US Customs and Border Protection

US-Grenzbeamte haben weitreichende Befugnisse (Symbolbild)

© Getty / NurPhoto
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Digital Life

Handy-PIN könnte Mann ins Gefängnis bringen

Es gibt wenig anderes, das so schnell so viel über eine Person verrät, wie ihr entsperrtes Smartphone: Messenger-Apps mit privaten Chats, berufliche E-Mails, möglicherweise intime oder anderweitig verräterische Fotos. Politische Aktivisten und Journalisten müssen zusätzlich bedenken, dass ihre gespeicherten Kontakte in die falschen Hände geraten könnten, wenn jemand Zugriff auf ihr Handy bekommt.

Für Menschen, die sich diesbezüglich Sorgen machen, wurde das Open-Source-Betriebssystem GrapheneOS entwickelt. Es hat mit der sogenannten Duress PIN eine Funktion, die unauffällig sämtliche Daten vom Gerät löschen kann, um zu verhindern, dass jemand unberechtigtes Zugriff darauf bekommt. Doch genau diese Funktion könnte im US-Bundesstaat Georgia nun einen Mann wegen der Vernichtung von Beschlagnahmegut hinter Gitter bringen, wie der Guardian berichtet.

Umweltaktivist bei der Einreise aufgehalten

Samuel Tunick wurde im Jänner 2025 nach einer Urlaubsreise in die dominikanische Republik bei der Ankunft am Flughafen in Atlanta aufgehalten. Er war zuvor in Proteste gegen „Cop City“ – ein 35 Hektar großes Polizeitrainingsgelände im Südosten der Stadt – involviert gewesen. Die Polizei war brutal gegen die monatelangen Demonstrationen von Umweltschutz- und Antirassismus-Aktivisten vorgegangen und erschoss bei der Räumung eines Protestcamps im Jänner 2023 sogar einen Demonstranten.

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Tunick landete wegen seiner Beteiligung am Protest auf einer Liste des US-Heimatschutzministeriums zu „mutmaßlich terroristischen Aktivitäten“, weshalb ihn Grenzbeamte bei der Einreise für eine „Nachprüfung“ in einen Befragungsraum führten. Dort wurde er wiederholt zu Darstellungen von Kindesmissbrauch befragt – laut seiner Verteidigung ein bloßer Vorwand, um Zugriff auf sein Smartphone zu bekommen und seine Verbindungen zu den Cop-City-Demonstrationen zu prüfen.

Duress PIN auf GrapheneOS

Beim Gerichtsprozess vergangene Woche erklärten die Grenzbeamten, lediglich ganz allgemein nach Verbotenem gesucht zu haben. Sie hätten Tunick mehrmals aufgefordert, sein Handy zu entsperren und ihm gedroht, es zu beschlagnahmen, wenn er nicht Folge leistete.

Laut eigener Aussage fragte Tunick mehrmals nach einem Anwalt, was ihm verweigert wurde. Er lenkte schließlich ein und gab den Beamten eine PIN für sein Smartphone. Allerdings handelte es sich dabei nicht um den Code zum Entsperren des Geräts, sondern um die Duress PIN von GrapheneOS. Als ein Beamter diese eintippte, „wurde der Bildschirm schwarz, blinkte mehrmals und das Handy schien neu zu starten“, wie er vor Gericht zu Protokoll gab.

Bürgerrechtsorganisationen schlagen Alarm

Es sei wohl das erste Mal, dass das betreffende Gesetz zur Zerstörung von Gegenständen, die zur Beschlagnahmung bestimmt sind, auf ein elektronisches Gerät angewandt wird, meint Überwachungsexperte Christophe Boutry. Er erklärt gegenüber dem Guardian, dass der Fall bedenklich sei – er vermittle, dass GrapheneOS von Haus aus kriminell sei. Dabei sei das Hauptziel des Betriebssystems, die Privatsphäre zu wahren. Boutry hatte sich in seinem Heimatland Frankreich, das GrapheneOS als Werkzeug für Kriminelle einstufte, bereits deutlich zu Gunsten der Software ausgesprochen.

„Wir alle haben ein Recht, unsere Daten vor verfassungswidrigen Durchsuchungen zu schützen. Und das sollten wir auch tun – insbesondere in einer Zeit von zunehmenden Autoritarismus“, wird Marlon Kautz von der NGO Atlanta Solidarity Fund im Guardian zitiert. Tunicks Anwältin hat beim Gericht darum angesucht, dass Beweise von seinem Smartphone – bzw. das Fehlen derselben – vom Prozess ausgeschlossen werden. Mit einem Urteil dazu ist jedoch frühestens im Oktober zu rechnen.

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Inzwischen erfährt GrapheneOS ungeahnte Medienaufmerksamkeit. Die Privatsphäre-Features des quelloffenen Betriebssystems, das allerdings nur für Pixel-Handys verfügbar ist, dürften nun größere Bekanntheit erlangen.

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