Zwei gezeichnete Figuren mit schmutzigen Gesichtern blicken angespannt in die gleiche Richtung.

Leon und Grace

© Screenshot / Capcom
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Games

Resident Evil Requiem im Test: Nostalgie trifft Schizophrenie

Treffen der Generation: Der alte Hase Leon und die zukünftige Zombiejägerin Grace.

Resident Evil: Nemesis. Das Polizeihauptquartier. Leon. Chris, der mit Faustschlägen einen Felsen bearbeitet.

Wer die Games der Horrorspiel-Reihe kennt, die seit 1996 erscheinen, verbindet meist ganz bestimmte Erinnerungen damit. Darunter will Capcom, der Entwickler der Spieleserie, jetzt einen Schlussstrich ziehen. Resident Evil Requiem (PS5, Xbox Series, Switch 2, PC, ab 70 Euro bei Amazon) soll als 9. Teil die Brücke zur nächsten Generation schlagen. Capcom nennt es eine Fackelübergabe von der alten Garde zu den zukünftigen Zombiejägern.

Die Neue ist Grace Ashcroft, der alte Hase ist Leon S. Kennedy – vermutlich der meistgeliebte Charakter der ganzen Resident-Evil-Reihe. Dass das Spiel auf diese 2 Charaktere aufgeteilt wird, die die Handlung aus 2 verschiedenen Perspektiven erleben, dient nicht primär um die Handlung voranzutreiben. Capcom will damit zeigen, dass es mittlerweile beide Arten des Survival-Horror-Spielgenres beherrscht: Gruselig und blutige Action.

Gruseln mit Grace

Grace ist für den gruseligen Teil zuständig. Aus der Ich-Perspektive (kann bei Bedarf umgeschaltet werden) wird eine unheimliche Umgebung erkundet, die nicht zufällig wie eine Mischung aus dem Anwesen aus dem allerersten Resident Evil und einem Krankenhaus aussieht. Die Munition ist immer knapp, im Nahkampf ist man den herumschlurfenden Zombies hoffnungslos unterlegen und beim Schleichen gibt es Gänsehaut-Momente und Adrenalin-Schub gleichzeitig.

Mit Leon schaut das anders aus. Hier rattert die Kettensäge, kracht die Schrotflinte und zerfetzt die Handgranate die Untoten in Einzelteile. Beide Elemente, Grusel und Action, hat Capcom über die Jahre perfektioniert.

Ein Zombie im Schein einer Taschenlampe

Grace zielt auf einen Zombie

Zombies killen als Comic Relief

Das Problem ist, dass sie nicht so richtig zusammenpassen. Bei Resident Evil Village (Teil 8) gab es nur einen spielbaren Charakter und trotzdem konnten beide Komponenten vereint werden.

➤ Mehr lesen: Resident Evil Village im Spieletest: Die gute Art von Déjà-vu

Bei Requiem werden die Action-Teile in der ersten Spielhälfte wie ein „Comic Relief“ eingesetzt, also das Stilmittel in einem Film, bei dem mit Sarkasmus oder Galgenhumor den Zuschauern ein kurzes Schmunzeln entlockt wird, um die Spannung aufzulockern. Nur zu Lachen gibt es bei Requiem nichts: Die „Erleichterung“ kommt daher, dass man von der Gejagten (Grace) zum Zombie-Jäger (Leon) wechselt.

30 Jahre Resident Evil

Bio Hazard ist 1996 für die PlayStation erschienen. Für die USA und Europa wurde der Name auf Resident Evil geändert, da es nicht möglich gewesen wäre, sich die Markenrechte für Bio Hazard zu sichern.

Mit den Ablegern und Spin-Offs gibt es über 25 Resident-Evil-Spiele. Insgesamt wurden weltweit über 183 Millionen Stück verkauft. Das ist zwar nur Platz 12 auf der Liste der erfolgreichsten Spieleserien, aber die einzige Horror-Reihe in den Top 50.

Durch die Filme mit Milla Jovovich, die ab 2002 erschienen sind, wurde Resident Evil auch abseits der Gamingbranche bekannt. Weiters gibt es Animationsfilme, Bücher, Comics und eine Netflix-Serie.

Viel Nostalgie, wenig Frisches

Im späteren Spielverlauf stabilisiert sich das, weil Leon mehr Zeit am Stück bekommt – fast schon zu viel Zeit. Hat man nach etwa 10 Stunden (je nach Schwierigkeitsgrad und wie gründlich man die Umgebungen durchsucht) das Ende erreicht, fühlt es sich an, als hätte man 2 halbe Games statt eines Ganzen gespielt. Dazu kommt noch, dass die Nostalgiekeule mit brutaler Härte und Frequenz geschwungen wird. Das fanden wohl auch die Spielentwickler lustig: Als in kurzer Folge der 4., aus der Vergangenheit bekannte, Gegnertyp auftaucht, sagt Leon: „Ernsthaft?

Frisch fühlt sich Requiem deshalb nicht an. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Gameplay-Elemente, bis hin zu ganzen Level-Abschnitten, eine Hommage an frühere Resident-Evil-Spiele und manchmal hart an der Grenze zum Recycling. Schon bei Teil 8 hatte man das ein oder andere Déjà-vu, mit Requiem schrammt Capcom nur ganz knapp vorbei, den Titel auch „Resident Evil: Best-Of“ nennen zu können.

Auf einer dunklen Straßen laufe Menschen vor Zombies weg

Einer der wenigen Leon-Momente, der sich frisch anfühlt und in Erinnerung bleibt: Zombie-Ausbruch in den Straßen

Fazit

Requiem zeigt beeindruckend, wie sich die Resident-Evil-Spielereihe in 30 Jahren weiterentwickelt hat. Capcom hat das Gameplay des Survival-Horror-Genres nahezu perfektioniert. Aber so wie die 2 Subsparten, Grusel und Action, getrennt wurden, wirkt es wie Schizophrenie: Es ist nicht ein 2-in-1-Spiel, sondern 2 halbe Games zum Preis von einem.

Es wird kaum jemanden geben, der nicht Freude mit Requiem haben wird. Aber als Resi-Fan wundert man sich nach dem Durchspielen, ob Capcom hier nicht mutiger hätte sein können, um die nächsten 30 Jahre der Spielereihe einzuläuten. Mit so viel Nostalgie die Gunst der Stammkundschaft zu sichern, wirkt etwas feige.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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