Type 88 schießt bei Balikatan auf ein Schiff.
Japan versenkt amerikanisches Schiff aus dem Zweiten Weltkrieg
Die USA, Japan und die Philippinen haben gemeinsam eine militärische Übung abgehalten. Diese fand bei der Luzonstraße statt, einer strategisch wichtigen Wasserstraße zwischen Taiwan und der philippinischen Hauptinsel Luzón.
Das Highlight dieser Übung war eine SINKEX – also das Beschießen und Versenken eines Schiffs mit scharfen Waffen. Das Ziel war ein ehemaliger Minenräumer der US Navy, das Zerstörungsmittel ein japanisches Type 88.
China nörgelt
Das sorgte prompt für Kritik von China. China wirft Japan vor, zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg eine „Offensivwaffe“ im Ausland eingesetzt zu haben. Ganz stimmt das nicht: Japan übt regelmäßig mit dem Type 88 in den USA, zuletzt im Februar 2026.
Dennoch ist China entrüstet und spricht von einem Tabubruch, da Japan nach dem Zweiten Weltkrieg versprochen habe, sein Militär nur zur Verteidigung einzusetzen. Übrigens heißt deshalb das japanische Militär JSDF: Japan Self-Defense Forces.
Dass gerade China nörgelt, das mittlerweile scheinbar im Monatstakt militärische Großübungen abhält, ist wenig überraschend. Denn wenn China seine Invasionsdrohungen gegen Taiwan wahrmacht, würden Kriegsschiffe vermutlich die Luzonstraße passieren, um Taiwan vom Osten aus anzugreifen oder direkt dort stationiert werden.
Japan und die Philippinen sind ohnehin nicht sonderlich gut auf China zu sprechen (und umgekehrt). Außerdem gelten sie als mögliche Verbündete der USA – falls diese ihre Versprechen wahr machen werden, um Taiwan bei der Abwehr der Invasion beizustehen. Die USA haben mehrere Militärbasen in Japan und auf den Philippinen.
NMESIS bei Balikatan mit dabei
Die Militärübung in den Philippinen namens Balikatan findet jährlich statt. Japan war zuletzt 2017 aktiver Teilnehmer, in den Folgejahren nur Beobachter. Bei der heurigen Ausgabe war Japan mit etwa 1.400 Mann, mehreren Schiffen und Flugzeugen vertreten.
Bevor das Schiff für die SINKEX beschossen wurde, haben die Philippinen einen simulierten Angriff mit einer C-Star Antischiffrakete durchgeführt und die USA mit dem NMESIS.
Das NMESIS wurde für die Übung von Hawaii eingeflogen. Das unbemannte Fahrzeug hat einen Starter für 2 Antischiffsraketen des Typs NSM.
Type 88
Die Ehre des scharfen Schusses hatte dann Japan mit dem Type 88. Dabei handelt es sich um einen 3-achsigen Lkw mit 6 Startrohren. Die maximale Reichweite der darin untergebrachten Antischiffsraketen ist aus Geheimhaltungsgründen nicht bekannt. Experten schätzen sie mit 150 bis 180 km ein.
Die Rakete fliegt bis zu 1.150 km/h (Mach 0,93) schnell in lediglich 5 bis 6 Metern (Sea-Skimming) über der Meeresoberfläche. Dies soll das Erfassen durch das Schiffsradar erschweren und so dem Feind weniger Zeit zum Reagieren und für Abwehrmaßnahmen geben. Der Gefechtskopf wiegt 225 kg.
Vom Abschuss bis zum Einschlag sind 6 Minuten vergangen. Laut der Japan Times befand sich das Ziel etwa 75 km von der Küste entfernt.
Eine Rakete fliegt am Schiff vorbei
In dem Video von der SINKEX ist zu sehen, dass nur eine der 2 Raketen trifft. Die Zweite fliegt am Heck vorbei. Japanische User auf X spekulieren darüber, dass die Raketen miteinander kommunizieren und die Zweite ein neues Ziel sucht, wenn die Erste getroffen hat – um nicht Munition zu verschwenden.
Eine andere Vermutung ist, dass die zweite Rakete mit einem Telemetriekopf ausgestattet war, um Daten der vor ihr fliegenden Rakete zu sammeln und zu übermitteln. Es könnte aber genauso sein, dass die zweite Rakete wirklich verfehlt hat, weil die dicke Rauch- und Trümmerwolke nach dem ersten Einschlag wie ein Täuschkörper (Chaff) gewirkt und den Radarsuchkopf der zweiten Rakete verwirrt hat.
➤ Mehr lesen: Indonesien versenkt Schiff der DDR-Marine mit Exocet-Rakete
Das Resultat war jedenfalls dasselbe: Das Schiff ist gesunken. Sogar zu schnell. Die philippinische Luftwaffe stand mit FA-50s und A-29s bereit, um das Schiff nach dem Type 88 zu beschießen. Die Flieger sollen jetzt in den nächsten Tagen nochmal Gelegenheit bekommen, auf ein Ziel im Meer zu schießen.
USS Vigilance
Das zu schnell gesunkene Schiff war ursprünglich die USS Vigilance. Der Minenräumer der Auk-Klasse hatte 1943 seinen Stapellauf und wurde im Februar 1944 in Dienst gestellt. Das Schiff hatte eine Verdrängung von 904 Tonnen und war 67 Meter lang.
USS Vigilance im Jahr 1946
© US Navy
Neben dem Beseitigen von Minen führte die Vigilance im Zweiten Weltkrieg Patrouillen- und Geleitschutzmissionen aus. Am 20. Jänner 1947 wurde sie außer Dienst gestellt und ging in den Status der Reserve über. Im August 1967 wurde die Vigilance der philippinischen Marine übergeben.
BRP Rizal und Quezon
© US Navy
Dort diente sie als BRP Quezon mit ihrem Schwesterschiff BRP Rizal, die bei der US Navy Murrelet hieß. Die beiden Schiffe wurden bei der philippinischen Marine als Rizal-Klasse geführt und waren lange Zeit deren größte Kriegsschiffe. Zuletzt wurden sie als Patrouillen-Korvette genutzt. Am 1. März 2021 wurde die Quezon außer Dienst gestellt. Bis dahin galt sie als eines der ältesten, noch aktiven Kriegsschiffe der Welt.
Kommentare