Mehrere Wiesel Panzer fahren in einer Reihe auf einer Straße

Wiesel 1 bei einer Übung.

© US Army
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Militärtechnik

Bundeswehr wirft zum Abschied Wiesel-Panzer aus dem Flugzeug

Nicht nur Soldaten können per Fallschirm abgesetzt werden, sondern auch Fahrzeuge. Mehrere Armeen haben Systeme, um per Airdrop Autos, Boote und sogar leichte gepanzerte Fahrzeuge schnell ins Einsatzgebiet zu bringen.

Die Bundeswehr hat diese Fähigkeit nicht – bis jetzt. Das deutsche Heer erprobt gerade Airdrops von Fahrzeugen. Als Versuchskaninchen dient ausgerechnet der Wiesel, der in seiner ursprünglichen Konzeption genau dafür vorgesehen war.

Wiesel wird aus Airbus geworfen

In dem Video wird das britische Luftabsetzsystem ATAX genutzt. Der Wiesel kommt in den „Käfig“. Der wird über die Laderampe einer Airbus A400M Transportmaschine im Flug rausgeschoben. 3 Fallschirme und Airbags unter dem Käfig sollen für eine sanfte Landung sorgen.

Ist dies passiert, schnallen Soldaten den Wiesel ab. Danach können sie ihn sofort aus dem Käfig fahren. Spezielle Vorbereitungen, etwa das separate Abwerfen von Treibstoff oder Munition, sind nicht nötig: Der Mini-Panzer ist sofort einsatzbereit. Die Bundeswehr strebt an, dass der Wiesel und andere Fahrzeuge per Airdrop künftig innerhalb eines 200-Meter-Radius des Zielgebiets landen.

Wiesel lernt doch noch fliegen

Dass die Versuche mit dem Wiesel ausgeführt werden, ist aus 2 Gründen spannend: Erstens, weil er ursprünglich dafür vorgesehen war aber nie „fliegen lernte“ und zweitens, weil er bald in Pension geschickt werden soll.

Die Geschichte des Wiesels reicht bis ins Jahr 1969 zurück. Die Bundeswehr suchte damals ein Konzept, um Kraka zu ersetzen, ein Quad für Luftlandetruppen.

Porsche untersuchte 1970, wie ein solches gepanzertes Fahrzeug umsetzbar sein könnte. Daraus ergab sich ein Anforderungskatalog. Der sah unter anderem ein Maximalgewicht von 6 Tonnen vor, den Lufttransport im Hubschrauber CH-53G und die Absetzbarkeit per Fallschirm.

Obwohl schon Truppenversuche liefen, wurde das Projekt 1979 aus Kostengründen eingestellt. Im Juni 1981 wurde es aber wieder aufgenommen, wieder mit der Begründung, dass Kraka abgelöst werden muss. 1983 wurden die Anforderungen an das Fahrzeug neu definiert. Das Abwerfen per Fallschirm war nicht mehr vorgesehen, nur noch der Lufttransport im Hubschrauber und darunter angehängt.

Ein Wiesel-Panzer verlässt einen CH-53G-Hubschrauber der Bundeswehr im Waldgelände.

Wiesel wird aus einem CH-53G ausgeladen.

Flinker Mini-Panzer

Das Resultat war der Mini-Panzer Wiesel. Er ist gut 3,5 Meter lang, 1,82 Meter breit und wiegt 3,30 Tonnen. Zum Vergleich: Der seit 1978 gebaute Kampfpanzer Leopard 2 wiegt, je nach Ausführung, zwischen 55 und 69 Tonnen, ist bis zu 11 Meter lang und beinahe 4 Meter breit.

Offiziell wird der Wiesel 1 als Waffenträger bezeichnet – er ist also als fahrbare Kanone bzw. Panzerabwehr gedacht. Wird er zusammen mit Luftlandetruppen abgesetzt, kann er so deren Kampfkraft steigern. Neben seiner Rolle zur Unterstützung von Infanterie, wurde er später auch als Konvoibegleitung genutzt. Dabei hilft, dass er bis zu 80 km/h schnell auf der Straße fahren kann. Im Gelände sind bis zu 50 km/h möglich.

Der Wiesel hat 3 Mann Besatzung. Übernimmt der Kommandant gleichzeitig die Rolle des Schützen, reichen 2. Von 1990 bis 1992 wurden 343 Wiesel an die Bundeswehr geliefert. 210 waren mit TOW bewaffnet, 133 mit MK 20.

Wiesel zur Panzerabwehr

Die TOW ist eine gelenkte Panzerabwehrrakete. Die Reichweite beträgt etwa 3,75 km. Die Rakete steuert das Ziel an, das der Schütze bis zum Einschlag anvisiert. Die benötigten Daten werden per Kabel vom Panzer zur Rakete übertragen.

Zum Abfeuern muss der Schütze des Wiesels die TOW durch die offene Luke bedienen. Im Wiesel ist Platz für 5 TOW-Raketen, an der Heckwand kann eine weitere transportiert werden. Ist das Rohr schon geladen, hat der Wiesel insgesamt 7 Schuss zur Verfügung.

Als Zweitbewaffnung hat der Wiesel später das Maschinengewehr MG3 erhalten. Die Lafette dafür befindet sich rechts neben dem TOW. In der Standardausführung heißt der Mini-Panzer Wiesel 1 TOW, mit MG3 ist es der Wiesel 1 A1 TOW und später A2 TOW.

Wiesel zur Feuerunterstützung

Mit der Maschinenkanone MK 20 gibt es den Mini-Panzer in der Ausführung Wiesel 1 A0 MK bis A5 MK. Die Kanone hat das Kaliber 20 mm. Die Feuerrate beträgt bis zu 1.000 Schuss pro Minute, die effektive Reichweite 1,5 km.

Außen an der Kanone sind 2 Munitionskästen: 60 Schuss panzerbrechende Munition links und 100 Schuss Sprengmunition rechts. Ein Doppelzuführer ermöglicht das schnelle Wechseln der Munition. Die Kanone ist auf einem drehbaren Mini-Turm montiert und wird aus dem Innenraum des Wiesels bedient.

Wiesel 2

Noch in den 1990er-Jahren wurde der Wiesel 2 entwickelt. Dieser ist bis zu 4,78 Meter lang, 2,17 Meter hoch und wiegt bis zu 4,78 Tonnen. Dadurch wird das Innenraumvolumen nahezu verdoppelt. Weil er länger ist, passt aber nur noch ein Stück in den Transporthubschrauber CH-53G.

Ab 2001 zog der Mini-Panzer bei der Bundeswehr ein, etwa als Wiesel 2 Ozelot. Dabei handelt es sich um ein Kurzdistanz-Flugabwehrsystem. Er hat einen drehbaren Turm und 4 Starter für Stinger-Raketen mit einer Reichweite von 6 km. Teil der Luftabwehrbatterie sind noch Wiesel 2 in den Varianten AFF mit 3D-Radar und BF/UF als Kommandofahrzeug.

Weitere Wiesel 2 wurden u.a. als Sanitätsfahrzeug, Pionierfahrzeug (mit Schlauchboot im Gepäck) und mit 120-mm-Mörser angeschafft. Die Bewaffnung mit TOW und Maschinenkanone blieb dem Wiesel 1 vorbehalten.

2019 ließ die Bundeswehr 181 Wiesel 1 überarbeiten, um sie weiterhin einsatzfähig zu halten. 60 davon sind Wiesel 1 TOW, die eine neue Bewaffnung bekommen und dadurch zu Wiesel 1 MELLS wurden. MELLS nutzt die israelische Panzerabwehrrakete Spike LR.

Nachfolge

Trotz der lebenserhaltenden Maßnahmen sind die Tage von Wiesel gezählt. Am 17. April 2025 hat das Jägerbataillon 1 den symbolisch letzten Schuss mit einem Wiesel 1 MK abgegeben. Das ist gleichzeitig der Startschuss zur Ausmusterung.

Wenn alles nach Plan läuft, soll die Maschinenkanonen-Variante noch heuer vollständig außer Dienst gestellt werden. Bis Ende 2030 sollen alle Wiesel 1 in Pension geschickt werden. Die Wiesel 2 sollen zumindest teilweise länger im Einsatz bleiben. Besonders die Sani-Version wird bei der Bundeswehr hochgeschätzt, weil sie die Rettung und den Abtransport von Verletzten in schwierigem Gelände ermöglicht.

Bei einigen Truppenteilen soll der Wiesel durch den Radpanzer GTK Boxer ersetzt werden, der mit einer 30-mm-Maschinenkanone und MELLS ausgestattet wird. Für den Transport per Hubschrauber ist der aber zu groß und für einen Airdrop, mit aktuellen Systemen, zu schwer.

Deshalb war geplant, dass die Luftlandetruppen mit LuWa (luftbeweglicher Waffenträger) einen neuen Mini-Panzer bekommen. Das Projekt wurde aber wegen zu hoher Kosten Ende 2024 abgebrochen. Denkbar ist, dass stattdessen mehr Stück des Caracal gekauft werden, der bereits in Zulauf ist.

Der Geländewagen auf Basis des Mercedes G ist speziell für Luftlandungen gedacht: 2 Stück passen in die Hubschrauber CH-47F und CH-53K. Sie können bei Bedarf mit MELLS, einem Maschinengewehr oder Granatwerfer bewaffnet werden. Eine Maschinenkanone ist aber derzeit nicht vorgesehen und die offene Bauweise widerspricht der ursprünglichen Idee von Wiesel, ein gepanzertes Fahrzeug zu haben.

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