Ein B-52-Bomber fliegt mit ausgefahrenem Fahrwerk vor der Sonne durch bewölkten Himmel.

Damit der B-52H Bomber weiterhin nuklear bewaffnet werden kann, muss die AGM-86B erhalten werden.

© US Air Force
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Militärtechnik

US Air Force restauriert 44 Jahre alte Atom-Marschflugkörper

Die letzte verbleibende Nuklearbewaffnung des Langstreckenbombers B-52 bleibt noch länger im Einsatz – obwohl sie schon angezählt ist. Um die AGM-86B fit für die nächsten Jahre zu machen, muss sie aber teilweise restauriert werden.

AGM-86B Marschflugkörper der US Air Force fliegt über eine Wüstenlandschaft.

AGM-86B bei einem Flugtest

Dies geht aus einem aktuellen Auftrag der US Air Force hervor. Der sieht vor, dass der Elevon Actuator Controller (EAC) des nuklearen Marschflugkörpers eine Auffrischung erhält. Dieses Bauteil ist essenziell zur Steuerung der AGM-86B. Ist die Einheit defekt, könnte der nukleare Marschflugkörper im Flug außer Kontrolle geraten und abstürzen oder das Ziel um hunderte Kilometer verfehlen.

Der Auftrag wurde an Boeing vergeben, dem Hersteller der AGM-86B, weil es „die einzig qualifizierte Quelle“ für die benötigte Dienstleistung ist. Boeing wird die EACs aus den vorhandenen Marschflugkörpern restaurieren. Dazu werden sie zerlegt, gereinigt, inspiziert, gewartet (und bei Bedarf repariert), wieder zusammengebaut und getestet. Die Air Force erwartet, dass die so überarbeiteten EACs „im neuwertigen Zustand“ sind.

Der Auftrag läuft von Juli 2026 bis Juli 2033. Also wird die AGM-86B mindestens bis 2033 in Dienst bleiben, womöglich sogar noch einige Jahre länger. Laut dem Auftrag sollen in diesem Zeitraum bis zu 550 Stück EACs restauriert werden.

Atomwaffen für die B-52

Man kann also davon ausgehen, dass die Air Force alle AGM-86B im Arsenal gefechtsbereit halten will. Laut früheren Informationen sind das 528 Stück. Insgesamt wurden über 1.700 AGM-86B produziert, viele davon wurden nach und nach ausgemustert.

Eigentlich war geplant, dass die übrigen AGM-86B schon 2020 außer Dienst gestellt werden – nachdem sie bereits überarbeitet wurden, um bis dahin einsatzfähig zu bleiben. Dass sie jetzt nochmal revitalisiert wird, liegt an der B-52.

Die AGM-86B ist derzeit die einzige Atomwaffe, die von der B-52 getragen werden kann. Der Langstreckenbomber ist seit 2010 nicht mehr vorgesehen dafür, freifallende Atombomben abzuwerfen. Diese Rolle wurde vollständig an die B-2 übergeben. Die ist ein Stealth-Bomber und hat deshalb weit höhere Chancen nicht von der Luftabwehr abgeschossen zu werden, bevor sie das Zielgebiet des Bombenabwurfs erreicht.

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Damit bleiben für die B-52 nur nukleare „Stand-Off Weapons“ übrig, also solche, die aus sicherer Entfernung gestartet werden können. Und da gibt es momentan nur die AGM-86B.

AGM-86B werden unter dem linken Flügel einer B-52 installiert, die auf der Landebahn steht

AGM-86B werden unter dem linken Flügel einer B-52 installiert

Vom Lockvogel zur Atomwaffe

Die Geschichte der AGM-86B beginnt Mitte der 1950er-Jahre, mit der ADM-20 Quail. Diese Rakete sollte von B-52s als Ablenkungsmanöver gestartet werden, um die Aufmerksamkeit der russischen Luftverteidigung auf sich zu ziehen. Dazu flog Quail Manöver wie eine B-52 und hatte Reflektoren, damit die Radarsignatur so groß wie die des Langstreckenbombers erscheint.

Mitte der 1960er-Jahre wurde daraus SRAM. Sie war als Stand-Off-Weapon gedacht, um Stellungen des sowjetischen Luftabwehrsystems S-75 (ca. 37 km Reichweite) aus sicherer Entfernung auszuschalten. Sie hatte eine Reichweite von etwa 200 km und einen nuklearen Gefechtskopf des Typs W69 (170 bis 200 Kilotonnen Sprengkraft).

SRAM blieb war zwar offiziell von 1972 bis 1993 in Dienst, wurde aber als zu wenig nützlich zum Schutz der B-52 eingestuft. Denn es konnten nur stationäre und bekannte Standorte der Luftabwehr angegriffen werden und sie bot keinen Schutz gegen Kampfjets.

Schon Ende der 1960er-Jahre wurde deshalb Quail wieder aufgegriffen und sollte zum fortschrittlicheren Lockvogelgerät SCAD werden. Während der Entwicklung kam man darauf, dass die neuen, kompakten Nuklearsprengköpfe, die gerade ebenfalls entwickelt wurden, reinpassen könnten - ohne die Eigenschaften als Lockvogel negativ zu beeinflussen. Also wurde aus dem Subsonic Cruise Aircraft Decoy ein Subsonic Cruise Armed Decoy. 1970 gab es dafür den Namen ZAGM-86A. AGM steht für Air-to-Ground-Missile (Luft-Boden-Rakete), das Z ist ein Indikator für den frühen Entwicklungsstatus.

Da das Projekt dadurch eine neue Bahn einschlug, wurde SCAD beendet und Mitte 1973 ALCM genannt – Air Launched Cruise Missile. Deshalb heißt auch die AGM-86B bis heute „AGM-86B ALCM“. 1976 flog die erste ZAGM-86A ALCM, 1977 wurde die Massenproduktion in Auftrag gegeben.

Marschflugkörper AGM-86A in einem Luftfahrtmuseum

Eine ausgestellte AGM-86A

Dann kam die Air Force auf die Idee einer ALCM mit mehr Reichweite. 1.500 Seemeilen (2.778 km) waren gewünscht. Die B-52 könnte solche Marschflugkörper so weit entfernt von Russland starten, dass der Bomber nicht von Abfangjägern erreicht werden kann. Also wurde die Produktion der AGM-86A, zugunsten der weitreichenderen Variante, gestrichen.

1979 wurde die Variante mit mehr Reichweite getestet und mit einer luftgestarteten Version von SLCM verglichen, aus der später die BGM-109 Tomahawk wurde. Die neue ALCM wurde zum Sieger erklärt und ab 1980 als AGM-86B produziert. Die Indienststellung erfolgte im Jahr 1982.

150 Kilotonnen Sprengkraft

Die AGM-86B hat eine Reichweite von über 2.778 km, die genaue Angabe wird geheim gehalten. Die maximale Geschwindigkeit beträgt 890 km/h. Sie ist mit einem W80 Nukleargefechtskopf ausgestattet, mit einer einstellbaren Sprengkraft von 5 bis 150 Kilotonnen. Das ist 11-mal so stark wie die Hiroshima-Bombe.

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Die B-52H kann insgesamt 20 Stück der AGM-86B tragen. Jeweils 6 Stück passen unter dem rechten und linken Flügel. Im Bombenschacht haben weitere 8 Stück in einem Rotary Launcher Platz.

Mit der AGM-86C und D gab es Varianten mit konventioneller Bewaffnung. Genau wie die AGM-86B sind sie 6,3 Meter lang und haben einen Durchmesser von 620 mm, wodurch sie mit denselben Abschussvorrichtungen der B-52 genutzt werden können. Die letzten AGM-86C/D wurden Ende 2019 außer Dienst gestellt.

Nachfolgerin AGM-181

Für die AGM-86B ist seit 2012 eine Nachfolgerin in Arbeit, die Long Range Stand Off Weapon (LRSO). Die Entwicklung hätte eigentlich Ende 2022 abgeschlossen sein sollen. Es kam zu etlichen Verzögerungen. Erst 2021 wurden Raytheon mit dem Bau der AGM-181 LRSO beauftragt. Ende 2025 und im März 2026 wurden B-52s bei Flugtests mit der AGM-181 gesichtet.

Im Gegensatz zur AGM-86B wird die AGM-181 nicht nur von der B-52 getragen werden können, sondern auch von den Stealth-Bombern B-2 und B-21. Die Reichweite soll wieder bei mindestens 2.778 km liegen. Sie hat Stealth-Eigenschaften und soll eigenständig auf Bedrohung durch Luftabwehr reagieren und Ausweichmanöver einleiten können.

Renderbild des Marschflugkörpers AGM-181, der durch den blauen Himmel fliegt

Renderbild der AGM-181

Einen genauen Zeitpunkt für die Indienststellung gibt es noch nicht. Grob angestrebt ist 2030 und jedenfalls bevor die AGM-86B endgültig in Pension geschickt wird. Geplant ist, dass bis zu 1.020 Stück angeschafft werden, mit einer Lebensdauer von über 30 Jahren. Der Stückpreis soll bei etwa 22 Millionen US-Dollar liegen. 

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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