Neue TMW-Dauerausstellung macht Wissenschaft greifbar
"Wissenschaft im Wandel" ist die neue Dauerausstellung im Technischen Museum Wien (TMW). Sie spiegelt die Irrungen und Wirrungen der Wissenschaftsgeschichte nicht nur inhaltlich wider: Auf 800 Quadratmetern ist sie weder linear noch chronologisch gebaut, es gibt keinen festen Weg, sondern Denkräume und Themeninseln. Eine "Stadt des Wissens" nennt es TMW-Generaldirektor Peter Aufreiter vor der Eröffnung am 22. April.
Zu finden sind dort beeindruckende Exponate. Ein Herzstück ist dabei sicherlich das Elektronen-Gehirnmodell, das auch physisch im Zentrum der Ausstellung zu finden ist. Der Themenbereich zeigt, wie das Wissen über das Gehirn und Denkprozesse sich entwickelte und welche Annahmen durch verbesserte Technik und größeres Wissen wieder verworfen wurden.
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Astronomische Uhr und Wiederbelebungsmaschine
Eine astronomische Uhr von Phillip Imsser aus dem 16. Jahrhundert, als Astronomie und Astrologie noch vereint waren, zeigt die Planetenbahnen auf dem Zifferblatt. "Das ist eine Metapher, das Universum als Uhrwerk zu verstehen und Vorhersagen treffen zu können. Das wurde als Machtposition gesehen", erklärt Kurator Jochen Hennig bei einem Rundgang. Auch ein 3 Meter großes Spiegelteleskop von Wilhelm Herschel aus den Jahr 1790er-Jahren wird gezeigt. Damit wurde der Planet Uranus entdeckt.
Im Themenbereich "Elektrizität" ist die "Wiederbelebungsmaschine" sinnbildlich für den wissenschaftlichen Fortschritt. Während Elektrisiermaschinen im 18. Jahrhundert noch in Salons für Funkenexperimente zur Schau gestellt wurden, war Elektrizität im 20. Jahrhundert nicht nur Alltag, sondern auch Gefahr. So gefährlich, dass Stefan Jelinek in Wien das Elektropathologische Museum gründete, das u.a. Unfälle mit Elektrizität zeigte. Ein Teil der Exponate sind Teil der neuen Ausstellung, darunter auch die Wiederbelebungsmaschine.
Arktisexpedition und Quantenlabor
Dass Wissenschaft nicht nur im Labor stattfindet, zeigt der Bereich zur Arktisforschung, etwa der Österreich-Ungarischen Nordpolexpedition. Dort behalf man sich etwa mit Seehundfellen, um eine Dunkelkammer zu bauen. Und auch heute zeigt sich, dass das Standardbild vom Forscher im Laborkittel überholt ist: Statt mit der Pipette wird an der Arktis mit Schneehandschuhen und Eisbohrer gearbeitet.
Gleich daneben wird es laut, wenn man die Tür zum vollständig nachgebauten Quantenoptik-Labor öffnet. Quantenphysik ist eine österreichische Tradition und bis heute eines der wichtigsten Forschungsgebiete hierzulande. Mit Erwin Schrödinger und Anton Zeilinger kommen zwei der bedeutendsten Quantenphysiker aus Österreich.
Frauen in der Wissenschaft
Die Ausstellung zeigt dabei immer auch die Menschen hinter den Entdeckungen. Dazu gehört es auch, die Rolle der Frauen in der Wissenschaft hervorzuheben. "Uns war in der ganzen Ausstellung sehr wichtig, die bedeutenden Beiträge von Wissenschafterinnen vor den Vorhang zu holen, die über lange Zeiten mit strukturellen Nachteilen zu kämpfen hatten", sagt die Quantenphysikerin und Wissenschaftsjournalistin Tanja Traxler. Sie war Teil des Kuratoren-Teams.
Zwischen den Exponaten sollen Denkräume zum Mitmachen, Experimentieren und Reflektieren über die Wissenschaft anstoßen. Wie objektiv ist Wissenschaft? Welche Berufsbilder gibt es? Welche Forschung ist verboten - und warum? Damit gewährt das TMW Besucherinnen und Besuchern einen Blick hinter die Kulissen der Forschung.
Die Ausstellung "Wissenschaft im Wandel" soll also auch zeigen: Forschung und Wissenschaft verändern sich, bleiben aber stehen. "Wir formulieren Thesen, prüfen sie rigoros, bestätigen oder verwerfen sie und beginnen notfalls neu. Was bleibt, ist geprüftes Wissen: keine Scharlatanerie, keine Meinung, sondern die Basis einer informierten, zukunftsfähigen Gesellschaft", sagt Heinz Faßmann, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bei der Eröffnung.
Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Technischen Museum Wien und der futurezone.