Zwei F-35-Kampfjets fliegen nebeneinander am Himmel.

2 niederländische F-35

© US Air Force
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Militärtechnik

Niederlande: "Wir können die F-35 jailbreaken wie ein iPhone"

Bis jetzt haben westliche Länder nur eine Möglichkeit an Stealth-Fighter zu kommen: die F-35. Der amerikanische Kampfjet kommt unter anderem in Belgien, Dänemark, Italien und den Niederlanden zum Einsatz, Bestellungen gibt es auch aus Deutschland, Finnland und der Schweiz.

Mit dem zunehmend erratischen und europafeindlichen Verhalten von US-Präsident Donald Trump kamen aber Zweifel an der Kaufentscheidung auf. Denn die F-35 kann nur durch Software, die von den USA kontrolliert wird, effektiv eingesetzt werden. Das löste im Vorjahr sogar Gerüchte aus, dass die F35 de facto einen Kill Switch hat, also jederzeit von den USA aus deaktiviert werden kann.

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Gijs Tuinman, Staatssekretär für Verteidigung der Niederlande, versucht zu beschwichtigen. Die Worte, die er dafür gewählt hat, lassen aufhorchen.

Jailbreaken wie ein iPhone

„Ich werde etwas sagen, das ich eigentlich nie sagen sollte, aber ich mach es trotzdem: Man kann die F-35 jailbreaken wie ein iPhone“, sagte Tuinman in einem Podcast von BNR Nieuwsradio, einem niederländischen Radiosender.

Mehrere Soldaten in Tarnuniform stehen auf einem Militärfahrzeug, während ein Mann im blauen Anzug mit ihnen spricht.

Tuinman (rechts) beim Truppenbesuch

Bei technischen Geräten wird der Begriff Jailbreak verwendet, wenn Schutzmechanismen des Herstellers ausgehebelt werden, um eigene Software zu installieren. Bei Spielkonsolen wird das etwa gemacht, um kopierte Games nutzen zu können, beim iPhone um Apps aus inoffiziellen Quellen zu installieren oder Apples hauseigene Apps zu ersetzen, die tief im System integriert sind.

Was Tuinman bei der F-35 genau jailbreaken will und mit welcher Methode, hat er nicht verraten. Denkbar ist, dass er lediglich versucht die Öffentlichkeit zu beruhigen und das F-35-Programm der Niederlande zu verteidigen, nach dem Motto: „Wenn uns die Amis die F-35s abdrehen wollen, können wir trotzdem damit fliegen.“

Insignien am Leitwerk einer niederländischen F-35

Insignien am Leitwerk einer niederländischen F-35

Das ALIS- und ODIN-Netzwerk

Die Bedenken der Öffentlichkeit sind jedenfalls gerechtfertigt. Zwar konnte bisher noch kein Kill Switch in der F-35 nachgewiesen werden, aber ohne laufende US-Unterstützung wird es für europäische Länder schwer die F-35 zu nutzen. Software-Updates kommen nämlich von einem von den USA gesteuerten Netzwerk namens ALIS (Autonomic Logistics Information System) und dessen Nachfolger ODIN (Operational Data Integrated Network). Diese steuern nicht nur so „Kleinigkeiten“ wie wichtige Patches, das Hinzufügen neuer Funktionen und das Auslesen von wichtigen Wartungsinformationen, sondern auch das Einspielen von Missionsdaten.

Techniker mit Headset arbeitet mit einem Laptop auf einem Flugfeld bei Sonnenschein.

Kurz vor dem Start einer F-35 bei einer Luftshow wird die routinemäßige Kontrolle mit Notebook und ALIS durchgeführt

Durch ALIS/ODIN bekommt die F-35 vor ihrem Einsatz Daten, die die Missionsplanung betreffen. Darin fließen gesammelte Aufklärungs- und Geheimdienstdaten ein, die u.a. die Stärke und Positionen der Flugabwehrsysteme und elektronischen Störmaßnahmen des Feindes beinhalten. Nach jedem Einsatz werden zudem über ALIS/ODIN die von der F-35 gesammelten Radar- und Sensordaten in diese Cloud geladen, um diese „Gefahrenkarte“ laufend zu erweitern.

Anhand dieser Karte wird die optimale Route für die F-35 festgelegt, die die eigenen Tarnkappeneigenschaften und elektronischen Störmaßnahmen miteinbezieht. Dadurch bekommt der Pilot die Flugroute ins Einsatzgebiet angezeigt, die ihm die höchste Erfolgschance gibt, nicht entdeckt und abgeschossen zu werden.

Gerade jetzt ist dieses Planungssystem extrem wichtig, da moderne Luftabwehrraketen immer höhere Reichweiten bekommen. So haben etwa die Raketen von Russlands S-500 Prometheus eine Reichweite von bis zu 600 km – damit könnte man von Berlin aus einen Eurofighter abschießen, der gerade in Zeltweg gestartet ist.

Was der Jailbreak bringen kann

Wenn man ALIS/ODIN jailbreaken möchte, stellt sich die Frage: Kann Europa selbst ein ähnliches System aufbauen, damit dieses wichtige Planungstool nicht verloren geht? Es ist zwar nicht nötig für den Einsatz der F-35, schränkt aber die Überlebensfähigkeiten stark ein. Und dann müsste man sich fragen, ob man nicht statt den über 200 Millionen Euro, die ein Stück der Exportvariante der F-35 für viele europäische Länder kostet, lieber 2.000 Langstrecken-Kamikazedrohnen kauft – oder nur 500 und die eigene Luftabwehr ausbaut.

Ein Jailbreak der F-35 könnte zumindest helfen, an die Wartungsinformationen des Stealth-Fighters zu kommen. Das allein bringt aber nicht viel, da man nicht nur bei der Software, sondern auch bei der Hardware auf die USA angewiesen ist. Und wenn diese den Ersatzteil-Hahn zudrehen und Wartungsarbeiten verweigern, werden die europäischen F-35s nicht mehr lange fliegen. Die europäischen Länder müssten dann also auch einen Plan haben, die nötigen Ersatzteile selbst zu produzieren.

Wartungsarbeiten am Triebwerk einer F-35 der Air Force

Wartungsarbeiten am Triebwerk einer F-35 der Air Force

Europäische Waffensysteme

Womöglich ist der Jailbreak auch gedacht, um europäische Waffensysteme mit der F-35 kompatibel zu machen. Denn wenn die USA die europäischen F-35 nicht mehr unterstützen, werden sie wohl auch keine Waffen mehr dafür liefern. Auch ohne böse Absichten könnte es dazu kommen. Falls die USA einen Krieg mit China anfängt, weil man Taiwan beistehen will, könnten Waffenlieferungen für Europa eingeschränkt werden, weil man sie selbst braucht.

Bisher verwenden die Niederlande ausschließlich amerikanische Raketen für ihre F-35s, wie die AIM-9X Sidewinder und AIM-120 AMRAAM. Die Unterstützung für die europäische Luft-Luft-Rakete Meteor soll frühestens 2027 integriert werden – wenn die USA dies dann noch zulassen.

F-35I Adir

Eine F-35 ohne US-Zwang ist jedenfalls nicht unmöglich. Als einziges von 11 Ländern hat sich Israel herausgehandelt, dass die F-35I Adir eine selbstentwickelte Software nutzt und nicht in ALIS/ODIN verankert ist.

Eine F-35I im „Beast Mode“.

F-35I im Beast Mode

Außerdem darf und kann Israel Wartungen selbst vornehmen und israelische Waffen verwenden. Zudem nutzt die F-35I ein eigenes System zur elektronischen Kriegsführung. Israel hat auch selbst Zusatztanks mit Stealth-Eigenschaften für den Kampfjet entwickelt.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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