Film“ zu ergeben.

Es gibt zwar tolle 007-Momente und ein paar Easter-Eggs für Fans der Filme: Aber dazwischen sind die Durststrecken zu lange, bzw. die Sequenzen und Levels, die nach Gotham und Uncharted abdriften. Es fehlt einfach das gewisse Etwas, um alles schön abzurunden und zusammenzuhalten. Wie man das richtig macht und auf der Basis berühmter Filme ein neues Spiel zaubert, hat „Indiana Jones und der Große Kreis“ eindrucksvoll bewiesen.

Tipp: Etwas abwarten, bis es 007 First Light günstiger gibt. Vielleicht wurden dann auch mit Updates ein paar der holprigen Elemente bei der Steuerung und in den Levels ausgebügelt.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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