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Wie ein transportables Labor Allergikern helfen will

Wer eine schwere Lebensmittelallergie hat, muss ständig aufmerksam sein: Sind im Müsliriegel tatsächlich keine Erdnüsse? Ist die Suppe auch sicher nicht mit Obers abgeschmeckt? 

Und bei Zöliakie können schon Spuren von Gluten gefährlich sein. Betroffene müssen so vor jedem Bissen Risiken abwägen – und für den Fall, dass das entsprechende Lebensmittel doch enthalten ist, vorbereitet sein.

Überreaktion des Immunsystems

Barbara Bohle, Leiterin des Instituts für Pathophysiologie und Allergieforschung an der MedUni Wien, erklärt, was dann passiert: „Bei allergischen Personen liegen spezifische Immunglobulin-E-(IgE)-Antikörper gegen bestimmte Proteine in Lebensmitteln vor. Diese Antikörper sind an sogenannte Effektorzellen gebunden. Gelangt das entsprechende Allergen in den Körper, wird es von den IgE-Antikörpern erkannt und führt zur Aktivierung dieser Zellen. In der Folge setzen sie Botenstoffe, insbesondere Histamin, frei.“ Histamin ist maßgeblich an der Entstehung der Allergiesymptome beteiligt.

Barbara Bohle

„Eine Lebensmittelallergie kann in Form des sogenannten oralen Allergiesyndroms auftreten. Das bedeutet Kribbeln und Jucken im Mund, im Hals und bis ins Ohr. Es kann auch zu Übelkeit und starken Durchfällen kommen. Die schwerste Form ist der anaphylaktische Schock“, erklärt die Allergie-Forscherin. 

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Lebensbedrohliche Symptome möglich 

Eine Anaphylaxie kann lebensbedrohlich sein, denn es kann binnen Minuten zum Kreislaufkollaps und Atemstillstand kommen. Dann ist eine Notfallbehandlung erforderlich, etwa mit Adrenalin, das den Kreislauf stabilisiert.

Bénédicte Astier musste vor einigen Jahren einen anaphylaktischen Schock bei ihrer 17-jährigen Tochter miterleben. Die Französin arbeitete damals bei Biomérieux, einem Medizintechnologiekonzern, das Diagnosesysteme entwickelt und vertreibt.

Bénédicte Astier hat Allergen Alert gegründet

Im Labor könne man einzelne Lebensmittelallergene analysieren, dabei bräuchte man diese Möglichkeit auch im Alltag, meint Astier: „Betroffene sind in der Schule, auf Reisen und in der Kantine sozusagen blind, was Allergene betrifft. Sie müssen Vertrauen in die Zubereitungskette haben, und es bleibt immer ein Fehlerrisiko.“

Mini-Labor für den Alltag 

Sie beschloss, ein transportables Mini-Labor zu entwickeln, das die wichtigsten Allergene erkennen sollte. 2024 entstand daraus das eigenständige Start-up Allergen Alert. Im Jänner stellten Astier und ihr Team den Prototypen, der etwa so groß ist wie eine Butterdose, erstmals vor.

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„Man nimmt einen Messlöffel von dem zu testenden Lebensmittel und gibt es in einem speziellen Beutel in das Mini-Labor. Nach spätestens 5 Minuten ist dann das Ergebnis da“, erklärt die Gründerin. Das soll Allergikerinnen und Allergiker sowie Zöliakie-Betroffenen bei Mahlzeiten außer Haus schützen.

Vorerst nur für Milch und Gluten 

Die chemische Reaktion, mit der die entsprechenden Proteine identifiziert werden, passiere im Einwegbeutel, das Gerät lese das Ergebnis aus und zeige es am Display auf der Oberseite an. Derzeit funktioniert das nur mit Milch und Gluten, 2028 sollen zusätzlich Erdnüsse erkannt werden. Danach sollen weitere wichtige Lebensmittelallergene – Eier, Fisch, Soja, Sesam, Nüsse und Schalentiere – dazukommen. 

Erste Allergen-Alert-Exemplare sollen nach Vorbestellung kommendes Jahr ausgeliefert werden, Zielgruppe sind vorerst Großküchen und Restaurants. Der Preis beträgt um die 300 Euro pro Gerät, dazu kommen die Einwegbeutel.

Das "Mini-Labor" Allergen Alert kann derzeit auf Gluten und Milch testen.

Allergie-Forscherin Bohle sieht beim Ansatz von Allergen Alert 2 Herausforderungen. Einerseits seien Spuren von Allergenen, also unbeabsichtigte Verunreinigungen, in einem Gericht nicht immer gleichmäßig verteilt. Andererseits sei der Schwellenwert für allergische Reaktionen individuell sehr unterschiedlich: Während manche Betroffene erst nach dem Verzehr größerer Stückchen einer Erdnuss Symptome entwickeln, lösen bei anderen bereits minimale Mengen schwere Reaktionen aus.

KI-gestütztes Wearable 

Lebensmittelallergien treten typischerweise im frühen Kindesalter auf. „Die Ursachen sind vielfältig, neben genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen ist bei Säuglingen und Kleinkindern das Immunsystem noch in Entwicklung“, sagt Bohle. 

Speziell Kindern und ihren Betreuungspersonen will das israelisch-amerikanische Start-up Anjo.ai unter die Arme greifen. Es entwickelt ein Wearable, das physiologische Anzeichen tracken und analysieren will. So soll es frühzeitig vor möglichen schwerwiegenden Allergiesymptomen warnen

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Bohle äußert sich diesbezüglich zurückhaltend: „Es gibt nicht den einen Biomarker, der eine anaphylaktische Reaktion bei jeder betroffenen Person zuverlässig und frühzeitig anzeigen kann.“ Statt ein Gerät zu trainieren und sich auf die Technik zu verlassen, ist es womöglich besser, Feingefühl für den eigenen Körper zu entwickeln.

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Jana Wiese

interessiert sich besonders für die gesellschaftlichen Auswirkungen von Technologie und Wissenschaft. Mag das offene Web, Podcasts und Kuchen, (food-)bloggt seit 2009.

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