So schnüffelt LinkedIn euren Computer aus
Über LinkedIn wird viel gespottet. Vor allem der selbst beweihräuchernde Ton und die formelhafte Sprache vieler Posts stehen in der Kritik. Dabei geht beinahe unter, dass die Plattform, die seit 2016 zu Microsoft gehört, in der Vergangenheit in mehrere Datenskandale verwickelt war.
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Nun stehen neue Vorwürfe dieser Art im Raum. Fairlinked, eine aktivistische Gruppe aus Deutschland, behauptet, dass LinkedIn systematisch die Browser-Erweiterungen seiner Nutzerinnen und Nutzer erfasst und diese so ausspioniert. Außerdem sieht die Gruppe bei LinkedIn Verstöße gegen die Gatekeeper-Regelung des Digital Markets Act (DMA) der EU.
Details zu den Anschuldigungen hat die Gruppe auf browsergate.eu veröffentlicht. LinkedIn erklärt gegenüber PC Mag, dass es sich lediglich um eine Sicherheitsmaßnahme handle und keine sensiblen Daten erschlossen würden.
Browser-Erweiterungen können viel verraten
Im Bericht zeichnet Fairlinked nach, wie LinkedIn mithilfe eines Skripts überprüft, ob eine von 6.222 Chrome-Erweiterungen auf dem Computer des Nutzers oder der Nutzerin installiert ist. Dies passiere bei jeder geladenen Seite, ohne dass man davon etwas merke.
Auf der Liste der abgeglichenen Erweiterungen befinden sich Werkzeuge zur Jobsuche und für Sales, sowie LinkedIn-spezifische Tools von Drittanbietern, die Nutzerinnen und Nutzern helfen sollen, die Plattform besser nutzen zu können. VPNs, Adblocker und Sicherheitstools werden von LinkedIn demnach ebenfalls erfasst. Außerdem identifizierte Fairlinked Erweiterungen, die Aufschluss zu religiösen und politischen Einstellungen sowie möglichen Behinderungen geben.
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Überwachung der Konkurrenz?
Nur eingeloggte User können LinkedIn nutzen, viele davon lassen sich zusätzlich mit ihren Ausweisdokumenten verifizieren. „Das bedeutet, dass LinkedIn nicht nur weiß, dass jemand eine religiöse Browser-Erweiterung installiert hat. Es kennt auch den Namen dieser Person, ihren Arbeitgeber, ihre Berufsbezeichnung, ihre Abteilung, ihren Standort und ihr berufliches Netzwerk“, kritisiert Fairlinked.
Die Gruppe unterstreicht, dass LinkedIn diese Tools nicht nur Individuen zuordnen kann, sondern auch den Institutionen, für die sie tätig sind. „Für die Konkurrenten von LinkedIn auf dem Markt für Sales Intelligence handelt es sich hierbei um ein Überwachungssystem, das genau ermittelt, welche Kunden Produkte der Konkurrenz prüfen“, kritisiert Fairlinked, das kommerziellen LinkedIn-Nutzern und Firmen, die solche Konkurrenztools anbietet, nahesteht.
Digital Markets Act der EU
Laut Fairlinked habe LinkedIn im Jahr 2017 die Browser lediglich auf 38 Erweiterungen geprüft. Im Frühjahr 2025 waren es schon rund 1.000, gegen Ende des Jahres mehr als 5.000.
Fairlinked sieht einen Zusammenhang zwischen dieser Ausweitung und der Entscheidung der EU, Microsoft als Gatekeeper im Sinne des DMA zu klassifizieren: „Das DMA verpflichtet LinkedIn dazu, die Interoperabilität von Drittanbieter-Tools mit seiner Plattform zu ermöglichen. Die Reaktion von LinkedIn bestand nicht darin, sich zu öffnen, sondern darin, die Überwachung genau jener Tools massiv auszuweiten, die durch die Verordnung geschützt werden sollten“, schreibt Fairlinked im Bericht.
Gerichtsverfahren
Teamfluence Signal Systems OÜ, eine estnische Firma, die mit Fairlinked zusammenhängt, hat beim Landgericht München I eine einstweilige Verfügung gegen Linkedin Irland und LinkedIn Deutschland beantragt. Das Unternehmen, das die Browser-Erweiterung Teamfluence vertreibt, wollte erwirken, dass die Plattform die Einschränkung seiner Unternehmensseite bzw. Accounts zurücknimmt.
Das Gericht wies den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zurück, wie aus Akten hervorgeht, in die die futurezone Einblick erhalten hat. Die demnach gesperrte Unternehmensseite von Teamfluence ist auf LinkedIn weiterhin nicht erreichbar. Laut LinkedIn versuche das Unternehmen wegen der Niederlage vor Gericht nun im „Gericht der öffentlichen Meinung“ zu gewinnen, heißt es bei PCMag.
LinkedIn verweist auf Sicherheit und Privatsphäre
LinkedIn weist die Vorwürfe von Fairlinked zurück und erklärt, dass es sich bei dem Skript lediglich um eine Sicherheitsmaßnahme im Sinne der Privatsphäre und Stabilität der Webseite handle. „Wir suchen nach Erweiterungen, die ohne Zustimmung der Mitglieder Daten auslesen oder auf andere Weise gegen die Nutzungsbedingungen von LinkedIn verstoßen“, wird das Unternehmen bei PCMag zitiert. LinkedIn merkt außerdem an, dass es den Account eines Mitglieds der Fairlinked-Gruppe in der Vergangenheit wegen unerlaubten Web-Scrapings suspendiert hat.
Die Daten über installierte Browser-Erweiterungen würden nicht genutzt, um daraus sensible Informationen über Nutzerinnen und Nutzer zu schließen, betont die Plattform. In der Datenschutzerklärung wird dieses Vorgehen allerdings nirgendwo erwähnt.
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