A220-500: Airbus bringt angeblich noch heuer neuen Passagierjet
Airbus könnte noch in diesem Jahr eine gestreckte Version seines Regionaljets A220 verkaufen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters Ende Januar unter Berufung auf Industriekreise. Demnach soll der Flugzeughersteller in den kommenden Wochen Verkaufsgespräche mit Airlines und Leasingfirmen über den A220-500 führen.
Das Modell soll eine Kapazität von rund 180 Passagiere aufweisen und damit deutlich mehr als die beiden bestehenden Varianten A220-100 und A220-300, die für 110 bis 160 Sitze ausgelegt sind. Eine offizielle Ankündigung könnte im Juli auf der Farnborough Airshow erfolgen, sofern Airbus zuvor Zusagen von 2 bis 3 großen Airlines erhält, wie es heißt. Als potenzielle Erstkunden gelten nach Informationen von ch-aviation die US-amerikanische Fluggesellschaft Delta Air Lines, Air Canada und Air France, die bereits A220-Flugzeuge betreiben.
Die Modifikation soll als sogenannter "Simple Stretch" umgesetzt werden, bei dem lediglich der Rumpf verlängert wird, während Triebwerke und Tragflächen von den aktuellen Modellen übernommen werden. Dieser Ansatz ermöglicht niedrigere Entwicklungskosten und reduzierte Kosten pro Sitzplatz für die Airlines, allerdings zu Lasten der Reichweite.
Airbus selbst wollte das alles nicht bestätigen. Ein Sprecher erklärte lediglich, dass Airbus eine verlängerte Variante als “gute Marktergänzung” sieht und alle Optionen prüfe.
➤ Mehr lesen: Dieses Flugzeug soll den Airbus A380 ersetzen
Simple Stretch
In der Luftfahrtgeschichte gibt es zahlreiche Beispiele für "Simple Stretch"-Varianten, bei denen Flugzeughersteller den Rumpf verlängerten, während Tragflächen und Triebwerke weitgehend unverändert blieben. Dazu zählt etwa Boeings 737, die in der längsten Variante die 737-900 ist. Airbus hat etwa die A320 auf die A321 verlängert.
Kurioser Werdegang
Der A220 basiert eigentlich auf dem Flugzeug eines anderen Herstellers. Der kanadische Hersteller Bombardier stellte das Konzept erstmals im März 2005 unter dem Namen CSeries vor, nachdem bereits 2004 erste Pläne für einen Regionaljet mit 110 bis 160 Sitzen präsentiert worden waren.
Ursprünglich sollte das Flugzeug 2008 erstmals fliegen und 2010 in den Liniendienst gehen, doch massive Verzögerungen bei der Entwicklung und explodierenden Kosten brachten Bombardier in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Das mündete darin, dass das gesamte Projekt verkauft wurde.
Im Juli 2018 stieg Airbus mit einer Mehrheitsbeteiligung ein und benannte die CSeries in A220 um. Der Deal war für Airbus äußerst günstig: Der europäische Konzern übernahm zunächst 50,01 Prozent der Anteile für lediglich einen symbolischen Dollar. Im Februar 2020 erhöhte Airbus seinen Anteil auf 75 Prozent, bevor Bombardier im Dezember 2021 seine verbliebenen 34 Prozent für bis zu 591 Millionen Dollar verkaufte.
Doch auch bei Airbus läuft die Produktion des A220 nicht so rund, wie man sich das gewünscht hätte. Eigentlich wollte man bis 2026 pro Monat 14 Exemplare herstellen. Davon dürfte man laut Berichten von Ende 2025 allerdings weit weg sein.
Triebwerksprobleme
Dazu kommen Triebwerksprobleme bei dem Typ Pratt & Whitney PW1500G-Getriebefan (GTF), die beim A220 zum Einsatz kommen. Bereits seit 2019 traten bei der Schweizer Fluggesellschaft Swiss, dem Erstbetreiber der damaligen Bombardier CSeries, mehrere Triebwerksausfälle im Flug auf, bei denen Triebwerksteile nach außen geschleudert wurden.
Einen Zwischenfall gab es auch in Österreich. Am 23. Dezember 2024 musste ein Airbus A220-300 der Swiss (Kennung HB-JCD) auf dem Weg von Bukarest nach Zürich eine Notlandung am Flughafen Graz durchführen. Der Zwischenfall ereignete sich in einer Flughöhe von 40.000 Fuß (rund 12.192 Metern), als das linke Triebwerk plötzlich und unerwartet ausfiel und es zu heftiger Rauchentwicklung in Cockpit und Kabine kam. Ein Flugbegleiter wurde dabei so schwer verletzt, dass er später verstarb. Analysen zeigten, dass es sich um ein “bisher unbekanntes Fehlerbild“ an dem Triebwerk handelt.
Österreichs Flag-Carrier Austrian besitzt zwar keine A220, fliegt aber trotzdem mit ihnen auf Basis eines Wet-Lease-Abkommens mit Air Baltic. 2026 sollen mehrere A220-300 auf ausgewählten Strecken mit OS-Flugnummern zum Einsatz kommen.
Kommentare