Science

So versucht die NASA das Swift-Weltraumteleskop zu retten

Seit 2004 kreist das Neil Gehrels Swift Observatory um die Erde. Das Weltraumteleskop sollte eigentlich nur 2 Jahre lang Gammablitze finden und untersuchen, ist aber bis heute in Betrieb. Da Swift aber im Erdorbit fliegt, sinkt es immer weiter ab.

Eigentlich würde es in Kürze abstürzen und in der Erdatmosphäre verglühen - doch die NASA hat einen Plan, um es zu retten. Die US-Weltraumagentur hat dafür die Firma Katalyst beauftragt. Ihr Roboter-Raumschiff LINK wird noch im Juni ins All gebracht, wo es das Teleskop anschieben soll.

Flugzeug lässt Rakete fallen

LINK wird dabei mit einer Pegasus XL Rakete von Northrop Grumman an seinen Einsatzort gebracht. Die Rakete startet aber nicht von einem Launchpad auf der Erde, sondern wird mit einem Flugzeug in Position gebracht. Der Stargazer, eine modifizierte L-1011, lässt die Rakete in etwa 12.000 Meter Höhe "fallen". Nach etwa 3 Sekunden zündet dann die erste von 3 Stufen der Pegasus XL, um den niedrigen Erdorbit zu erreichen. 

LINK wird mit einem Stargazer von Northrop Grumman ins All gebracht

Grund für die eher unkonventionelle Startmethode ist der hohe Zeitdruck. Katalyst erhielt erst im September 2025 den Auftrag. Zwar hatte man erwartet, dass das Teleskop bald abstürzt, die starke Sonnenaktivität in den vergangenen Jahren beschleunigte das Absinken aber stärker als erwartet. 

Die NASA konnte das Teleskop aus der Ferne so steuern, dass es noch bis September 2026 über der kritischen Höhe von 300 km bleibt. Sinkt es darunter, wäre es verloren. So kurzfristig noch einen Startplatz in einer Rakete zu ergattern, die in der Regel lange ausverkauft sind, war nicht möglich, weshalb die Pegasus XL die beste Lösung war.

Lebenszeit um 10 Jahre verlängert

Nach etwa 3 bis 4 Wochen soll LINK an seinem Einsatzort ankommen. Dann wird es an das Teleskop docken und es anschieben. Klappt das, wird es das erste Mal sein, dass ein privates Raumschiff an Regierungstechnologie andockt. Anschließend wird es Swift 4 bis 6 Wochen lang anschieben und damit seine Lebenszeit voraussichtlich um 10 Jahre verlängern.

LINK musste in Kürzester Zeit einsatzbereit sein

Dafür ist LINK mit 3 separaten Roboterarmen ausgestattet, die jeweils Lidar-Sensoren haben. Da Swift eigentlich über keine Andockstellen verfügt, weil eine Wartungsmission nie vorgesehen war, wird LINK versuchen, dessen Flanschen zu greifen. Flanschen sind scheibenförmige Verbindungsstücke zwischen 2 Bauteilen. Da es aber keine Aufnahmen dieser Stellen von Swift gibt, muss LINK sie im Orbit selbst fotografieren. Anhand der Bilder werden dann die richtigen Greifpunkte erkannt.

Rettung ist zweitrangig

Dass das Teleskop dabei kaputt geht, ist ein Risiko, das die NASA eingeht. Denn eigentlich hätte sie Swift einfach abstürzen lassen können, schließlich arbeitete es schon deutlich länger als erwartet. Doch die Rettungsmission ist vor allem ein Testlauf. Schafft es Katalyst mit weniger als einem Jahr Zeit für Konzeption, Test und Durchführung der Mission, das Teleskop zu retten, eröffnet das völlig neue Möglichkeiten. 

➤ Mehr lesen: “Satelliten-Tankstelle” soll im Sommer ins All starten

Mit der Technologie könnten Satelliten an neue Einsatzorte gebracht werden, die selbst keinen Antrieb haben oder die nicht mehr genug Treibstoff haben. Zudem könnte die Lebensdauer von Objekten wie Swift verlängert werden, die eigentlich noch funktionieren und nur aufgrund der Erdanziehung abstürzen. Auch Weltraumschrott könnte aus der Gefahrenzone in den weit außerhalb gelegenen "Friedhofsorbit" für ausgediente Satelliten gebracht werden. Statt diese Missionen über Jahre planen zu müssen, ist die neue Technologie - wenn sie funktioniert - innerhalb weniger Monate einsatzbereit.

Klicken Sie hier für die Newsletteranmeldung

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!