Hand mit Handschuh hält einen Mikrochip über einer Leiterplatte.
© AT&S/Werner KRUG Fotografie
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AT&S-Chef: „KI ist keine kurzfristige Bubble“

Das steirische Unternehmen AT&S schätzt den aktuellen KI-Trend als langfristig ein. „Das ist für uns keine kurzfristige Bubble“, sagt AT&S-Chef Michael Mertin am Donnerstag im Rahmen der Präsentation der Jahresbilanz. Der KI-Trend sei für den Leiterplattenhersteller mit Hauptsitz in Leoben im vergangenen Jahr ein wesentlicher Treiber gewesen. Und dieser stehe laut Mertin noch am Anfang

Er sei sich darüber deswegen so sicher, weil er mit Kunden gesprochen habe und diese alle sehr überzeugende Geschäftsmodelle im Hintergrund hätten. Aufgrund von Vertraulichkeitsvereinbarungen nennt AT&S nicht viele seiner Kunden beim Namen, es sind aber unter anderem Branchengrößen aus verschiedenen Bereichen. Darunter etwa Smartphone- oder Chip-Hersteller sowie Cloud-Anbieter oder Firmen aus verschiedensten High-Tech-Bereichen wie Automotive, Luft- und Raumfahrt

Der KI-Boom stellt das Unternehmen aber auch vor Herausforderungen. Aufgrund der Lieferschwierigkeiten konnte AT&S im ersten Quartal weniger liefern, als eigentlich von der Nachfrage her möglich gewesen wäre, erklärt Mertin auf Nachfrage der futurezone. Ohne den Materialengpass wäre das Wachstum noch höher ausgefallen. Um dem Engpass entgegenzuwirken, habe AT&S frühzeitig damit begonnen, gemeinsam mit den Kunden alternative Lieferwege zu etablieren. Obwohl dies ein mühsamer Prozess sei, konnten dadurch neue Wege in der Beschaffung gefunden werden.

Verlust eingefahren

Im vergangenen Jahr konnte der Umsatz um 12,7 Prozent auf 1,79 Mrd. Euro gesteigert werden. Dennoch hat AT&S insgesamt einen Verlust von 25,6 Mio. Euro eingefahren. Allerdings rechnet das börsennotierte Unternehmen für das laufende Wirtschaftsjahr währungsbereinigt mit einem Umsatzplus von 30 bis 35 Prozent sowie einem Ergebnis im niedrigen dreistelligen Millionenbereich, prognostizierte der Vorstand.

Chinesischer Standort soll ausgebaut werden

Kommen soll der Wachstumsschub eben durch den fortschreitenden KI-Boom. Dementsprechend sollen auch die Kapazitäten angepasst werden. So steigt die Nachfrage eines Großkunden nach High-End-Substraten von AT&S. Daher soll der Standort in Chongqing, China, ausgebaut werden. Die erforderlichen Investitionen im hohen zweistelligen Millionenbereich werden im Rahmen langfristiger Kundenvereinbarungen finanziert, sagte Finanzvorstand Gerrit Steen.

Insgesamt soll das Investitionsvolumen im laufenden Wirtschaftsjahr auf rund 400 Mio. Euro steigen. Die Nettoinvestitionen gingen 2025/26 um 57 Prozent auf 178,3 Mio. Euro zurück. Wobei der Großteil des Geldes in das neue Werk in Kulim, Malaysia, floss. Ein weiterer Wachstumsbereich ist das Rüstungsgeschäft. Allerdings werde hier nur für NATO-Kunden produziert, kündigte Mertin an.

AT&S schließt erfolgreiches Geschäftsjahr mit starkem 4. Quartal ab

Umsatzplus im vierten Quartal

Das Betriebsergebnis (EBIT) belief sich im abgeschlossenen Wirtschaftsjahr auf 65,6 Mio. Euro - um 76,4 Prozent weniger als im Jahr davor. Allerdings profitierte das Technologieunternehmen im Jahr zuvor vom Verkauf des koreanischen Werkes in Ansan. Der freie operative Cashflow verbesserte sich gegenüber der Vorjahresperiode um rund 725 Mio. Euro auf 235 Mio. Euro.

In den letzten 3 Monaten des Wirtschaftsjahres 2025/26 stieg der Umsatz um 21,3 Prozent auf 476,7 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) brach zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 67,6 Prozent auf 121,2 Mio. Euro ein. Unterm Strich stand im 4. Quartal jedoch ein Gewinn von 13,7 Mio. Euro, nach 185 Mio. Euro ein Jahr zuvor.

Hohe Kosteneinsparungen

Insgesamt konnte AT&S im abgelaufenen Wirtschaftsjahr die Kostenbasis um 170 Mio. Euro senken und übertraf damit nach Unternehmensangaben die Zielsetzung signifikant. Bereits im Jahr zuvor konnten die Kosten um 120 Mio. Euro gesenkt werden. Im laufenden Jahr ist eine weitere Kostensenkung um 110 Mio. Euro geplant. Die AT&S-Vorstände verwiesen auf eine höhere Effizienz. Zudem setze man auf einen gemeinsamen Einkauf. Und mehr als 200 Projekte in verschiedenen Bereichen trugen wesentlich zu den Einsparungen bei oder sollen sich heuer positiv auswirken.

Der Vorstand wird aber auch heuer vorschlagen, keine Dividende auszuschütten. Zuerst müsse die Kapitalbasis gestärkt werden. Das Unternehmen teilte am Mittwoch mit, dass eine Wandelschuldverschreibung oder eine Hybridanleihe mit einem Volumen von bis zu 500 Mio. Euro angedacht sei. Damit könnte eine Hybrid-Anleihe für 350 Mio. Euro refinanziert werden, sagte Steer.

Dass sich der Aktienkurs innerhalb von zwölf Monaten rund verzehnfacht hat, führt Mertin - seit 1. Mai des Vorjahres CEO - auf die neue Strategie des Unternehmens zurück. Zudem spiele Vertrauen eine große Rolle: „Wer mich kennt, weiß: Ich werde nichts versprechen, was ich nicht halten kann.“

Neue Führungsriege

Mertin betonte, dass die Führungsstruktur des Unternehmens grundlegend neu aufgestellt und gestrafft wurde, um effizienter agieren zu können. So wurde der Vorstand verkleinert, um schnellere und klarere Entscheidungen treffen zu können. Er habe das komplette operative Geschäft zentral unter der Führung des CEO gebündelt. 

Das neue Führungsteam, maßgeblich getragen vom CEO, dem neuen Finanzvorstand Steen und dem extrem erfahrenen Technologievorstand Peter Griehsnig arbeite nun extrem eng zusammen.  Es gibt laut CEO „nur noch konstruktive Diskussionen“, da sich das Team konfliktfrei und geschlossen hinter derselben Strategie und Vision versammelt.

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