Ein B-1B Bomber fliegt über bewölktem Himmel

B-1B

© US Air Force
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Militärtechnik

US-Bomber B-1B erstmals mit Hyperschallrakete ARRW zu sehen

Die Air Force hat ein Promo-Video auf Instagram veröffentlicht. Das allein ist jetzt keine Sensation. Aber in dem Video, das vom Konto der Edwards Air Force Base gepostet wurde, ist ein interessantes Detail zu erspähen.

Für einen kurzen Moment ist eine B-1B Lancer mit der AGM-183 ARRW zu sehen. Es ist das erste Mal, dass die Air Force den Überschallbomber mit der Hyperschallrakete zeigt.

B-1B Lancer mit an der Außenseite montierter AGM-183 ARRW im Flug über Wüstenlandschaft.

Screenshot aus dem Video: B-1B mit ARRW

B-1B geht in die Verlängerung

Dass diese Aufnahmen jetzt in einem offiziellen Video auftauchen, scheint kein Zufall zu sein. Denn erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die B-1B modernisiert wird und mindestens bis 2037 fliegen soll. Zuvor gab es Pläne, wonach die 44 aktiven Lancers zwischen 2026 und 2036 nach und nach ausgemustert werden sollen.

Ebenso wurde vor wenigen Tagen bekannt, dass ARRW jetzt tatsächlich wieder am Programm steht. 2023 wurde verkündet, dass das Projekt aufgegeben wird. 2025 gab es Anzeichen, dass doch weiter an der Hyperschallrakete gearbeitet wird. Und jetzt hat die Air Force in ihrem Budget für 2027 Gelder beantragt, um ARRW weiterzuentwickeln.

2 Soldaten bringen eine ARRW-Rakete an einem Flugzeug an

Foto aus dem Jahr 2020: Eine ARRW wird für einen Test an einem B-52-Bomber angebracht

B-1B bekommt neue Pylons

Wann genau der Flug der B-1B mit ARRW stattgefunden hat, ist nicht bekannt. Da es um die Arbeit des Bodenpersonals von Edwards im Jahr 2025 geht, wird es vermutlich 2025 gewesen sein.

Die ARRW ist auf derselben Außenposition an der B-1B angebracht, auf der zuvor Tests mit einer JDAM-Bombe und dem Marschflugkörper AGM-158 JASSM stattgefunden haben.

Ein B-1B Bomber fliegt über den Wolken

Pylon-Test der B-1B mit einer JDAM-Bombe

Dass die Lancer wieder Bewaffnung an der Außenseite mitführt, ist nicht selbstverständlich. Ursprünglich hatte sie bis zu 8 Außenlaststationen (Pylons), die u.a. zum Transport von je 2 nuklearen Marschflugkörpern AGM-86B vorgesehen waren.

➤ Mehr lesen: US Air Force restauriert 44 Jahre alte Atom-Marschflugkörper

Mit dem nuklearen Abrüstvertrag zwischen den USA und Russland mussten die Pylons deaktiviert werden. Diese Arbeit war 2011 abgeschlossen.

2 Bilder zeigen die Pylons an der Unterseite eines fliegenden Bombers B-1B

Pylons für die AGM-86B auf einer B-1B, bevor sie abgerüstet wurden.

Es war die ARRW, die das Comeback der Pylons für die B-1B eingeleitet hat. Im Jahr 2020 kündigte die Air Force an, mindestens einen Schwadron Lancers wieder mit Pylons auszustatten, um die ARRW tragen zu können.

Hyperschallrennen mit Russland und China

Laut der Air Force würde man sich auch ansehen, wie der Bombenschacht der B-1B mit der ARRW kompatibel gemacht werden kann. Aber „wir denken, es ist der einfachste, schnellste und effizienteste Weg, einen externen Pylon zu nutzen“, sagte General Timothy Ray, der damalige Chef des Air Force Global Strike Command, im Jahr 2020.

Beigetragen zu dieser Entscheidung hatte das „Hyperschallrennen“, das Anfang der 2020er-Jahre Fahrt aufnahm. Russland hatte zu dem Zeitpunkt bereits mit der Kinzhal eine Luft-Boden-Hyperschallrakete eingeführt und mit der Produktion der bodengestarteten Zircon begonnen.

Eine MiG-31 mit einer Kinzhal-Rakete im Flug.

MiG-31 mit Kinzhal

China hatte mit DF-ZF und YJ-21 Hyperschallwaffen. Den US-Streitkräften und der US-Regierung wurde vorgeworfen, die Entwicklung verschlafen zu haben und gegen die potenziellen Feinde ins Hintertreffen zu geraten. Also war der Plan, möglichst schnell aufzuholen und eigene Hyperschallraketen einzuführen.

Tarnfarbene Militärfahrzeuge mit Raketenaufsätzen und der Aufschrift „DF-17“ werden von Soldaten bewacht.

Das chinesische Waffensystem DF-17 ist die Trägerplattform für den Hyperschallgleiter DF-ZF.

LAM

Seit 2023 hat die Air Force den von Boeing entwickelten Pylon Load Adaptable Modular (LAM) getestet. 2025 wurde schließlich der Auftrag vergeben, Lancers damit auszustatten. Die ARRW in dem Video war auf einem der Test-LAM-Pylons montiert.

Die Lancer soll 6 Stück LAM-Pylons bekommen. Jeder LAM kann bis zu 2 Waffen tragen und ist für Waffen der 5.000-Pfund-Klasse (2,3 Tonnen) geeignet. Laut Boeing kann damit die Anzahl der Raketen bzw. Bomben, die die B-1B tragen kann, um bis zu 50 Prozent vergrößert werden.

B-1B soll zum Testbett werden

Ein weiterer Grund für die Modernisierung der B-1B und die Anschaffung von LAM: Die Air Force hat schon 2023, noch bevor das Ende von ARRW verkündet wurde, das jetzt ohnehin nicht eingetreten ist, gesagt, dass die Lancer ein Testbett für Hyperschallwaffen werden soll. Damit ist nicht nur ARRW gemeint, sondern auch zukünftige Hyperschallraketen.

Die B-52 wird ebenfalls für Flugtests eingesetzt. 2024 war die Rakete auf einem Pylon eines B-52H-Bombers zu sehen.

➤ Mehr lesen: US Air Force zeigt Bilder von scharfer Hyperschallrakete

Die US Air Force zeigt Bilder einer scharfen Hyperschallrakete vom Typ AGM-183A.

US Air Force zeigt Bilder von scharfer Hyperschallrakete vom Typ AGM-183A

Die B-52 kann aber nicht alle erforderlichen Aufgaben übernehmen, wenn es um den Test von Hyperschallwaffen geht. Sie fliegt nämlich nur Unterschall (Mach 0,84, 1.040 km/h). Die Lancer kommt hingegen auf Mach 1,25 (1.540 km/h) und ist damit der einzige, aktive Überschallbomber der USA.

Das ist wichtig, um Hyperschallsysteme mit Scramjet-Triebwerken zu testen. Diese sind nämlich erst ab Überschallgeschwindigkeit effizient nutzbar. Vom Boden oder der B-52 aus gestartet, müsste sie erst ein Booster auf diese Geschwindigkeit bringen, bevor das Scramjet-Triebwerk zünden kann. Das würde eine zusätzliche Komponente zu den Tests hinzufügen, die Probleme verursachen und Ergebnisse verfälschen kann. Die Lancer kann Scramjet-Raketen hingegen in der Luft bei Überschallgeschwindigkeit starten.

AGM-183 ARRW

ARRW nutzt einen herkömmlichen Raketenmotor. Sie fliegt mit hoher Geschwindigkeit in einer ballistischen Flugbahn in über 40 km und setzt dort den Hyperschallgleiter frei. Der Gleiter selbst hat keinen Antrieb, sondern nutzt das Momentum der ARRW und den Sinkflug, um auf eine Geschwindigkeit von Mach 7 (8.640 km/h) zu kommen. Die Reichweite soll bei über 1.600 km liegen.

Die hohe Geschwindigkeit und zufälligen Ausweichmanöver, die der Gleiter fliegt, machen es schwer für den Feind den Einschlagort zu berechnen und ihn abzufangen. Gedacht ist ARRW zur Bekämpfung wichtiger Bodenziele aus einer Entfernung, die die Lancer, oder andere Flugzeuge, auf sicheren Abstand zur feindlichen Luftabwehr halten. Diese Ziele könnten etwa Radar- oder Kommunikationsanlagen sein, damit die Folgeangriffe von anderen Bombern oder Kampfjets eine höhere Erfolgschance haben.

ALBM

Im Budgetplan für 2027 will die Air Force Geld haben, um die ARRW zur ARRW Increment 2 weiterzuentwickeln. Diese soll „verbesserte Fähigkeiten“ haben. Welche genau, ist noch nicht bekannt.

Ebenfalls Teil des Plans ist ALBM – Air-Launched Ballistic Missile. Die Air Force sagt, sie soll bereits existierende Hyperschallwaffen ergänzen. Da ARRW auch eine luftgestartete, ballistische Rakete ist, könnte ALBM womöglich eine Variante davon sein, die statt einem Hyperschallgleiter einen herkömmlichen Gefechtskopf nutzt. Das reduziert zwar die Reichweite, würde aber die Kosten senken und potenziell einen Gefechtskopf mit mehr Durchschlagskraft erlauben.

HACM

Auch die dritte Hyperschallwaffe der Air Force wird im Budgetplan erwähnt. Die Produktionsrate der Hypersonic Attack Cruise Missile (HACM) soll demnach verdoppelt werden. Die Indienststellung von HACM ist für 2027 geplant. Der Marschflugkörper nutzt ein Scramjet-Triebwerk und soll damit eine Geschwindigkeit von Mach 8 (9.870 km/h) und eine Reichweite von 1.900 km erreichen.

Computergrafik einer Hyperschallrakete im Flug vor farbigem Himmel bei Sonnenuntergang.

Konzeptbild der HACM

Eine B-1B mit LAM-Pylons kann potenziell mit 36 HACMs bestückt werden. Auch eine Mischladung ist möglich, mit ARRWs an den Pylons und HACMs im Bombenschacht. HACM soll zudem von Kampfjets gestartet werden können. Vorrangig sind hierfür die F-15 der Air Force und F/A-18 der Navy vorgesehen. Weitere Kampfjets, wie die F-35, könnten folgen.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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