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Das Leica-Handy im Test: Ein Fotowunder?

Die Marke "Leica" ist nicht nur Fotografie-Enthusiasten ein Begriff. Kaum ein anderer Name steht derart für qualitativ hochwertige Fotos und für meisterhafte, aber auch teure Kameras. Durch die Kooperation mit Smartphone-Herstellern ist das deutsche Unternehmen mittlerweile seit vielen Jahren auch im Handy-Bereich ein Qualitätsmaßstab

In den vergangenen Jahren haben Xiaomi und Leica gemeinsam die Kameras der Xiaomi-Spitzenmodelle entwickelt. Nun geht die Zusammenarbeit einen Schritt weiter und findet im Leica Leitzphone powered by Xiaomi ihren bisherigen Höhepunkt. 

Wenig überraschend verspricht das Leica-Handy eine besonders hochwertige Kameraqualität, verpackt in einem absoluten Premium-Smartphone. Ich konnte das Handy mit dem sperrigen Namen bereits ausprobieren und habe damit jede Menge Fotos aufgenommen.

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Wie das Leitzphone zu seinem Namen kommt

Warum das Leitzphone offiziell nicht einfach Leica Phone heißt, ist mir unerklärlich. Man muss sich schon ein bisschen mit der Geschichte des Kameraherstellers auskennen, um den Zusammenhang von Leitz und Leica zu verstehen. 

Ernst Leitz I, sein Sohn Ernst Leitz II und Oskar Barnack sind die Väter der Leica-Kamera. Der Begriff "Leica" setzt sich aus Lei(tz‘sche) Ca(mera) zusammen und war in den Anfangsjahren ein Produkt der Ernst Leitz Werke.

Die Ursprünge des Unternehmens gehen bis in das Jahr 1869 zurück. Damals übernahm Ernst Leitz I das 1849 von Carl Kellner gegründete Optische Institut in Wetzlar und machte sich mit hochwertigen Optiken und Mikroskopen weltweit einen Namen. 

Die ersten Prototypen einer Leica-Kamera wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt - maßgeblich von Oskar Barnack. Die Markteinführung dauerte bis Mitte der 1920er-Jahre, was als Geburtsstunde der Kompaktkameras gilt.

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Die Leica I wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1925 vorgestellt.

Die ersten Leica-Kameras waren nicht nur extrem kompakt, auf ihre Bauweise ist auch die noch immer übliche Querformatfotografie zurückzuführen. Im Gegensatz zu den damaligen 35-mm-Kinokameras, die den Filmstreifen vertikal belichteten, lief der Film horizontal durch die Leica-Kamera. 

Weil das Bild quer zur Laufrichtung des Films belichtet wurde, war es in der Breite nicht mehr auf 18 mm begrenzt. Leitz und Barnack verdoppelten einfach die Breite des Kinobildformats auf 24 x 36 mm, was noch heute den Standard der Leica-Kameras darstellt. 

Leica-Phone ist eigentlich ein Xiaomi-Handy

Zurück zum eigentlichen Thema: Befreit man das Leica Leitzphone powered by Xiaomi dem Marketing-Gewäsch, dann kommt ein aufgemotztes Xiaomi 17 Ultra zum Vorschein. Die Eckdaten sind deckungsgleich, vom Display über das Innenleben bis zur Kamera. 

Was das Leica-Phone vom Xiaomi 17 Ultra unterscheidet, ist in erster Linie der deutlich hochwertigere Rahmen, in dem "Leica Camera Germany" eingraviert ist. Der Aluminiumrahmen verfügt außerdem über eine gerippte Oberfläche, die zusätzlichen Halt beim Fotografieren bietet.

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Technische Spezifikationen

Leica Leitzphone powered by Xiaomi

  • Maße und Gewicht: 162,9 x 77,6 x 8,32 Millimeter, 223,4 Gramm
  • Display: 6,9 Zoll OLED, 1 Hz - 120 Hz LTPO, 2.608 x 1.200 Pixel, Xiaomi Shield Glass 3.0, 3.500 nits peak, HDR10+, Dolby Vision
  • Kamera:
    • 50 MP Hauptkamera: f/1.67, 23mm, Light Fusion 1050L Sensor, OIS
    • 50 MP Ultraweitwinkel: f/2.2, 14mm, Samsung JN5 Sensor
    • 200 MP Teleobjektiv: f/2.39-2.96, 75-100mm mechanischer optischer Zoom, stufenloser Zoom zwischen 3,2x und 4,3x Samsung HPE Sensor, OIS, Makro ab 30 cm
    • Video: 8K@30fps, 4K@120fps
    • Selfie-Kamera: 50 MP, f/2.2, 21mm
  • Prozessor: Snapdragon 8 Elite Gen 5 (3 nm)
  • Speicher: 16GB/1TB; UFS 4.1
  • Akku: 6.000 mAh, 90 Watt HyperCharge, 50 Watt Wireless HyperCharge
  • Software: Android 16, Xiaomi HyperOS 3
  • Sonstiges: eSIM, WiFi 7, IP68 Wasserschutz
  • Preis: 1.999 Euro

Leica Leitzphone powered by Xiaomi

Kein Auslöser und überladen

Obwohl das Fotografieren im Fokus ist, gibt es keinen Auslöser, den man mit dem rechten Zeigefinger einfach erreichen könnte, wenn man das Handy horizontal hält, um Querformatfotos aufzunehmen. So etwas wie die Kamerataste auf den iPhones ist auf dem Leitzphone nicht zu finden. Dafür gibt es eine optional erhältliche spezielle Kamera-Hülle. Das sogenannte Photography Kit verleiht dem Handy dann die Haptik einer gewöhnlichen Kompaktkamera. 

Die Einstellungen in der Kamera-App sind für meinen Geschmack ziemlich überladen, sodass bei mir relativ schnell eine Überforderung eingetreten ist. Es gibt unzählige Voreinstellungen und Filter mit Leica-Branding, mit denen man sich stundenlang spielen kann. Für den Test bin ich bei den Standardeinstellungen geblieben.

Die Eckdaten der Kamera

Die Kamera des Leitzphone setzt sich aus einer 200-MP-Hauptkamera und einem 50-MP-Weitwinkelobjektiv zusammen. Hinzu kommt ein ganz besonderes Teleobjektiv, das über einen optischen, mechanisch-stufenlosen Zoom zwischen 3,2x und 4,3x verfügt. Der bewegliche Ring, der das Kameramodul einfasst, kann zum Verstellen des Teleobjektivs genutzt werden. 

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Zoomen wie bei einer Kompaktkamera

In der Praxis konnte mich der Ring zum Zoomen nicht überzeugen. Vor allem deswegen, weil er bei den fixen, Hardware-bedingten Kamerawerten - 0,6x, 1x, 3,2x und 4,3x - nicht einrastet und ich ständig darüber hinauskam. Legt man wirklich Wert auf eine hohe Fotoqualität, wird man beispielsweise mit einem Hybrid-Zoom von 2,2x oder 4,8x keine Freude haben. 

Der bewegliche Kameraring ist übrigens eine weitere Funktion, mit der sich das Leitzphone vom Xiaomi 17 Ultra unterscheidet. Neben dem Zoom dient der Ring nämlich auch als Funktionstaste, die bei einer leichten Drehbewegung die Kamera-App startet. Glücklicherweise lassen sich die Funktionen des Rings individuell belegen. Denn in der Hosentasche habe ich unzählige Male unabsichtlich die Kamera gestartet.

Leica Leitzphone powered by Xiaomi

Die Qualität der Fotos

Die Fotoqualität des Leica Phones ist genauso wie man es sich erwartet: extrem hoch. Die Bilder sind äußerst klar, detailgetreu, farbstark, scharf und sie haben einen hohen Dynamikumfang - sowohl bei Tag und bei Nacht. Kurzum: Das Fotografieren macht unglaublich viel Spaß.

Standardmäßig werden die Fotos vom Leitzphone nicht im ikonischen 2:3-Leica-Format aufgenommen. Wie bei Smartphones üblich, setzt auch das Leica-Handy auf ein 3:4-Format. Immerhin kann in den Einstellungen ein 2:3-Format gewählt werden.

Abseits der Kamera gibt es am Leitzphone nicht allzu viel zum Aussetzen. Alles an dem Gerät spielt in der obersten Liga: vom Display der Spitzenklasse über den 6.000 mAh Riesenakku, die hohen 90-Watt-Ladeleistung bis hin zum leistungsstarken Snapdragon 8 Elite Gen 5 Chip

Was ist mit der Software los?

Eine Schwachstelle konnte ich dennoch ausfindig machen. Und die stört mich ehrlich gesagt unheimlich: es ist die Ausgestaltung des Betriebssystems beziehungsweise des HyperOS 3 User-Interface von Xiaomi. Das Design der Software ist einem 2.000-Euro-Smartphone absolut nicht würdig. 

Als ich das Leica-Handy in Betrieb genommen habe, war ich noch begeistert, weil die App-Icons auf dem Homescreen alle in einem monochromen Schwarz-Weiß dargestellt wurden. Das hat dem Leitzphone einen exklusiven Premium-Touch verliehen. Als ich dann aber weitere Apps heruntergeladen habe, wurden diese in ihrer ursprünglich farbigen Variante angezeigt. 

So entsteht auf dem Homescreen ein wildes Durcheinander aus schönen monochromen Icons und den gewöhnlichen Farbsymbolen. Auch wenn man das Einstellungsmenü oder das Kontrollzentrum öffnet, bekommt man das herkömmliche farbige Design zu sehen.

Leica Leitzphone powered by Xiaomi: Der buntgemischte Homescreen

Die KI-Funktionen

Wo das Leitzphone ebenso nicht mit der Konkurrenz mithalten kann, sind die KI-Funktionen. Während Samsung und Google ihre Geräte von vorne bis hinten mit AI-Features ausstatten, muss man solche AI-Tools beim Leica-Phone noch mit der Lupe suchen. 

Hat man sie schließlich gefunden, dann können die KI-Werkzeuge nicht mit den AI-Tools anderer Hersteller mithalten. Beispielsweise sind die KI-Fotobearbeitungsmöglichkeiten äußerst begrenzt beziehungsweise führen kaum zu zufriedenstellenden Ergebnissen. Der Foto-Editor ohne KI bietet hingegen alle üblichen Möglichkeiten zur nachträglichen Bildbearbeitung.

Im Lieferumfang befinden sich auch eine Schutzhülle und ein Objektiv-Cover.

Fazit

Wäre man böse, könnte man behaupten, dass das Leica Leitzphone powered by Xiaomi genauso viel mit einer echten Leica-Kamera zu tun hat, wie ein Porsche Design Reisekoffer mit dem gleichnamigen Sportwagen. Beide tragen denselben Namen, lassen sich aber ziemlich schwer miteinander vergleichen.

Positiv ausgedrückt könnte man aber auch genauso gut behaupten, dass das Leitzphone by Xiaomi eine vergleichsweise günstige Möglichkeit ist, an eine Leica-Kamera zu kommen. So gesehen würde es sich um eine Leica-Kamera im Handy-Format mit der Funktionalität eines Smartphones handeln.

Es ist aber gar nicht einmal die günstigste Möglichkeit: Die Digitalkamera Leica D-Lux 8 bekommt man bereits für 1.590 Euro. Bei Systemkameras sieht es anders aus. Hier kommt das günstigste Modell ohne Objektiv - die Leica SL2 Typ 2998 - auf mindestens 4.500 Euro. 

Wie man es auch dreht und wendet, eines steht fest: Eine höhere Fotoqualität bei einem Smartphone wird man kaum finden. Trotz mancher Mängel beim Betriebssystem kann das Leitzphone mit seiner Leica-Kamera auf voller Länge überzeugen.

Wer auf der Suche nach der absolut besten Smartphone-Kamera ist, sollte zum Leica Leitzphone powered by Xiaomi greifen. Dafür muss man auch tief in die Tasche greifen: 1.999 Euro kostet das Leica-Handy in Österreich. 

Oder man spart sich ein paar hundert Euro und kauft sich ein Xiaomi 17 Ultra. Das ist jenes Handy, das sich unter dem Marketing-Mascherl des Leitzphones befindet. Es hat zwar keinen beweglichen Zoom-Ring und einen etwas anderen Gehäuserahmen, die Kameraspezifikationen sind aber komplett dieselben. Das Xiaomi 17 Ultra kommt auf 1.499 Euro (16/512GB).

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Florian Christof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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