Social-Media-Verbot in Österreich: Wie kann man das Alter überprüfen?
(Update, 27.01. 16:40: Statements von Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll)
Noch 2026 könnte es in Österreich ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren geben. Das berichtete das Ö1 Morgenjournal am Dienstag unter Berufung auf den zuständigen Staatssekretär Alexander Pröll. TikTok, Instagram und andere Plattformen könnten noch zum Start des nächsten Schuljahres für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren nicht mehr zugänglich sein.
„Unser Ziel ist es, bis zum Beginn des neuen Schuljahres im Herbst schon konkrete Umsetzungsschritte getätigt zu haben. Erster Schritt ist aus meiner Sicht eine Einbindung von Expertenrunden gemeinsam mit den politischen Parteien. Im weiteren Schritt werden wir uns dann auch über die technische Umsetzung im Detail Gedenken machen“, sagt Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll gegenüber der futurezone.
Österreich wäre nicht das erste Land, das ein derartiges Vorhaben umsetzt. Ein ähnliches Verbot gibt es bereits in Australien. Dort ist seit Dezember 2025 die Nutzung von Plattformen wie Instagram, YouTube, Snapchat oder Twitch erst ab 16 Jahren gestattet. Auch Staaten wie Frankreich, Großbritannien und Dänemark bereiten derzeit entsprechende Gesetze vor, die junge Menschen vor Risiken, wie Sucht und psychischen Problemen, schützen sollen.
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Praxistest in Australien
In Australien wird die Verantwortung den Plattformen übertragen: Sie müssen sicherstellen, dass Unter-16-Jährige keinen Zugriff haben. Bei Verstößen drohen Strafen in zweistelliger Millionenhöhe. Zur Altersüberprüfung sind dort verschiedene Technologien erlaubt, solange die Plattformen damit auch Betrügereien mit gefälschten Ausweisen, KI-Tools und Deepfakes ausschließen können. Denn natürlich wäre es kinderleicht, einfach einen Account mit falscher Altersangabe zu erstellen.
Neben einer offiziellen digitalen Identität, die der ID Austria ähnelt, kommen dort auch Stimm- und Gesichtserkennung sowie spezielle Technologien zur Altersschätzung zum Einsatz. Letztere analysieren, wie sich User verhalten – also was sie liken und wem sie folgen.
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EU arbeitet an Alters-App
Während man in Australien nun erste Erfahrungen mit den Überprüfungen in der Praxis sammelt, legte die EU bereits im Juli 2025 eigene Pläne zur Altersüberprüfung vor. Diesen zufolge soll in der gesamten Wirtschaftsunion eine ähnliche Technologie als Altersnachweis dienen, sagt die EU Kommission. Mit der App soll man bei der Registrierung auf einer Plattform nachweisen können, dass man eine gewisse Altersschwelle überschreitet. Derzeit testet die EU das Modell in der Pilotphase und bereitet ein offizielles Rollout vor.
Laut einem Bericht von Netzpolitik.org soll die App Plattformen dann verraten, wie alt ein User ist. Dazu soll man etwa ein Ausweisdokument in der App hinterlegen, das zusätzlich durch ein biometrisches Verfahren wie einen Gesichtsscan abgeglichen wird – damit kein Ausweisbetrug stattfindet. Ähnliche Methoden werden schon jetzt zur Identitätsüberprüfung verwendet, etwa wenn man online ein Bankkonto eröffnet.
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Sparsam mit persönlichen Daten
Einen Prototyp hat etwa die Deutsche Telekom zusammen mit dem schwedischen Softwareunternehmen Scytáles AB entwickelt. Nach einem Download erstellt man einen Account, den man durch einen PIN-Code, einen Gesichts- oder Fingerscan schützt. Dann wählt man aus, mit welcher Methode man sein Alter bestätigen will: Möglich sind etwa Verknüpfungen mit einem Bankkonto oder Ausweisen wie Reisepass oder Personalausweis.
Die Deutsche Telekom behauptet, dass mit der App-Methode keine sensiblen Daten an andere Plattformen übertragen werden. Wer sich beispielsweise auf Instagram oder TikTok registriert, bestätigt mit der App nur, dass er alt genug ist. Ein konkretes Geburtsdatum oder andere sensible Daten bleiben den Plattformen verborgen. Umgekehrt sollen auch die Plattformen keine Daten an die App übertragen: Das heißt, die Alters-App würde nicht erfahren, dass wir uns auf YouTube viele Videos zu Themen wie psychischer Gesundheit, Sexualität oder Finanzen anschauen.
Offene Fragen in Österreich
Welche Lösung für den Altersnachweis in Österreich kommt, ist derzeit noch unklar. Vorstellbar ist, dass der Nachweis an eine App wie ID Austria oder eine neue EU ID gekoppelt wird.
Das ist auch von der EU abhängig: „Die Frage ist hier, ob die anderen europäischen Länder auch so schnell in der Umsetzung sind wie Österreich. Daher bin ich dafür, dass wir uns parallel dazu schon Gedanken machen, wie ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige bzw. für Kinder und Jugendliche konkret auch in Österreich aussehen kann“, sagt Pröll.
Ebenso wenig weiß man derzeit, welche Apps in Österreich als Social Media gelten sollen. In Australien fallen darunter etwa auch Plattformen wie YouTube, Foren wie Reddit und der Messenger Snapchat.
Allerdings gibt es auch Ausnahmen. So wurden etwa WhatsApp, KI-Chatbots, YouTube Kids, Google Classroom und WhatsApp vom Social-Media-Alterslimit ausgenommen. Auch Zocken dürfen die australischen Kids weiterhin – Computerspiele sind nicht vom Verbot betroffen, auch nicht die umstrittene Plattform Roblox, die Social-Media-ähnliche Kontaktfunktionen enthält.
In Australien stößt das Verbot bislang auf gemischtes Feedback. Manche Kids empfinden die „Zwangspause“ als neugewonnene Freiheit, während andere keinen großen Unterschied bemerken. Und natürlich gibt es Versuche, das Verbot durch Tricksereien zu umgehen. So wie Minderjährige hierzulande am Club-Eingang mit falschen Ausweisen den Türsteher täuschen wollen, versuchen sie es nun auch beim digitalen Altersnachweis. Außerdem können Kinder und Jugendliche weiterhin auf Plattformen zugreifen, die für manche Funktionen keinen Login erfordern, etwa die simple Wiedergabe von Videos auf YouTube.