Scott Pilgrim EX
Scott Pilgrim EX im Test: Das hätte auch ein DLC sein können
Als 2010 Scott Pilgrim vs. the World: The Game erschienen ist, war das nicht nur für Fans des Comics eine kleine Offenbarung. Die Retro-Pixeloptik gepaart mit einem durchdachten Gameplay sorgte für begeisterte Spieler und dafür, dass Sidescrolling Beat-em-Ups wieder salonfähig wurden.
Die Hoffnung war also groß, als Scott Pilgrim EX (PS4/5, Xbox Series, Switch 1/2, PC) angekündigt wurde. Der erwartete Mega-Hit ist es leider nicht geworden.
Voller Anspielungen
Die Handlung knüpft an der animierten Netflix-Serie Scott Pilgrim Takes Off (2023) an. Hat man die nicht gesehen (oder schon wieder vergessen), kommt der Plot und einige der Charaktere als unverhofft daher. Selbst mit dem Vorwissen sind Handlung und Story unsauber.
Denn der Plot existiert eigentlich nur, damit Zeitreisen und alternative Realitäten erklärt werden. Und die gibt es wiederum nur, damit die vielen Anspielungen auf andere Games einen Sinn machen. Die sind dafür aber angenehm umgesetzt – mal sehr in your face, mal etwas dezenter. Erfahrene Gamer (aka ältere) werden deshalb mehr Spaß an dem Nostalgie-Trip haben als jüngere.
Scott Pilgrim EX
© Tribute Games
Je mehr Spieler, desto besser
Das Gameplay ist solide. Von Beginn an stehen 7 Charaktere zur Auswahl, die sich stark genug voneinander unterscheiden, dass man alle mal ausprobiert, um den Lieblingskämpfer zu finden. Weil Scotts Bandmitglieder entführt wurden, helfen Ramonas Exes aus – passend zum Namen des Spiels.
Auffällig ist, wie wichtig bei diesem Game das Aufsammeln und Einsetzen von Waffen ist, verglichen mit dem Vorgänger-Spiel. Da die Gegner diese ebenfalls verwenden, kommt es immer wieder zu Chaos. Setzt man dann auch noch die Spezialangriffe ein, die teils bildschirmfüllend sind, gibt das diesen angenehmen Stress-Wusel-Adrenalinkick.
Und je mehr Spieler daran beteiligt sind, desto besser: Bis zu 4 Spieler können zusammen auf der Couch oder online miteinander die Gegner verkloppen. Da es auch einen niedrigen Schwierigkeitsgrad gibt, können sich Gelegenheitsspieler und Lebenspartner an der Prügelei beteiligen. Wer bevorzugt solo zockt, wird hingegen nicht so viel Freude mit Scott Pilgrim EX haben.
Scott Pilgrim EX
© Tribute Games
Kurzes Vergnügen
Nicht so gelungen ist das Item- und Upgradesystem. Gefühlt hat es kaum Auswirkungen auf das Gameplay. Daher fragt man sich beim Spielen oft, ob es denn jetzt überhaupt nötig war, das zu implementieren und sich als Spieler damit zu beschäftigen.
Das sprichwörtliche Kraut macht die darin investierte Zeit nämlich auch nicht fett: Nach gut 4 bis 5 Stunden ist man durch. Danach gibt es nicht mehr viel zu machen, außer vielleicht noch die letzte versperrte Tür zu öffnen, die man übersehen hat. Entweder kommen da einfach Gegner raus, die nachher ein Item droppen, oder es ist ein Mini-Game, das nach ein bis zwei Minuten erledigt ist.
Da bleibt nur: Nochmal mit einem anderen Charakter durchspielen oder sich an den nächsthöheren Schwierigkeitsgrad wagen. Außerdem taugt Scott Pilgrim EX, wenn man mal Freunde zu Besuch hat und den Abend zockend verbringen will, statt einen Film anzuschauen.
Scott Pilgrim EX
© Tribute Games
Fazit
Scott Pilgrim EX fühlt sich so an, als hätte es ein DLC vom ersten Spiel sein können. Schuld daran sind die kurze Spielzeit und die Handlung, die irgendwie zusammengeschustert wurde, um eine Scott-Pilgrim-Version von Turtles in Time zu machen.
Rein aus dieser Perspektive ist es schwer, die 29 Euro Kaufpreis zu rechtfertigen. Da gibt es aber noch eine andere Komponente: Es ist ein Liebhaberding. Die 29 Euro zahle ich gerne als Dankeschön an das Entwicklerstudio Tribute Games. Das wurde 2011 von ehemaligen Ubisoft-Mitarbeitern gegründet, die zuvor an Scott Pilgrim vs. the World: The Game gearbeitet haben. Übrigens: Tribute Games ist auch verantwortlich für die Retro-Beat-em-Ups TMNT: Shredder’s Revenge und Marvel Cosmic Invasion.
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