Teuer gegen billig: 3 elektrische Zahnbürsten im Vergleich
"Wow, das ist ja fast wie nach einer Mundhygiene bei der Zahnärztin." So in etwa waren meine Gedanken, nachdem ich mir zum ersten Mal mit einer modernen elektrischen Zahnbürste ausführlich die Zähne geputzt habe. Im Nachhinein ist es mir unbegreiflich, warum ich mich nicht schon längst von der herkömmlichen Handzahnbürste beziehungsweise von der uralten Elektro-Zahnbürste verabschiedet hatte.
Eine leistungsfähige Zahnbürste sorgt auf jeden Fall für ein deutlich besseres Sauberkeitsgefühl. Ich wollte daher wissen, welche die derzeit beste elektrische Zahnbürste ist und ob vielleicht auch ein günstiges Modell reicht.
➤ Mehr lesen: Medikament, das Zähne nachwachsen lässt, wird klinisch getestet
Nicht alle Hersteller waren von einem Vergleich begeistert. Einige kontaktierte Hersteller wollten ihre Geräte lieber nicht für einen Test zur Verfügung stellen. Deswegen haben wir auch keine Ultraschallzahnbürste und auch keine 360-Grad-Zahnbürste dabei. Bis in mein Badezimmer haben es folgende 3 elektrische Zahnbürsten geschafft:
- Oral-B iO Series 10 (ab 266 Euro)
- Philips Sonicare 7100 (ab 121 Euro)
- DM Dontodent Sonic Power (ab 29 Euro)
Oral-B iO Series 10 (ab 266 Euro) - Philips Sonicare 7100 (ab 121 Euro) - DM Dontodent Sonic Power (ab 29 Euro) (vlnr)
© Hersteller
Reinigen mit Schall?
Bei der Recherche über elektrische Zahnbürsten wird man umgehend mit so genannten "Schallzahnbürsten" konfrontiert sein. In meiner naiven Vorstellung habe ich zunächst geglaubt, dass Bakterien, Schmutz und Karies einfach mit Schallwellen weggepustet werden. Das stimmt so leider nicht ganz.
Der Begriff kommt daher, dass der Kopf bei ihnen über einen elektrischen Schallwandler (magnetisch oder über Piezo-Effekt) angetrieben wird. Dadurch wird der Bürstenkopf mit einer deutlich höheren Frequenz als bei herkömmlichen elektrischen Zahnbürsten bewegt. Schallzahnbürsten vibrieren meist mit 30.000 bis 62.000 Bewegungen pro Minute.
Schall oder oszillierend-rotierend?
Äußerlich erinnern die Schallzahnbürsten mit ihrem länglichen Bürstenkopf an herkömmliche Handzahnbürsten. Im Gegensatz dazu haben oszillierend-rotierende Zahnbürsten einen kleineren, runden Bürstenkopf, der eben rotiert beziehungsweise pulsiert.
Die Philips Sonicare 7100 und die DM Dontodent Sonic Power sind Schallzahnbürsten und setzen auf einen vibrierenden, länglichen Bürstenkopf. Die Oral-B iO10 mit ihrem runden Bürstenkopf zählt zu den rotierend-oszillierenden Geräten.
➤ Mehr lesen: Laifen Wave im Test: Die schwingend-vibrierende Schallzahnbürste
Oral-B iO Series 10
© Oral-B
Oral-B iO Series 10
Die Oral-B iO Series 10 ist das Flaggschiff aus dem Hause Oral-B und eines der teuersten Geräte seiner Art. Kostenpunkt: ab 266 Euro.
Was die Oral-B-Zahnbürste auszeichnet, sind die smarten Eigenschaften sowie das Live-Coaching. Die Zahnbürste kann sich mit der dazugehörigen Smartphone-App verbinden, wo neben allerlei Tipps und Einstellungsmöglichkeiten auch ein Zahnputzprotokoll zu finden ist.
Diese Zahnputz-History setzt sich unter anderem aus einem Score zusammen, der darauf beruht, wie gründlich man dem Live-Coaching gefolgt ist. Dieses Live-Coaching gibt es einerseits in der App und andererseits auch direkt auf dem Ladegerät, sodass man während des Putzens nicht den Handy-Screen im Auge haben muss.
➤ Mehr lesen: Neues Pulver macht Zähne mit elektrischer Zahnbürste wirklich weiß
In der Smartphone-App der Oral-B iO Series 10 wird die Position der Zahnbürste, der Andruck, die Putzzeit sowie der Live-Coach und ein Zahnputzprotokoll dargestellt.
© Screenshot / Florian Christof
Aufgeteilt auf 6 Zonen wird in der App oder auf dem Ladegerät angezeigt, welche Stellen man gerade putzt, welche bereits ausreichend gereinigt wurden und welche Partien noch geputzt werden müssen. Die jeweilige Position der Zahnbürste wird dafür von integrierten Sensoren erfasst.
Im Alltag ist das Putzen mit Anleitung extrem praktisch und zielführend. Bei mir hat das dazu geführt, dass ich mich darauf konzentriert habe, sämtliche Zonen und Zähne gründlichst zu reinigen. Durch die Anzeige ist die Wahrscheinlichkeit, auf manche Zähne zu vergessen, äußerst gering. Außerdem wird man mit einem Alarm darauf hingewiesen, wenn man zu fest oder zu leicht andrückt.
➤ Mehr lesen: GUM Playbrush und Smart One im Test: Zähneputzen als Dance-Battle
Auf der Ladestation der Oral-B iO Series 10 wird die Position der Zahnbürste, der Andruck, die Putzzeit sowie der Live-Coach dargestellt.
© Oral-B
Für die Oral-B iO Series 10 gibt es auch verschiedene Programme für Zahnfleischschutz, Zungenreinigung oder sanfte Reinigung. Welches Programm man gewählt hat, wird auf einem kleinen Farbbildschirm angezeigt. Über dieses Display grüßt die Zahnbürste übrigens stets nach dem Aufstehen mit einem freundlichen "Guten Morgen."
Die Oral-B iO Series 10 putzt sehr angenehm. Zwar ist sie eine Spur grober als die anderen Zahnbürsten, ich empfand das allerdings als angenehm. Vor allem das Sauberkeitsgefühl nach dem Putzen mit Anleitung war gut.
Philips Sonicare 7100
An die Schallzahnbürste von Philips musste ich mich erst gewöhnen. Sie vibriert mit bis zu 62.000 Bürstenkopfbewegungen pro Minute, was bei mir im Mund ziemlich arg gekitzelt hat. Die Stärke des Putzprogramms lässt sich 3-stufig einstellen. Ich habe mich in der Folge vom niedrigsten zum stärksten Programm hochgearbeitet.
Die Philips Sonicare 7100 hinterlässt ein ähnlich hohes Sauberkeitsgefühl wie die teurere Oral-B-Zahnbürste. Allerdings habe ich bei Philips das anschauliche Live-Coaching vermisst. Beim längeren Putzen tendiere ich dazu, mit den Gedanken abzuschweifen, was dazu führt, dass ich mich nicht mehr genau daran erinnern kann, wo ich bereits geputzt habe und wo nicht.
➤ Mehr lesen: Wie Forscher den Zahnschmelz nachwachsen lassen
Philips Sonicare 7100
© Philips
Die Sonicare 7100 hat die Echtzeit-Putzanleitung anders und weniger anschaulich gelöst. Dabei werden die Zähne ebenso in 6 Zonen unterteilt, Sensoren in der Zahnbürste erkennen den Fortschritt und die aktuelle Position. Hat man eine Zone ausreichend geputzt, signalisiert dies die Zahnbürste mit einem Vibrationshinweis.
Diese Art des Live-Coachings führt zwar ebenso zum gewünschten Ziel, alle Zähne gleichermaßen gründlich zu putzen. Ich würde aber auf jeden Fall die visuelle Anleitung bevorzugen, weil sie einfach deutlich übersichtlicher ist und weniger Aufmerksamkeit erfordert.
Die Philips Sonicare 7100 bietet ebenso eine dazugehörige Smartphone-App. Sie dient in erster Linie, um ein Zahnputzprotokoll zu führen. Übrigens hat die Philips-Zahnbürste auch verschiedene Programme für sanfte Reinigung, Zahnfleischschutz und so weiter.
➤ Mehr lesen: Neuartiges Zahnimplantat "wächst" in euer Zahnfleisch
Die App zur Philips Sonicare 7100
© Screenshot / Florian Christof
DM Dontodent Sonic Power
Die mit Abstand günstigste Zahnbürste in unserem Vergleichstest liefert ein überraschend gutes Putzergebnis und hinterlässt ein ebenso überraschend gutes Sauberkeitsgefühl. Die Dontodent Sonic Power von DM zählt mit mehr als 31.000 Schwingungen pro Minute ebenso zu den Schallzahnbürsten.
Bei der Dontodent-Zahnbürste gibt es keine App und auch keine Live-Anleitung. Mit Clean, White, Sensitive und Massage kann sie auf 4 Putzprogramme verweisen, die sich mithilfe einer Taste direkt am Gerät auswählen lassen. Geputzt habe ich stets mit dem stärksten Clean-Programm.
Verglichen mit den deutlich teureren Modellen von Oral-B und Philips kann die Dontodent Sonic Power nicht ganz mithalten. Das Putzergebnis kann sich für diesen Preis aber dennoch sehen lassen.
In Anbetracht des günstigen Preises konnte mich die günstige DM-Zahnbürste weitgehend überzeugen. Vor allem, wenn man sie mit herkömmlichen Handzahnbürsten vergleicht, leistet die Dontodent-Zahnbürste eine wirklich gründliche Arbeit und hinterlässt ein beeindruckendes Frischegefühl.
Dontodent Sonic Power von DM
© DM
Der Plaque-Test
Für ein objektives Ergebnis des Putzerfolges habe ich zu den klassischen Plaque-Färbetabletten gegriffen. Auch wenn sich dabei nur bedingt feststellen lässt, wie gründlich und effektiv geputzt wird, ist ein solcher Plaque-Test dennoch aufschlussreich.
Bei dem Verfärbungstest hat sich das subjektive Sauberkeitsgefühl bestätigt. Die rotierend-oszillierende Oral-B iO Series 10 schrubbt am stärksten und besten über die Zähne und beseitigt die Plaque-Verfärbung am gründlichsten. Auch die Live-Anleitung trägt hier wesentlich dazu bei, dass alle Zonen gereinigt werden.
Auf dem 2. Platz landet hier die Philips Sonicare 7100. Sie hinterlässt zwar ein angenehmes Sauberkeitsgefühl, bei der Entfernung der Plaque-Verfärbung war sie aber nicht so effektiv wie die teurere Oral-B.
Nach dem Putzen mit der Dontodent Sonic Power blieben im Vergleich zu den anderen beiden elektrischen Zahnbürsten die meisten Farbrückstände auf den Zähnen. Ein Komplettversagen musste ich dann allerdings mir selbst eingestehen, als ich abschließend meine Zähne mit einer herkömmlichen Handzahnbürste geputzt habe.
Plaque-Färbetabletten gibt es in ausgewählten Drogeriemärkten oder auf Amazon im 12er-Pack für 6,40 Euro
© Hersteller
Die laufenden Kosten
Die Anschaffungskosten sind bei elektrischen Zahnbürsten nur die halbe Miete. Ungefähr alle 3 Monate sollte man den Bürstenkopf wechseln, heißt es. Angesichts der teils hohen Preise für die Aufsteckbürsten, empfiehlt es sich, die laufenden Kosten bei einer Anschaffung zu berücksichtigen.
Beim Nachkaufen der Aufsteckbürsten sollte man unbedingt einen umfassenden Preisvergleich anstellen. Die Preise variieren nämlich extrem stark. Außerdem gibt es neben den originalen Bürsten mancherorts auch passende Bürsten von Drittherstellern, die in der Regel deutlich günstiger sind.
Das teuerste Gerät, die Oral-B iO Series 10, führt zu den höchsten laufenden Kosten. In den Drogeriemärkten kostet ein 2er-Set der Oral-B-iO-Aufsteckbürsten 24 Euro. Beim Elektrohändler legt man derzeit für ein 2er-Set aber nur 11 Euro ab - 5,50 Euro pro Stück ist ungefähr derselbe Preis wie bei herkömmlichen Handzahnbürsten.
Nachgebaute Aufsteckbürsten von Drittherstellern, die auf eine iO-Zahnbürste passen, sind eigentlich nur im Online-Handel zu finden. Auf Amazon kostet ein 8er-Set solcher Bürsten 22 Euro, was auf 2,75 Euro pro Stück hinausläuft. So hochwertig wie die originalen Bürstenköpfe sind diese aber merkbar nicht.
Auf Amazon kostet ein 8er-Set Bürsten für iO-Geräte rund 22 Euro
© Hersteller
Bei der Philips Sonicare 7100 zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Preisunterschiede zwischen den jeweiligen Verkaufsstellen sind enorm. Im Durchschnitt kostet ein originales 4er-Set von Philips je nach Ausführung ungefähr 25 Euro, was pro Stück auf 5 Euro hinausläuft.
Die Bürstenköpfe der Philips Sonicare passen übrigens auch auf die Dontodent-Zahnbürste. Die originalen Dontodent-Bürstenköpfe kosten bei DM 8 Euro für ein 4-er Set. Macht also 2 Euro pro Stück.
Nicht-originale Bürstenköpfe für Sonicare und somit auch für Dontodent kosten bei anderen heimischen Drogeriemärkten 8 Euro im 3er-Set - also 2,7 Euro pro Stück. Auf Amazon gibt es ein 16er-Set für 20 Euro. Damit kostet ein Bürstenkopf lediglich 1,25 Euro. Eine ebenbürtige Qualität zu den originalen Aufsteckbürsten sollte man sich aber auch hier nicht erwarten.
Auf Amazon gibt es ein 16er-Set Bürsten für Sonicare und Dontodent um ungefähr 20 Euro.
© Hersteller
Fazit
Wer seinen Zähnen etwas Gutes tun möchte, sollte auf alle Fälle von einer Handzahnbürste zu einer elektrischen Zahnbürste wechseln. Hier hat sich gezeigt, dass selbst die besonders günstige Dontodent Sonic Power von DM ein gutes Putzergebnis erzielt. Für mich ist die 30-Euro-Zahnbürste die große Überraschung des Vergleichstests.
Bessere Ergebnisse erreicht man mit den leistungsfähigeren Modellen Philips Sonicare 7100 und Oral-B iO Series 10. Ihr Preis ist allerdings auch deutlich höher. Neben dem gründlicheren Putzvorgang macht die Live-Putzanleitung für mich den entscheidenden Unterschied.
Müsste ich mich festlegen, würde ich eher zur Oral-B iO Series 10 greifen. Für mich fühlt sich die rotierend-oszillierende Bewegung des Bürstenkopfes angenehmer an als das kitzelige Vibrieren der Philips-Schallzahnbürste. Außerdem ist das Live-Coaching auf dem Ladegerät ansprechend.
Warum die futurezone Partnerlinks einsetzt
Unsere Artikel entstehen in redaktioneller Unabhängigkeit. Die futurezone kann aber eine Provision erhalten, wenn ihr über einen der verlinkten Shops etwas kauft. Was das bedeutet, erfahrt ihr hier.