Ein Mann im Anzug zeigt auf eine große Präsentationsleinwand in einem Konferenzraum.

Ein UFO-Hearing im Kapitol

© EPA / JIM LO SCALZO
Wählen Sie FUTUREZONE als bevorzugte Google-Quelle

Meinung

Atlantis und Prä-Dinosaurier: Das sind Donald Trumps UFO-Jäger

In den vergangenen Jahren gaben US-Behörden mit großem Mediengetöse Videos frei, in denen manche Leute außerirdische Raumschiffe zu erkennen glaubten, und der Hype ist wieder da.

Es klingt wie ein Witz oder wie eine Szene aus einer bitterbösen Satire: Die US-Regierung will, dass sich die Wissenschaft stärker mit UFOs beschäftigt. Forschung in den Bereichen Klimawandel, öffentliche Gesundheit oder soziale Gleichheit wird aktiv unterdrückt, aber dafür will man jetzt die Wahrheit über kleine grüne Männchen wissen, die uns auf der Erde in fliegenden Untertassen besuchen kommen.

Plötzlich sind UFOs wieder schick

Der sagenumwobene Roswell-Zwischenfall ist Jahrzehnte her, das Thema „UFOs“ schien eigentlich aus der Mode gekommen zu sein. Nur besonders hartnäckige Faktenverbiegungsakrobaten spekulierten noch über mysteriöse Besuche von Außerirdischen. Doch in den vergangenen Jahren gaben US-Behörden mit großem Mediengetöse Videos frei, in denen manche Leute außerirdische Raumschiffe zu erkennen glaubten, und der Hype ist wieder da – nur spricht man heute nicht mehr von UFOs, sondern eher von UAPs – von „unidentifizierten anomalen Phänomenen“.

Bei näherer Betrachtung ist dieses angebliche Alien-Beweismaterial enttäuschend: Fast immer lassen sich die Bilder sehr einfach erklären – durch bekannte Kamera-Artefakte, perspektivische Täuschungen, Wetterballons oder andere völlig normale irdische Phänomene. Meistens ist die Lösung so banal und offensichtlich, dass die einzig mysteriöse Frage ist: Wie um alles in der Welt kann hier jemand ein paranormales Phänomen vermuten?

Aber die US-Regierung sieht das anders. Außenminister Marco Rubio nimmt die Sache äußerst ernst: „Da fliegen Dinge über Militäreinrichtungen und Manövergebiete und wir wissen nicht, was sie sind.“ Auch Chuck Schumer von den Demokraten setzte sich dafür ein, das Thema auf die Agenda zu bringen. Und nun wurde ganz offiziell eine Kommission gegründet: Ein UAP Governance Board, in dem die Alien-Verdachtsfälle behördlich geprüft werden sollen. Für wissenschaftliche Fragen ist dabei ein UAP Science Advisory Council zuständig.

Avi Loeb: Vom Physikprofessor zum UFO-Jäger

Die Zusammensetzung dieses Science Advisory Council ist verblüffend: Geleitet wird es von Avi Loeb, einem Theoretischen Physiker der Universität Harvard. Er hat echte, ernstzunehmende wissenschaftliche Arbeit geleistet – über Kosmologie, das frühe Universum und Schwarze Löcher. Doch dann begann er, sich mit der Suche nach außerirdischer Intelligenz zu beschäftigen. Auch das wäre eigentlich ein wissenschaftlich legitimes und interessantes Forschungsgebiet.

Ein Mann im Anzug vor einem schwarzen Hintergrund

Avi Loeb

Das Problem an Avi Loeb ist nur: Er hält nun plötzlich erstaunlich vieles für außerirdische Intelligenz. 2017 wurde Oumuamua entdeckt – das erste nachgewiesene Objekt aus einem fremden Sternensystem: Wahrscheinlich ein Alien-Raumschiff, meinte dazu Avi Loeb. Fachleute, die sich tatsächlich mit Exoplaneten und möglichem Leben auf anderen Himmelskörpern beschäftigen, zerpflückten seine Argumente, aber Loebs populärwissenschaftliches Buch zum Thema verkaufte sich trotzdem ausgezeichnet.

Auch einen Meteoriten, der 2014 bei Papua-Neuguinea niederging, hält Avi Loeb für außerirdisch. Er startete eine Expedition, um dort am Meeresgrund nach Spuren zu suchen – und fand hübsche mikroskopische Kügelchen. Material aus fremden Sternensystemen, meinte Loeb. Simple Überbleibsel alter geologischer Phänomene oder gewöhnlicher Mikrometeoriten, meinen Geologen.

Eine ganz besonders schräge Theorie von Avi Loeb: Vielleicht, so meint er, stammt Alien-Technologie gar nicht von Aliens, sondern von der Erde: Es könnte doch schon vor der Zeit der Dinosaurier eine hochentwickelte technische Zivilisation auf der Erde gegeben haben, von der wir heute nichts mehr wissen. Und diese Prä-Dinosaurier könnten Raumschiffe gebaut haben, die noch heute im Sonnensystem herumkreisen und ab und zu bei uns vorbeischauen. Belege? Keine. Begeisterung unter den UFO-Fans? Riesengroß!

Und genau dieser hochphantasievolle Avi Loeb ist nun Vorsitzender des UAP Science Advisory Council. Mit dabei ist auch Garry Nolan, ein Immunologe der Universität Stanford. Er ist „hundertprozentig sicher“, dass Aliens die Erde besucht haben, sagt er. Mit seinem Fachgebiet der Immunologie hat das natürlich nichts zu tun – aber für einen Platz im UAP Science Advisory Council reicht das. Dort sitzt auch Tim Gallaudet, der ist Ozeanograph und ehemaliger US-Navy-Admiral. Für ihn ist klar: Die Aliens sind längst da. Sie fliegen nicht nur durch die Luft, sie verstecken sich auch in unseren Ozeanen. Außerdem ist er davon überzeugt, dass Atlantis real ist, und dass man es finden wird.

Ein Mann im Anzug sitzt vor einem Mikrofon in einer Anhörung und hört konzentriert zu.

Tim Gallaudet bei einem UAP-Hearing des US-Kongresses.

Wissenschaftler lassen sich politisch instrumentalisieren

Die angebliche Wissenschaftskommission ist also eine recht bunte Sammlung von wunderlichen Querköpfen, die sich in ihren eigenen Fachdisziplinen sicher recht gut auskennen, aber dann irgendwann in einen wilden UFO-Glauben abgebogen sind. Und genau die sind es jetzt, die bei der UFO-Wahrheitsfindung der Trump-Regierung für wissenschaftliche Präzision und Verlässlichkeit sorgen sollen.

Kurioserweise ist auch noch Michael Shermer mit dabei – er wurde als wichtige Figur der internationalen Skeptikerszene bekannt, die esoterische Thesen wissenschaftlich prüft und sich gegen Verschwörungstheorien einsetzt. Wird er als kritischer Geist die Kommission auf den Boden der Wissenschaftlichkeit zurückholen?

Auch das erscheint fraglich. Shermer hat in den vergangenen Jahren weniger mit wissenschaftlicher Präzision auf sich aufmerksam gemacht als mit politisch aufgeladenen Aussagen. Er agitiert gegen das, was er als „Wokeness“ bezeichnet, und macht sich bei vielen Themen zum Verbündeten in Trumps Kulturkampf. Mit UFO-Jäger Avi Loeb ist er befreundet – eher überraschend für jemanden, der sich selbst als kritischen und wissenschaftstreuen Denker sieht.

Wenn man tatsächlich an Fakten interessiert wäre, dann könnte man natürlich echte Expertinnen und Experten fragen: Leute, die sich mit Exobiologie auskennen. Leute, die gut im technischen Analysieren von Videoaufnahmen sind. Leute, die etwas von der Psychologie der Autosuggestion verstehen und erklären können, warum glaubwürdige Leute oft schrecklich falsche Augenzeugenberichte abliefern. 

Aber stattdessen versammelt man ein Gremium von Leuten, die fest an Aliens glauben und bei ihren besser qualifizierten Kolleginnen und Kollegen nur Kopfschütteln ernten. Wer so einer Kommission beitritt – so ehrlich und vernünftig die Intentionen auch sein mögen – hilft nicht der Suche nach Fakten, sondern dient als wissenschaftliches Feigenblatt für politische Spielchen. Leider gibt es auch in höchsten Wissenschaftskreisen ganz offensichtlich ausreichend viele Leute, die sich dafür benutzen lassen.

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Florian Aigner

Florian Aigner ist Physiker und Wissenschaftserklärer. Er beschäftigt sich nicht nur mit spannenden Themen der Naturwissenschaft, sondern oft auch mit Esoterik und Aberglauben, die sich so gerne als Wissenschaft tarnen. Über Wissenschaft, Blödsinn und den Unterschied zwischen diesen beiden Bereichen, schreibt er regelmäßig auf futurezone.at und in der Tageszeitung KURIER.

mehr lesen
Florian Aigner

Kommentare