© Unsplash / Firmbee
Wählen Sie FUTUREZONE als bevorzugte Google-Quelle

Digital Life

Warum mich dieses neue Chrome-Feature jahrelang an Edge kettete

Seit Jahren benutze ich Microsofts Edge-Browser. Nicht, weil er besonders toll ist. Er ist ganz ok. Der einzige Grund, warum ich ihn nutze, sind die vertikalen Tabs. Eingeführt wurden sie 2021 und waren damals ein absoluter Gamechanger für mich. Die einzelnen Tabs wanderten vom oberen Rand an die Seite, statt nebeneinander (horizontal) sind sie also untereinander (vertikal) sortiert. Vor einem Jahr hat auch Firefox die Funktion eingeführt und mit dem neuesten Chrome-Update zog auch Google endlich nach.

Bei mir wurde die Funktion mit der Chrome-Version 148.0.7778.97 verfügbar. Google hat sie in den vergangenen Wochen nach und nach verteilt. Über das 3-Punkt-Menü > "Hilfe" > "Über Google Chrome" erfährt man, welche Version man nutzt und ob sie auf dem neuesten Stand ist. Es kann also sein, dass man seinen Browser updaten muss, um vertikale Tabs nutzen zu können.

➤ Mehr lesen: Google Chrome bekommt lang ersehnte Funktion: So könnt ihr sie nutzen

Google Chrome Browser lässt jetzt auch vertikale Tabs über die Einstellungen zu

So lassen sich die vertikalen Tabs aktivieren

Aktivieren lassen sich die vertikalen Tabs sehr einfach: 

  • Rechtsklick auf die Tab-Leiste oder irgendeinen Tab
  • "Tabs vertikal anzeigen" anklicken
  • Die Leiste wechselt und lässt sich so auch wieder auf horizontale Tabs umstellen

Über die "+"-Schaltfläche öffnet man einen neuen Tab, über das Listen-Symbol mit dem Pfeil oben links lässt sich die Tab-Leiste ein- und ausklappen (dazu später mehr). 

Übersichtlich und intuitiv

Mir ist schon bewusst, dass viele das Feature für eine unwichtige Kleinigkeit halten. Manche wird der Gedanke an seitliche Tabs sogar abschrecken, schließlich ist der Mensch ein Gewohnheitstier und so eine Umstellung ist zu Beginn schwer. Ich arbeite in meinem Alltag aber immer mit sehr vielen Tabs. Wir sprechen hier nicht von 10 bis 20, sondern auch mal von 100: E-Mails, Chat, Kalender, Notizen, mehrere Google Docs, Social Media und etliche Webseiten für die Recherche von Themen sind immer parallel geöffnet. 

➤ Mehr lesen: 20 praktische Tricks für die Adresszeile in Chrome

Das wird sehr schnell sehr unübersichtlich, da irgendwann nur noch die Favicons zu sehen sind. Dann klickt man sich jedes Mal durch die ganzen Tabs, bis man das gefunden hat, das man eigentlich sucht, oder hovert über ihnen, um den Seitentext oder ein Bild der Seite zu sehen – das dauert lange und nervt. Zumindest für mich lösen vertikale Tabs dieses Problem perfekt.

Im Chrome-Browser sind zahlreiche horizontale Tabs geöffnet, die die neue Funktion zur seitlichen Tab-Anordnung demonstrieren.
Im Browserfenster sind zahlreiche vertikale Tabs am linken Rand angeordnet, während die Webseite futurezone.at im Hauptbereich geöffnet ist.

links: © Google Chrome / Screenshot

rechts: © Google Chrome / Screenshot

Auch wenn ich 100 Webseiten geöffnet habe, kann ich immer schnell erfassen, welcher Tab was beinhaltet. Statt dass es oben so voll wird, dass ich vollkommen den Überblick verliere, ist alles ordentlich untereinander sortiert - wie man es seit jeher auch von Ordnern und Dateien auf dem PC gewohnt ist. Dinge untereinander zu ordnen ist kein völlig absurdes Konzept.

➤ Mehr lesen: Warum dieser Browser 50 Euro kostet

Mehr Struktur durch Gruppen und Anpinnen

Auch Tab-Gruppen sind für mich so viel praktischer. Nutzt man sie bei horizontalen Tabs, ist nur eine kleine bunte Linie der Indikator dafür, welche Tabs jetzt in der Gruppe sind und welche nicht. Mir bringt das gar nichts, für mich ist das nicht aufgeräumt. Sind die Tabs vertikal angeordnet, lässt sich die Sortierung für mich viel besser erfassen. Die bunte Linie bleibt, verläuft aber nach unten. Viel wichtiger ist aber, dass die Tabs, die zu dieser Gruppe gehören, eingerückt sind. Ich nutze permanent Gruppen für Bürokratisches, Social Media und Messenger und die jeweiligen Recherchethemen, die ich bearbeite. Was ich nicht brauche, wird eingeklappt und so bleibt alles schön übersichtlich. 

Wenn ich eine Seite sehr oft brauche, z. B. Slack für die firmeninterne Kommunikation, meinen Kalender und mein Mailpostfach, dann pinne ich sie an. Das geht über einen Rechtsklick auf den jeweiligen Tab und "Anpinnen". Dann ist dieser Tab immer ganz oben in einem extra Bereich verfügbar, bzw. bleibt bei horizontalen Tabs immer auf der linken Seite.

Minimalistische Tab–Leiste

Jetzt will man natürlich nicht permanent am linken Rand eine riesige Spalte mit offenen Tabs kleben haben, die einen Teil des Browserfensters für sich einnimmt. So verwende ich das selbstverständlich nicht. Sowohl bei Edge als auch bei Firefox und Chrome lassen sich die vertikalen Tabs einklappen. Dann bleibt eine minimalistische Spalte übrig, die nur wenig größer als die Favicons ist und absolut nicht stört.

Ganz im Gegenteil, bleibt der Teil des Browsers, den ich die meiste Zeit nutze – der Inhalt – schön "sauber". Das heißt, ich starre nicht permanent auf die 99 anderen ungeöffneten Tabs, die über meinen Arbeitsbereich darauf lauern, endlich auch gelesen zu werden. An der Seite sind sie für mich nicht so präsent und das empfinde ich als sehr viel angenehmer.

Chrome hat noch einen (entscheidenden) Nachteil

Edge und Firefox haben dabei noch einen Vorteil gegenüber Chrome. Liegt der Mauszeiger über dem eingeklappten Bereich, wird dieser automatisch erweitert. Dann kann ich zwischen den Tabs navigieren und wenn meine Maus den Bereich wieder verlässt, klappt er automatisch wieder ein. Chrome hat diese Funktion (noch) nicht - man kann die Tabs entweder ein- oder ausklappen, aber sie bleiben starr in dieser Einstellung. Für den alltäglichen Gebrauch ist mir das ein Klick zu viel.

➤ Mehr lesen: Die besten Browser fürs Smartphone, von denen du noch nie gehört hast

Meine Obsession mit vertikalen Tabs kann ein bisschen befremdlich wirken, wenn man sich darüber noch nie Gedanken gemacht hat. Und wenn ich mal nur 5 Webseiten offen habe, dann juckt mich auch nicht, ob die horizontal oder vertikal angeordnet sind. Da ich aber täglich innerhalb kürzester Zeit die 20-Tab-Marke überschreite, musste ich mir ein System suchen, mit dem mein Arbeitsbereich übersichtlich bleibt. Im Idealfall sollte das auch funktionieren, ohne dass ich mir darüber großartig Gedanken machen muss.

Als Edge vor 5 Jahren als allererster Browser vertikalen Tabs verfügbar machte, habe ich sie einfach nur aus journalistischer Neugier ausprobiert. Ich hätte auch nicht gedacht, dass mich dieses eine, unscheinbare Feature seither unwiderruflich an den Microsoft-Browser ketten würde. Deswegen bin ich sehr dankbar, dass nach Firefox endlich auch Chrome nachgezogen hat und meine Browser-Auswahl wieder gewachsen ist.

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction. Co-Host des Podcast "Raumfahrtgeschichten".

mehr lesen
Franziska Bechtold

Kommentare