Kriegsschiff der Trump-Klasse mit US-Flagge vor der Freiheitsstatue in New York.

Das erste Schiff der Trump-Klasse soll USS Defiant heißen

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Militärtechnik

Trumps Traum-Schlachtschiff soll jetzt doch Atomreaktoren bekommen

Die 17 Milliarden US-Dollar teuren Schlachtschiffe der Trump-Klasse dürften noch teurer werden. Denn wie aus der jährlichen Schiffbauplanung der US Navy hervorgeht, sollen die Kriegsschiffe einen Nuklearantrieb bekommen.

Das ist überraschend, denn vor wenigen Wochen hat sich die Navy noch dagegen ausgesprochen. Der Secretary of the Navy (Marineminister) John Phelan sagte, es sei „unwahrscheinlich”, dass die Trump-Klasse Atomreaktoren bekomme. Doch mittlerweile wurde Phelan gefeuert und Trumps „tödlichstes Kriegsschiff, das jemals gebaut wurde“ ist jetzt ein BBGN.

Kriegsschiff feuert Raketen und Geschütze ab, Laserstrahl trifft anfliegende Rakete, brennendes Schiff.

Konzeptgrafik der Trump-Klasse

Navy-Schiffe mit Nuklearantrieb

BBGN steht für Battleship (BB), guided-missile (G) nuclear powered (N), also ein nuklearbetriebenes Lenkwaffen-Schlachtschiff. Vor dem Schiffbauplan war die Trump-Klasse nur ein BBG – also ohne Nuklearantrieb.

Aktuell hat die US Navy nur eine Klasse von Oberflächenschiffen mit Nuklearantrieb: Flugzeugträger. Die gehören zur Nimitz- und Gerald-R.-Ford-Klasse.

Bis in die späten 1990er-Jahre waren noch Kreuzer mit Atomreaktoren im Einsatz, die aber entweder Einzelstücke waren oder nur in sehr geringer Stückzahl gebaut wurden. Von 1961 bis 1995 gab es die USS Long Beach, das einzige Schiff der Long-Beach-Klasse. Sie war das erste Oberflächen-Kriegsschiff mit Nuklearantrieb, abgesehen von Flugzeugträgern. Der nukleare Lenkwaffen-Kreuzer hatte 2 Atomreaktoren an Bord.

Kriegsschiff fährt auf dem Meer

USS Long Beach

Mit der USS Bainbridge gab es von 1962 bis 1996 ein ähnliches Experiment – ebenfalls das einzige Schiff der Klasse, ebenfalls mit 2 Reaktoren. Auch die USS Truxtun (1967 bis 1995) blieb ein Einzelstück in ihrer Klasse.

Ein Kriegsschiff fährt auf dem Meer

Die USS Truxtun im Jahr 1989

Von der Virginia-Klasse (1976 bis 1998) gab es immerhin 4 Lenkwaffen-Kreuzer, von der California-Klasse (1974 bis 1999) nur 2. Die Schiffe beider Klassen waren jeweils mit 2 Reaktoren ausgestattet.

EIn Flugzeugträger und zwei Kreuzer fahren auf dem Meer

Flugzeugträger USS Nimitz wird von den 2 Atomkreuzern der California-Klasse begleitet

Warum gibt es keine Atom-Schiffe mehr?

Dass Nuklearantriebe nur noch für Flugzeugträger und U-Boote genutzt werden, ist eine Kosten-Nutzen-Frage. Durch das Aufkommen von Raketen und vertikalen Startzellen (VLS), konnten moderne Zerstörer die Aufgaben der Kreuzer übernehmen. Und weil Zerstörer kleiner sind als Kreuzer, brauchen sie nicht die Leistung eines Nuklearantriebs.

Außerdem sind Nuklearantriebe teuer – sowohl beim Bau als auch der Wartung und Instandhaltung. Anstatt wenige atombetriebene Zerstörer kann man also viele mit konventionellem Antrieb bauen.

Ein Schlachtschiff mit Atomantrieb hat es bisher übrigens noch nie gegeben. Das liegt daran, dass Schlachtschiffe schon nach dem Zweiten Weltkrieg für obsolet erklärt wurden und stattdessen kleinere Kreuzer gebaut wurden – also ähnlich, wie danach der Sprung von Kreuzern zu Zerstörern stattfand.

17 Milliarden US-Dollar pro Stück

Die nuklearbetriebene Trump-Klasse würde also nicht nur die Klasse der Schlachtschiffe zurückbringen, sondern wäre ein „World's First“ – ein Prestigeprojekt, was das Ego des US-Präsidenten streichelt. Dass die Navy vor Kurzem noch gegen den Atomantrieb war, begründete Phelan damit, dass dieser die Kosten und Komplexität des Schiffs zu stark erhöhen würde.

Der aktuelle Plan der US Navy sieht vor, dass 15 Trump-Klasse Schlachtschiffe gebaut werden, im Zeitraum von 2028 bis 2055. Jedes soll in etwa 17 Milliarden US-Dollar kosten. Diese Zahl bezieht sich auf eine frühere Prognose der Navy. Es ist nicht klar, ob diese schon den Nuklearantrieb miteinkalkuliert hatte. Vermutlich aber nicht, weshalb jedes Trump-Klasse-Schiff nochmal deutlich teurer werden könnte.

Aber schon mit den 17 Milliarden US-Dollar wären die Schlachtschiffe die teuersten Schiffe der US Navy. Derzeitiger Spitzenreiter sind die Flugzeugträger der Ford-Klasse. Sie kosten 13 bis 15 Milliarden US-Dollar pro Stück.

Flugzeugträger Gerald R. Ford fährt auf dem Meer

Flugzeugträger Gerald R. Ford

Kosten im Vergleich

Rechnet man das um auf Kosten pro Tonne Verdrängung (die übliche Maßeinheit zur Größenbestimmung von Schiffen), ist der Unterschied dramatischer. Die Ford-Klasse kommt auf etwa 140.000 US-Dollar pro Tonne, die Trump-Klasse auf 485.000 US-Dollar. Sie ist also gut 3-mal so teuer.

Ein anderer Kostenvergleich: Ursprünglich ging die Navy davon aus, dass Nummer 2 und 3 der Trump-Klasse etwas günstiger werden könnten, weshalb die Navy zuvor 44 Milliarden US-Dollar für den Bau der ersten 3 Schlachtschiffe genannt hatte – wieder vermutlich ohne Nuklearantrieb. Die Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse, die das Rückgrat der US Navy bilden, kosten etwa 2,5 Milliarden US-Dollar pro Stück. Statt 3 Trump-Klasse-Schiffen könnte man also 17 Burke-Zerstörer kaufen.

Diese Kalkulation kann man auch auf die Raketen-Vertikalstarter Mk 41 runterbrechen. Diese sind die Hauptbewaffnung der Trump- und der Burke-Klasse. Eine Trump-Klasse hat 128 Stück davon, eine Burke „nur“ 96. Das wurde zuvor als Argument für die Trump-Klasse vorgebracht, weil die Feuerkraft dadurch höher als bei der Burke ist. Um 44 Milliarden Dollar bekommt man mit der Trump-Klasse demnach aber nur 384 Starter. Kauft man stattdessen Burkes, sind es 1.632.

Kein Nachtanken auf hoher See

Warum die Mk-41-Rechnung relevant ist: Die US Navy hat derzeit keine Möglichkeit, die Vertikalstarter am Meer nachzuladen. Es gibt zwar Experimente dazu, aber derzeit müssen Schiffe mit VLS einen Hafen ansteuern, um diese nachzuladen.

Eine Rakete wird in ein Kriegsschiff geladen

Experiment der US Navy aus dem Jahr 2024, um ein Mk 41 auf dem Meer nachzuladen. Die Rakete im Startkörper wurde mit einem Kabelsystem vom Versorgungsschiff zum Kriegsschiff gebracht

Das relativiert etwas den Vorteil eines Nuklearantriebs: das Nachtanken. Während ein Burke-Zerstörer im Einsatz etwa alle 7 bis 10 Tage am Meer nachgetankt wird, muss bei Atomantrieben nur alle 20 bis 25 Jahre der Brennstoff erneuert werden. Wenn das Schlachtschiff aber ohnehin zum Nachladen der VLS in den Hafen muss oder von Versorgungsschiffen mit Wasser und Nahrung für die Besatzung beliefert werden muss, könnte es auch gleich Treibstoff für einen regulären Antrieb aufnehmen.

Laser und Railgun

Ein Argument für den Atomantrieb bei der Trump-Klasse sind die geplanten Waffensysteme. Neben konventionellen Waffen soll sie nämlich mehrere Laser und eine Railgun haben. Beide setzen auf elektrischen Strom statt Schießpulver – und davon können Atomreaktoren reichlich bereitstellen.

Dass eine Railgun an Bord sein soll, wurde von Rüstungsexperten als verzweifelter Versuch gewertet, irgendwie die Rückkehr des Schlachtschiffs zu rechtfertigen. Denn Trump, der ein Fan der Schlachtschiffe aus dem Zweiten Weltkrieg ist, mag die vor allem, wegen der Geschütze und weil sie „aus solidem Stahl sind, nicht aus Aluminium, weil Aluminium schon schmilzt, wenn die Rakete noch 3 km entfernt ist.“

Kriegsschiff der Trump-Klasse mit US-Flagge vor der Freiheitsstatue in New York.

Das erste Schiff der Trump-Klasse soll USS Defiant heißen

Die damaligen Schlachtschiffe wurden über die Größe und Anzahl ihrer Hauptgeschütze definiert. Die Iowa-Klasse, die sogar noch im Zweiten Golfkrieg zum Einsatz kam, hatte insgesamt 9 Geschütze im Kaliber 406 mm.

Die Trump-Klasse hat aber nur 2 Kanonen im Kaliber 127 mm. Die Iowa-Klasse hatte 20 Kanonen in diesem Kaliber, zusätzlich zu den 406ern.

Dafür soll aber eben die Railgun der Trump-Klasse alle derzeit aktiven Schiffsgeschütze in den Schatten stellen – ähnlich wie in den Weltkriegen die Schlachtschiffe mit ihren mächtigen Geschützen als die Schrecken der Meere galten. Dass die Railgun an Bord ist, ist eine ähnlich große Überraschung wie die Rückkehr der Schlachtschiffe. Denn die US Navy hat die Entwicklung der Railgun im Jahr 2021 offiziell aufgegeben, obwohl über 10 Jahre daran gearbeitet wurde.

➤ Mehr lesen: Navy gibt Railguns auf, setzt auf Hyperschall-Raketen

10 kg schwere Hyperschall-Projektile

Ein interessantes Detail ist, dass die Stärke der Railgun von der US Navy mit 32 Megajoule angegeben wird. Das ist genau die Leistung, die der Navy-Prototyp damals hatte. Es ist auch die Leistung der Railgun, die der Rüstungskonzern General Atomics kürzlich bei einer Hausmesse der US Army gepitcht hat.

General Atomics will Railguns in 3 Größen anbieten

General Atomics will Railguns in 3 Größen anbieten

Damals war das Ziel der Navy, dass die 32-MJ-Kanone eine Einsatzreichweite von bis zu 360 km hat. Die Projektile dafür wiegen 10 kg und sind 46 cm lang. In Tests an Land erreichten sie eine Geschwindigkeit von über Mach 7, also mehr als 8.500 km/h – schneller als 2,3 Kilometer pro Sekunde. Ab Mach 5 spricht man von Hyperschallgeschwindigkeit.

Was ist eine Railgun?

Die Railgun funktioniert ähnlich wie ein Katapult. Ein Schlitten läuft zwischen 2 Schienen – daher auch der Name Railgun (rail = Schiene). Eine Schiene ist positiv, die andere negativ geladen. Durch den stromleitenden Schlitten wird der Kreislauf zwischen den beiden Schienen geschlossen.

Dadurch entsteht ein Magnetfeld. Dies erzeugt Lorentzkraft, bei der ein Magnetfeld Kraft auf bewegte Ladungen ausübt. Der Schlitten wird dadurch beschleunigt, entgegen der Richtung der Energiequelle, also hin zur Mündung der Railgun. Das Projektil auf dem Schlitten wird dadurch mit extrem hoher Geschwindigkeit weggeschossen.

Vorteile von Railguns:

  • Mehr als die 10-fache Reichweite eines normalen Geschützes möglich
  • Gelenktes Railgun-Projektil kostet weniger als 20 Prozent einer Rakete
  • Platz- und Gewichtsersparnis bei der Munition: Treibladungen für Granaten/Geschosse sind nicht mehr notwendig

Nachteile von Railguns:

  • Hohe Hitze beim Schießen beschädigt Schienen und andere Bauteile und reduziert so die Haltbarkeit
  • Hoher Anspruch an die elektrischen Systeme von Schiffen/Fahrzeugen, wegen des Energiebedarfs

➤ Mehr lesen: Was ist eine Railgun?

Durch die hohe Geschwindigkeit entspricht die Aufschlagsenergie am Ziel in etwa der Explosion von 4 kg C4, obwohl das Projektil keinerlei Sprengstoff enthält. Entgegen klassischen Geschützen von Schlachtschiffen sollten die Railgun-Projektile zudem lenkbar sein, um eine höhere Präzision zu erreichen und auch, um bewegliche Ziele treffen zu können.

Was die Reichweite angeht, ist die Railgun den 406-mm-Geschützen weit überlegen: Die kommen nur auf etwa 38 km. Dafür hatten die eine weit höhere Zerstörungskraft. Während bei der Railgun die Mündungsenergie 32 MJ beträgt, sind es bei den 406ern bis zu 355 MJ. Selbst die „leichte“ Hochexplosiv-Granate mit 862 kg Gewicht hinterließ beim Einschlag an Land einen Krater, der bis zu 15 m breit und 6 m tief war.

Das Schlachtschiff USS Iowa feuert eine volle Breitseite ihrer 406mm-Kanonen ab.

Das Schlachtschiff USS Iowa feuert eine volle Breitseite ihrer 406mm-Kanonen ab. Die Aufnahme entstand bei einer Übung im Jahr 1984

Bindeglied zwischen Geschütz und Rakete

Die Railgun soll, so zumindest damals von der US Navy geplant, ohnehin nicht die Feuerkraft der echten Schlachtschiffe emulieren. Stattdessen soll sie ein Bindeglied zwischen klassischen Geschützen und Raketen sein: Mehr Reichweite und Präzision als eine Kanone, aber geringere Kosten als eine Rakete. Die Navy peilte damals Stückkosten von 50.000 US-Dollar für ein gelenktes Railgun-Projektil an.

Zwei US Navy-Offiziere halten ein Objekt mit der Aufschrift „U.S. Navy“.

Ein Modell des Railgun-Projektils der US Navy

Selbst wenn es heute 100.000 US-Dollar sind, ist das weit günstiger als eine moderne Rakete. Die Antischiffsrakete NSM, die in der aktuellen Ausführung über 300 km Reichweite haben soll, hat einen Stückpreis von über 2 Millionen US-Dollar.

Ein weiterer Vorteil: Die Railgun-Munition ist kleiner und leichter als Raketen mit vergleichbarer Reichweite. Dadurch kann viel mehr Munition mitgenommen werden und die Defiant kann länger im Einsatz bleiben, bevor sie einen Hafen ansteuern muss, um die Raketen in den vertikalen Startsystemen (VLS) nachladen zu lassen.

Droht ein Zumwalt-Schicksal?

Wer mit den Entwicklungen der US Navy vertraut ist, dem kommen diese Pläne und Versprechen möglicherweise bekannt vor. Auch die Zumwalt-Klasse sollte ein Geschütz bekommen, das Raketen ersetzen kann. Das fehlgeschlagene Projekt brachte der Klasse den Ruf ein, „das unnötigste Schiff der Flotte“ zu sein.

➤ Mehr lesen: Zumwalt: Hyperschallraketen für das “unnötigste Schiff der Flotte„

Der gesamte vordere Teil der Zumwalt-Klasse wurde um das AGS (Advanced Gun System) herum designt. So wurde sichergestellt, dass die 2 Geschütze, ihre jeweils 300 Schuss fassenden Magazine und die Autolader genügend Platz haben.

Die Geschütze sollten das Long-Range Land Attack Projectile (LRLAP) verschießen. Das knapp 105 kg schwere Projektil war GPS-gesteuert und sollte so auf bis zu 120 km Entfernung Ziele mit der Genauigkeit einer Rakete treffen. Mit einer Feuerrate von 10 Schuss pro Minute hätte die Zumwalt mit ihren 2 Geschützen alle 3 Sekunden ein LRLAP abfeuern können.

Gepaart mit dem großen Munitionsvorrat an Bord und der hohen Reichweite gegenüber herkömmlicher Schiffsgeschütze wäre damit eine gewaltige Feuerkraft gegen Schiffe und Landziele möglich gewesen. Die Zumwalt hätte so eine Art modernes Revival für Schlachtschiffe sein sollen.

Mit ihren Geschützen hätte die Zumwalt ebenfalls Küstenziele angreifen sollen, für die sonst Flugzeuge oder Marschflugkörper nötig wären. Kampfjets, die von Flugzeugträgern starten, können nur begrenzt Bomben und Raketen mitführen und sind außerdem anfällig für Luftabwehr.

Die Navy hat sich dann aber gegen LRLAPs entschieden. Denn ein Schuss hat 800.000 US-Dollar gekostet, statt der geplanten 68.000 US-Dollar. Da kommt man schon nahe an die Kosten einer Rakete. Ein moderner Tomahawk kostete im Jahr 2016, als die Navy die Entscheidung gegen LRLAP getroffen hatte, zwar das Doppelte, hat mit über 1.600 km aber deutlich mehr Reichweite und mit 450 kg konventionellem Sprengstoff mehr Durchschlagskraft.

Bei 300 Schuss LRLAP pro Geschütz plus weiteren 150 Schuss, die im Schiff in Reserve gelagert worden wären, hätte das 600 Millionen US-Dollar gekostet. Um dieses Geld könnte die Navy schon 9 Stück F/A-18 Kampfjets kaufen, die auf ihren Flugzeugträgern eingesetzt werden.

Wohlgemerkt sind das die Kosten pro Schiff: Hätte die Navy alle 3 geplanten Zumwalt-Schiffe voll mit LRLAP bestückt, wären das 1,8 Milliarden US-Dollar gewesen. Das reicht immerhin für 18 F-35C Stealth-Fighter, die die US Navy ebenso auf ihren Flugzeugträgern nutzt.

Die US Navy hatte schlussendlich lediglich 150 LRLAP gekauft, um die Zumwalt-Klasse zu testen. Nachdem diese bei Tests verschossen wurden, gab es nichts mehr.

Die Navy hätte einen Ersatz für LRLAP entwickeln müssen, was wieder Geld gekostet hätte. Sie entschied sich, die 155-mm-Geschütze gar nicht zu nutzen. Sie waren auf der Zumwalt also inoperabel – obwohl das Schiff von Anfang an rund um sie und LRLAP designt wurde.

Mit dieser Entscheidung wurde der Zumwalt ihre Primärfunktion genommen. Das wäre so, als hätte sich die Air Force entschieden, die A-10 nach der Entwicklung ohne Munition für die ikonische 30-mm-Gatling-Maschinenkanone GAU-8/A fliegen zu lassen.

➤ Mehr lesen: Warzenschwein unerwünscht: Warum die Ukraine die A-10 nicht haben will

140 Startzellen für Raketen

Die Railgun wird zwar von der Navy als Argument genutzt, um die Trump-Klasse zu rechtfertigen, aber die Hauptbewaffnung sind die Raketen und Marschflugkörper in den VLS. Insgesamt sind 140 Zellen vorgesehen, was also mindestens 140 Raketen bedeutet. 

Datenblatt der USS Defiant

Datenblatt der USS Defiant, die das erste Schiff der Trump-Klasse werden soll

Das scheint für ein Schiff dieser Größe etwas wenig zu sein. Mit über 35.000 Tonnen ist die Defiant 3-mal größer als übliche Zerstörer der US Navy. Auch die Kreuzer der Ticonderoga-Klasse kommen nur knapp auf 10.000 Tonnen, haben aber trotzdem 122 VLS-Zellen.

Der Unterschied ist, dass die Trump-Klasse 128 Zellen des üblichen Mk41 VLS hat, aber 12 Zellen für das größere CPS VLS (Conventional Prompt Strike). Damit sollen Hyperschallraketen mit besonders hoher Reichweite gestartet werden.

Bei dem CPS handelt es sich vermutlich um dasselbe CPS, mit dem gerade bei der Zumwalt-Klasse die munitionslosen Kanonen ersetzt werden. Dort ist vorgesehen, dass jede Zelle einen Abschussbehälter (APM) hat, in dem 3 Hyperschallraketen passen. Die Defiant hätte also in ihren 12 Zellen insgesamt 36 Hyperschallraketen, was die Zahl der Raketen an Bord auf 164 erhöht.

Auf diesem Slide aus dem Jahr 2021 ist das APM zu sehen.

Auf diesem Slide aus dem Jahr 2021 ist das APM zu sehen

Die Hyperschallrakete wird voraussichtlich die Navy-Variante von Dark Eagle sein, die gemeinsam mit der US Army entwickelt wird. Diese soll eine Reichweite von über 3.500 km haben.

➤ Mehr lesen: US-Hyperschallrakete Dark Eagle hat überraschend kleinen Sprengkopf

Die Navy betont zudem, dass die Trump-Klasse Atomwaffen an Bord haben wird. Diese werden Marschflugkörper mit Atomsprengkopf (SLCM-N) sein, die derzeit entwickelt werden. SLCM-N wird vermutlich aus den normalen Mk41-Zellen gestartet werden, so wie etwa der Marschflugkörper Tomahawk.

6 Laserwaffen

Railgun, Hyperschallraketen… da fehlt nur noch eine Technologie, um das Trio der Hightech-Kriegsführung zu komplementieren: Laser. Auch die soll die Trump-Klasse an Bord haben. Laut der Navy sind 2 Stück vorgesehen, entweder mit 300 oder 600 kW Leistung. Noch gibt es keine einsatzfähigen 300-kW-Laser und schon gar nicht welche mit 600 kW. Allerdings arbeiten mehrere Rüstungskonzerne daran, diese Leistungen zu erreichen.

Mit einem 300-kW-Laser könnten Ziele auf eine Entfernung von bis zu 20 km zerstört werden. Aufgrund der Bedingungen am Meer wird die effektive Reichweite aber eher bei bis zu 10 km liegen. Ein 600-kW-Laser könnte tatsächlich eine effektive Reichweite von bis zu 20 km unter Gefechtsbedingungen erzielen.

Die Laserwaffen auf Schiffen dienen vorrangig dem Selbstschutz gegen Drohnen, anfliegende Raketen und Drohnenboote. Ein Schuss kostet nur ein paar Dollar, gegenüber einer Luftabwehrrakete, die mehrere Millionen Dollar kosten kann. Zudem haben Laser theoretisch unendlich Munition, solange die Generatoren des Schiffs genügend Energie erzeugen.

Unendlich lange schießen können sie aber nicht, da die bisher entwickelten Laser nach ein paar Minuten Feuern eine Abkühlphase benötigen. Das soll verhindern, dass die Komponenten permanent beschädigt werden. Dennoch dürften Laser gerade bei Schwarmangriffen von Drohnen einen wichtigen Beitrag zur Abwehr leisten.

Weiters soll die Defiant 4 ODIN-Laser bekommen. Diese haben eine geringere Stärke, können aber noch kleine Drohnen auf kurze Entfernung zerstören oder als Dazzler genutzt werden. Dabei werden die optischen Systeme von Drohnen und Raketen geblendet, damit sie ihr Ziel nicht mehr erfassen können.

Grafische Darstellung der USS Defiant

Grafische Darstellung der USS Defiant

Bewährte Waffen zur Luftabwehr

Weil sich die Navy nicht voll auf Laserwaffen verlassen will, soll die Trump-Klasse auch bereits erprobte Abwehrsysteme bekommen. Dazu gehören 2 RAM-Starter (Luftabwehrraketen für kurze Distanzen) und 4 30-mm-Maschinenkanonen. Damit ist das System MK38 Mod4 gemeint, welches die Kanone Bushmaster II nutzt.

Die Feuerrate beträgt bis zu 200 Schuss pro Minute. Die effektive Reichweite, je nach Munition, beträgt bis zu 5 km. Es kann Airburst-Munition genutzt werden. Diese explodiert in der Luft und erzeugt eine Splitterwolke, ohne dass das Ziel direkt getroffen werden muss. Dadurch steigt die Trefferquote bei kleinen und agilen Zielen wie Drohnen.

Auch die 127-mm-Geschütze können mit entsprechender Munition zur Luftabwehr genutzt werden. Ähnliches gilt für die Railgun. Durch die hohe Geschwindigkeit des Projektils und die Reichweite würde sie sich u. a. dafür eignen, um ballistische Antischiffsraketen und Hyperschallraketen abzufangen. Japan will etwa die Railgun, die es gerade für seine Schiffe entwickelt, ebenfalls für diese Zwecke nutzen.

➤ Mehr lesen: Japan: Erstmals mit Railgun auf Schiff geschossen

Trump-Klasse ist kein klassisches Schlachtschiff

Zieht man das alles in Betracht, wirkt es so, als wurde dem US-Präsidenten hier etwas als Schlachtschiff verkauft, das eigentlich keines ist. Auf dem Papier hat die Trump-Klasse 7 Geschütze und 6 Laser - was für ein modernes Kriegsschiff imposant klingt. Diese dürften aber alle primär dem Selbstschutz dienen und nicht, um wie bei den früheren Schlachtschiffen, andere Schiffe und Landziele anzugreifen.

Ein Kriegsschiff mit US-Flagge feuert Raketen ab, im Hintergrund brennt ein Schiff und ein Hubschrauber fliegt am Himmel.

Offizielle Konzeptgrafik der Trump-Klasse von der US Navy

Denn dazu ist die Reichweite zu gering. Selbst wenn die Railgun wirklich bis zu 360 km Reichweite hat, muss die Trump-Klasse näher zur Küste, um Ziele im Hinterland anzugreifen. Und wenn statt dem 10-kg-Projektil ein schwereres mit höherer Zerstörungskraft genutzt werden soll, wird die Reichweite wohl noch weiter sinken. Und dann ist die Trump-Klasse ihrerseits in der Reichweite von Drohnen und Schiffsabwehrraketen, die von Land gestartet werden.

China hat etwa mit dem YJ-12B landgestartete Antischiffsraketen auf mehreren Inseln im Südchinesischen Meer platziert. Diese haben eine Reichweite von bis zu 460 km und einen bis zu 500 kg schweren Gefechtskopf. Ebenfalls in Chinas Arsenal: Hyperschallraketen zur Bekämpfung von Seezielen mit etwa 500 km Reichweite und ballistische Antischiffsraketen mit bis zu 4.000 km Reichweite.

Gegen China sollte die Trump-Klasse also nicht wie ein klassisches Schlachtschiff eingesetzt werden, um mit Geschützen Landziele zu attackieren. Stattdessen wird sie wohl eher wie ein aufgeblasener Lenkwaffenkreuzer agieren oder ein Arsenal-Schiff mit Selbstschutzmaßnahmen.

Frühere Konzepte für ein Arsenal-Schiff sahen vor, so viele VLS-Zellen wie möglich auf ein Kriegsschiff zu packen. Dieses sollte dann im Flottenverband für die Luftverteidigung sorgen und Landziele auf große Distanz angreifen.

Kriegsschiff feuert mehrere Raketen vor einer bergigen Küstenlandschaft ab.

Eine Konzeptgrafik für ein Arsenal-Schiff aus den 1990er-Jahren

Großes Schiff = großes Ziel

Die umfangreichen Selbstschutzmaßnahmen der Trump-Klasse sind jedenfalls nötig, weil sie groß und damit ein lukratives Ziel ist. Laut Navy soll die Defiant bis zu 268 Meter lang werden.

Damit ist sie sogar länger als die amphibischen Angriffsschiffe der America-Klasse (257 Meter), die auf ihrem Flugdeck Hubschrauber und die senkrechtstartende F-35B stationiert haben. Zum Vergleich: Ein Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse ist 155 Meter lang.

Wofür also?

Derzeit gibt es jedenfalls keine Lücke in der Flotte, die ein überdimensionierter Lenkwaffenzerstörer unbedingt füllen muss. „Wir müssen erst die Limitationen dieser Klasse verstehen und dann darüber nachdenken, wie sie in verschiedene Einsatzszenarien passt“, sagte Phelan vor ein paar Wochen, bevor er gefeuert wurde: „Wenn ich so ein Schiff schon heute hätte, könnte ich es vor Venezuela parken, ohne, dass es tonnenweise Zerstörer zum Schutz benötigt. Die können dann woanders eingesetzt werden.“

Damit ist gemeint, dass die großen Schiffe der Navy, wie Flugzeugträger und amphibische Angriffsschiffe, üblicherweise als Gruppen unterwegs sind. Ein Flugzeugträger wird etwa von 3 oder 4 Zerstörern begleitet, die das Schiff vor Luftangriffen schützen sollen. Da die Trump-Klasse ja eigentlich selbst ein aufgeblasener Zerstörer ist, könne sie sich selbst schützen.

Der Vergleich hinkt jedoch: Wenn Zerstörer die Aufgabe von Flugzeugträgern erfüllen könnten, dann bräuchte man ja ohnehin keine Flugzeugträger mehr. Und wenn die Trump-Klasse einfach nur die Aufgaben von Zerstörern übernimmt, stimmt die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht: Rein von der Feuerkraft kann eines der Schlachtschiffe nicht 7 Burkes ersetzen.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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