Neue Su-57 steht auf einem verschneiten Rollfeld

Su-57

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Militärtechnik

Russland bekommt verbesserte Su-57 Stealth-Fighter

Die russischen Streitkräfte haben eine neue Lieferung der Su-57 bekommen. Sie ist Russlands modernster und bisher einziger Kampfjet mit Stealth-Eigenschaften.

Wie viele Stück die aktuelle Charge umfasst, wurde vom staatlichen Hersteller UAC nicht gesagt. Üblicherweise werden nur 2 oder 3 Maschinen gleichzeitig ausgeliefert. Denn die Herstellung läuft schleppend.

2 neue Su-57s auf einem verschneiten FLughafen

2 neue Su-57s

Selbst laut russischen Quellen wurden bis Anfang 2025 nur etwa 34 Maschinen ausgeliefert. Bei dieser Zahl ist nicht ganz klar, ob sie die 10 Prototypen-Flieger miteinschließt oder nur die Serienmodelle. Dass bis Ende 2027 alle insgesamt 76 bestellten Su-57 an die russischen Luftstreitkräfte übergeben worden sind, gilt jedenfalls als eher unwahrscheinlich.

Neue Su-57 hebt ab, im Hintergrund sind Bäume zu sehen

Neue Su-57 hebt ab

Neue Luft-Luft-Raketen

Die jetzt gelieferten Su-57s wurden laut UAC überarbeitet. Sie sollen aktualisierte Bord- und Waffensysteme bekommen haben. Laut Sergey Chemezov, CEO des staatlichen Mutterkonzerns Rostec, sei die Su-57 dadurch „noch mächtiger und gefährlicher“ geworden.

Details zu den Upgrades wurden nicht genannt. Laut eines Su-57-Piloten soll sie neue Luft-Luft-Raketen nutzen können. Damit ist womöglich die K-MD gemeint. Das ist eine Luft-Luft-Rakete für kurze Strecken, die als Nachfolgerin der R-74M2 entwickelt wird.

Die Su-57 hat für die R-74M2 separate Waffenschächte, die unabhängig von den 2 Haupt-Waffenschächten sind. Die R-74M2-Schächte sind seitlich links und rechts und haben Platz für je eine Rakete.

Videos, die zeigen, wie diese Waffenschächte geöffnet werden, gab es lange Zeit nicht, obwohl die Su-57 schon 2010 ihren Erstflug hatte. Erst als ein Su-57-Prototyp im November 2025 bei der Airshow in Dubai geflogen ist, konnte dies beobachtet werden. Im folgenden Video ist das etwa bei Minute 1:39 zu sehen.

Die seitlichen Waffenschächte ermöglichen, dass der Infrarotsuchkopf der Rakete verlässlich die Hitzesignatur des feindlichen Flugzeugs erfasst, noch bevor sie gestartet wird. Auch der chinesische Stealth-Fighter J-20 und die amerikanische F-22 haben deshalb seitliche Extra-Waffenschächte für Kurzstrecken-Luft-Luft-Raketen.

Moderne Luft-Luft-Raketen mit Infrarotsuchkopf haben die Möglichkeit, erst nach dem Start das Ziel anzuvisieren. Das würde eine Nutzung aus den Hauptwaffenschächten der Stealth-Fighter ermöglichen, die sich an der Unterseite befinden.

Allerdings zünden Luft-Luft-Raketen für Kurzstrecken üblicherweise ihre Triebwerke sofort beim Start, um im Dogfight schnell auf Lenkbewegungen des feindlichen Flugzeugs zu reagieren. Befindet sich die Rakete im Hauptwaffenschacht, geht das nicht, da das Triebwerk erst gezündet werden kann, nachdem sie ausgestoßen wurde, wie etwa bei der Mittelstreckenrakete AIM-120.

Luft-Luft-Rakete mit Atomsprengkopf

Ob die neuen Su-57s die K-MD bekommen werden, ist fraglich, da man seit der Ankündigung der Rakete im Jahr 2021 nichts mehr davon gehört hat. Abgesehen von der K-MD sollten eigentlich auch die bereits früher gelieferten Su-57s die neuesten russischen Luft-Luft-Raketen abfeuern können. Mit der Izdeliye 810 gibt es für den Stealth-Fighter etwa eine eigene Variante der R-37M, die für den internen Waffenschacht der Su-57 angepasst wurde.

Die R-37M gilt als eine der mächtigsten Luft-Luft-Raketen der Welt, da sie eine Reichweite von bis zu 400 km haben soll. Dadurch kann sie als Stand-Off-Weapon genutzt werden: Ein russischer Kampfjet kann die Rakete beispielsweise auf einen ukrainischen Kampfjet abfeuern, ohne den russischen Luftraum verlassen zu müssen und ohne in Reichweite der ukrainischen Luftabwehr zu geraten.

Möglich wäre, dass die neue Su-57 angepasst wurde, um die R-37M mit nuklearem Gefechtskopf zu starten. Allerdings weiß man auch hier nicht, ob Russland den Plan einer modernen, atomaren Luft-Luft-Rakete tatsächlich umgesetzt hat oder es lediglich beim Plan geblieben ist.

➤ Mehr lesen: Russland will neue nuklearfähige Luft-Luft-Rakete einführen

Solche nuklearen Luft-Luft-Raketen gelten eigentlich als Relikte aus dem Kalten Krieg. Sie waren gedacht, um ganze Bomber-Formationen mit einer einzelnen Rakete ausschalten zu können. Russland gilt als einzige Nation, die nach dem Kalten Krieg noch an dem Konzept festhielt. So wurde im Oktober 1991 die R-33S vorgestellt – eine R-33-Luft-Luft-Rakete mit Atomsprengkopf. 2024 war diese bei einer Übung der russischen Streitkräfte zu sehen. Sie wurde an eine MiG-31 angebracht.

Sichtbare Änderungen an den neuen Su-57s

Anhand der von UAC veröffentlichten Fotos sind kleine Änderungen an den neuen Su-57s zu sehen, im Vergleich zu den Maschinen, die im November 2024 geliefert wurden. So gibt es etwa Anpassungen an der Rückseite, die vermutlich die Stealth-Eigenschaften und die Aerodynamik verbessern sollen. Außerdem wurde die Platzierung der Positionslichter angepasst.

Das 101KS-U wurde anscheinend um einen Infrarotsensor erweitert. Dieses dient dazu, anfliegende Raketen zu erkennen. Das 101KS-O-Modul richtet dann automatisch einen Infrarotstrahl auf die Rakete, um den Suchkopf zu blenden.

Noch kein neues Triebwerk

Auffällig abgängig ist weiterhin ein neues Triebwerk. Die neu gelieferten Su-57 haben immer noch das AL-41F-1 und nicht das neue AL-51F-1, das für Mitte der 2020er-Jahre angekündigt wurde. Dieses soll leistungsstärker sein und die Radarsignatur, durch eine modifizierte Düsenform, reduzieren. Der Triebwerkshersteller UEC Saturn hat Ende 2024 zudem eine 2D-Vectoring-Düse für das AL-51F-1 gezeigt.

Das AL-41F-1 hat 3D-Vectoring, kann sich also in alle Richtungen bewegen. Dadurch sind engere und agilere Flugmanöver möglich, was vor allem in Dogfights hilfreich ist.

Bei 2D-Vectoring bewegen sich die Düsen nur nach oben und unten. Das reduziert zwar die Wendigkeit, erhöht aber die Effizienz und Stealth-Eigenschaften.

Geschichte der Su-57

Wie etliche große Rüstungsprojekte Russlands in den 2000er-Jahren ist auch die Su-57 von Budgetproblemen geplagt. Ihren Ursprung hat sie schon in den 1980er-Jahren, als die Entwicklung der MiG 1.44 angeregt wurde. Im Jahr 2000 flog ein Prototyp des Stealth-Fighters, das Programm wurde aber eingestellt.

Ende 2000 wurde ein neues Programm für einen Stealth-Fighter gestartet, das schließlich in der Su-57 endete. Bei der Entwicklung war Indien finanziell beteiligt, stieg aber 2018 aus dem Projekt aus. Aktuell prüft Indien, ob man eine Exportvariante der Su-57, die Su-57E, im eigenen Land bauen kann.

Angeblich hat Algerien vor wenigen Tagen als erster internationaler Kunde die Su-57E erhalten. Zumindest wurde sie dort bei einem Flug gesichtet. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es noch nicht.

Günstigere Alternative: Die Su-75 Checkmate

Der Stückpreis einer Su-57 für die russische Luftwaffe liegt angeblich zwischen 35 und 55 Millionen US-Dollar. Damit wäre die Su-57 deutlich günstiger als eine amerikanische F-22, die bei ihrer Einführung 143 Millionen US-Dollar gekostet hat.

F-22 Stealth-Fighter von oben fotografiert, fliegt über der Wolkendecke

F-22

Gerüchten zufolge soll Algerien in etwa 140 Millionen US-Dollar pro Su-57E bezahlen. Das wäre immer noch weit weniger, als europäische Länder für den US-Stealth-Fighter F-35 zahlen: Der kommt in der Exportvariante auf über 100 bis zu über 250 Millionen US-Dollar pro Stück, je nach Kunde und je nachdem, ob Wartungs- und Serviceverträge im Paket inkludiert sind.

Russland wollte mit der Su-75 Checkmate eine günstigere Alternative zur Su-57E anbieten, ähnlich wie die USA die F-35 als günstige Ergänzung zur F-22 und als Export-Stealth-Fighter gebaut haben. Bisher gilt die Su-75 als Vaporware, weil sie mehrfach angekündigt wurde aber noch nie geflogen ist. Zuletzt wurde behauptet, dass sie Anfang 2026 ihren Erstflug haben soll.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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