Zwei US-Kampfjets vom Typ F-35 befinden sich auf einem Flugzeugträger, einer steht auf dem Deck, der andere landet gerade.

Eine F-35B der US Marines

© US Marines
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Militärtechnik

Nur 25 Prozent der F-35 Stealth-Fighter sind voll einsatzbereit

Die F-35 wird gerne als der modernste Kampfjet der Welt bezeichnet. Und auch der Export scheint dem Erfolg des Stealth-Fighters Recht zu geben. Trotz Kill-Switch-Bedenken nutzen 11 Länder den Kampfjet aus den USA, 8 weitere haben die F-35 bestellt.

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In den USA selbst gibt es aber Probleme mit dem Kampfjet. Von den über 800 Stück, die derzeit in Dienst gestellt sind, ist nur jeder Vierte voll einsatzfähig, berichtet Defense News.

Auf diese Zahl kommt das GAO, der Rechnungshof der USA. Konkret geht es hier um die „Capable Rate“. Ein anderer Ausdruck dafür ist „Readiness“, also wie viel Prozent der Flotte einsatzbereit sind. Die „Full Mission Capable Rate“ sagt in diesem Fall aus, wie viele der F-35 bereit sind, jede Aufgabe zu erfüllen, für die sie in Dienst gestellt wurden.

Soldaten warten einen F-35-Kampfjet unter einem überdachten Bereich auf einem Militärflugplatz.

F-35A bei der Wartung.

Von 38 auf 25 Prozent gesunken

Vor 5 Jahren, im Fiskaljahr 2021, betrug dieser Wert lediglich 38 Prozent – also mehr als die Hälfte der F-35-Flotte war nicht voll einsatzbereit. Im Fiskaljahr 2025 ist die Full Mission Capable Rate auf 25 Prozent gesunken.

Auch die Mission Capable Rate ist stark gefallen: von 67 auf 44 Prozent. Diese sagt aus, wie viele Flugzeuge der F-35-Flotte zumindest eine der Missionen erfüllen können, für die sie eingeteilt wurden.

Keine Teilstreitkraft erreicht ihre Ziele

Die Zahlen wurden für die gesamte Flotte erhoben, also die F-35A der Air Force, die F-35B und F-35C der Marines und die F-35C der Navy. Bei der vollen Einsatzfähigkeit schneidet die Air Force mit 28,5 Prozent noch am besten ab, bei der Navy sind es nur 15,3 Prozent. Das ist sehr weit weg von den angestrebten Zielen für das Fiskaljahr 2025: Die Air Force wollte eine Readiness von mindestens 65 Prozent erreichen, die Navy von 58 Prozent.

Dafür ist bei der Mission Capable Rate die Air Force mit 38,6 Prozent aber am schlechtesten, die F-35C der Marines mit 64,2 Prozent am besten. Dennoch wurden auch hier die Mission-Readiness-Ziele verfehlt: Die Air Force wollte mindestens 70 Prozent erreichen, die Marines 75 Prozent.

Wartungsteam lädt eine AIM-120-Rakete in den Waffenschacht einer F-35.

Wartungsteam lädt eine AIM-120-Rakete in den Waffenschacht einer F-35.

Situation könnte sich weiter verschlechtern

Laut GAO rechtfertigt sich die Air Force damit, dass 2025 neue F-35s geliefert wurden, die wegen fehlender Software-Updates nicht als einsatzbereit eingestuft wurden. Zudem gebe es nach wie vor Herausforderungen bei der Korrosions-Inspektion und den Reparaturen. Außerdem gebe es zu wenig Ersatzteile, bzw. würden diese zu langsam geliefert werden.

Das GAO geht davon aus, dass sich die Situation in den nächsten Jahren verschlechtern wird. Durch die zusätzlichen Einsätze, die die F-35 gegen den Iran bei der Operation Epic Fury geflogen hat, sei der Bedarf für Wartung und Ersatzteile jetzt höher als zuvor geplant. Zudem hätten bisherige Maßnahmen, um die Knappheit bei den Ersatzteilen zu reduzieren, noch nicht die volle Wirkung gezeigt. Lockheed Martin, der Hersteller der F-35, hat nach eigenen Angaben kürzlich 2 Milliarden US-Dollar investiert, um die Verfügbarkeit von Ersatzteilen zu verbessern.

Seit sich 2014 der Rechnungshof der F-35-Readiness angenommen hat, wurden 46 Maßnahmen empfohlen. Davon wurden bis März 2026 erst 14 umgesetzt. Auch eine Maßnahme, die laut dem F-35 Joint Program Office (JPO), das für das Flottenmanagement zuständig ist, umgesetzt wurde, wurde laut dem GAO nicht umgesetzt. In Verträgen für 2025 bis 2028 seien immer noch Formeln für Bonuszahlungen an Lockheed zu finden, die nicht die Full Mission Capable Rate einbeziehen. Lockheed hätte demnach also keinen finanziellen Anreiz, um die Situation rasch zu verbessern.

Wer ist schuld an der niedrigen Readiness?

Wer tatsächlich schuld an den niedrigen Readiness-Raten ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Lockheed schiebt die Verantwortung auf Zulieferer. Einer eigenen Studie zufolge wurden 48 Komponenten ausgemacht, die die Zulieferer derzeit nicht in ausreichender Stückzahl zur Verfügung stellen. Dazu gehört die Glaskuppel für das Cockpit, die vom US-Unternehmen GKN Aerospace hergestellt wird. Die Kuppel ist eine der Komponenten, die GAO schon in den Vorjahren als Hauptgrund dafür ausgemacht hat, dass viele F-35 am Boden blieben und warten mussten, bis die entsprechenden Ersatzteile geliefert wurden.

Bodenpersonal bereitet einen F-35-Kampfjet auf einem Flugzeugträger für den Einsatz vor.

Die Glaskuppel des F-35-Cockpits hat eine markante Färbung.

Die Kuppel hat eine spezielle Form und Beschichtung, um stabil zu sein und gleichzeitig die Stealth-Eigenschaften zu verbessern. GKN Aerospace hat bereits Mitte 2024 angekündigt, seine Produktionskapazitäten verdoppeln zu wollen. Bis Jänner 2027 soll der Ausbau der dazu benötigen Fertigungsanlagen fertiggestellt sein.

Pratt & Whitney, das das Triebwerk der F-35 baut, war laut dieser Studie ebenfalls einer der Zulieferer, die nicht schnell genug liefern. Der aktuelle Bericht von GAO erwähnt aber, dass Pratt & Whitney, nach dem GAO-Bericht aus dem Jahr 2022, Verbesserungen vorgenommen hat und jetzt seine Ziele erfüllt.

Zu viel Export?

Einige US-Politiker sehen das Problem im Erfolg der F-35. Wegen der zunehmenden Exportaufträge würde Lockheed mit der Produktion nicht nachkommen. Und weil der Export immer lukrativer ist als die Rüstungsaufträge im eigenen Land, würden Jets und die dazugehörigen Ersatzteile ins Ausland gehen, anstatt zur Air Force, den Marines und der Navy.

Ein Beispiel: Die Schweiz soll umgerechnet 250 Millionen US-Dollar für eine F-35 zahlen, der Air Force kostet der Kampfjet in der Grundversion um die 83 Millionen US-Dollar. Die Politiker fordern hier ein „America First“ und wollen durchsetzen, dass Lockheed erst weitere F-35 ins Ausland liefern darf, wenn die Readiness im eigenen Land eine bestimmte Höhe erreicht hat.

Personalmangel

Ein weiterer Faktor sind Sparmaßnahmen beim Personal. Die F-35-Flotte der USA wird zunehmend größer. Bis Mitte der 2040er-Jahre sollen noch 1.700 Stück hinzukommen. Das Personal, zur Pflege und Wartung der Maschinen, wird aber nur langsam oder gar nicht aufgestockt und in einigen Fällen sogar abgebaut, um Geld zu sparen oder Budget für Trumps bevorzugte Rüstungsprojekte freizuspielen, wie die F-47 und die nuklearen Schlachtschiffe der Trump-Klasse.

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Kriegsschiff feuert Raketen und Geschütze ab, Laserstrahl trifft anfliegende Rakete, brennendes Schiff.

Konzeptgrafik der Trump-Klasse

Die F-35 ist zwar weniger empfindlich als die F-22, benötigt aber dennoch mehr Pflege als ein normaler Jet. Damit nämlich die Stealth-Eigenschaften erhalten bleiben, muss die Oberfläche glatt und sauber sein. Kommt die Pflege zu kurz, kann etwa die spezielle RAM-Beschichtung (Radar Absorbing Material), die Radarstrahlen absorbieren soll, schneller korrodieren. Das reduziert die Tarnkappenfähigkeiten.

Häufig ist das bei der F-35C zu beobachten, wegen Salzwasserspritzern auf das Flugdeck der Flugzeugträger und der salzhaltigen Luft auf dem Ozean. Die Schicht verfärbt sich dann bräunlich und erinnert an Flugrost.

F-35C RAM

Muss das RAM deshalb öfters ausgebessert bzw. erneuert werden, mit gleichem oder geringeren Personalstand, staut es sich quasi im Werkstatt-Hangar. Dadurch fallen mehr F-35s gleichzeitig aus und die Readiness sinkt.

Lockheed hat im Vorjahr eine „Ferrari-F-35“ bzw. ein „NASCAR-Kit“ für den Stealth-Fighter angekündigt, das die Readiness verbessern soll. Außerdem soll die F-35 damit 80 Prozent der Fähigkeiten des kommenden Kampfjets F-47 beherrschen - zur Hälfte des Preises. Bisher gibt es noch keine Informationen dazu, ob die US-Regierung an einer so aufgerüsteten F-35 interessiert ist.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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