Der grüne Saurier Yoshi geht auf der Wiese spazieren

Yoshi and the Mysterious Book

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Stöbern im Bilderbuch: Yoshi and the Mysterious Book im Test

Yoshi auf Entdeckungstour: Der Löwenzahn mit Gesicht "flauschisiert" andere Kreaturen.

Hin und wieder darf auch der größte Underdog des Nintendo-Universums ein eigenes Spiel haben. In Yoshi and the Mysterious Book (Switch 2, 65 Euro bei Amazon) wird der Dinosaurier zum Forscher – in einem sprechenden Buch.

Dazu wird erst das Kapitel ausgewählt. Dieses steht für die Umgebung, in der man die Flora und Fauna erforscht, wie etwa eine Insel, ein Tal oder den Dschungel. Dort wählt man dann die Kreatur aus, um sie in ihrem Habitat zu besuchen, was den einzelnen Levels entspricht.

„Schmeckt so, wie frisches Sommergras riecht“

Yoshi ist ein Hands-on-Forscher, wenn es darum geht, mehr über das jeweilige Wesen herauszufinden. Still und leise beobachten ist nicht: Zuerst wird es mal gefressen, um den Geschmack zu bestimmen. Das ist zwar fürs Spiel nicht relevant, aber ein netter Gag. „Luftig, aber trocken“ gibt es da etwa bei einer Kreatur, die an einen Gleitschirm erinnert oder „Schmeckt so, wie frisches Sommergras riecht“ bei einem pflanzenähnlichen Wesen.

Yoshi steht in der Wüste, nachdem er eine süße Pflanze gefressen hat

Yoshi and the Mysterious Book

Dann schaut man, was passiert, wenn man das Wesen mit Eiern bewirft, drauf springt oder es am Rücken mitnimmt und durch die Gegend wirft. Besonders artgerecht oder tier- und pflanzenlieb ist das nicht: Es wird wohl nicht lange dauern, bis PETA ein Protestschreiben an Nintendo richtet.

Im Spiel sieht das natürlich alles niedlich und kindgerecht aus. Farbgebung und Stil sollen dabei an Zeichnungen auf Buchseiten erinnern, ähnlich wie Forscher im 18. und 19. Jahrhundert ihre Beobachtungen skizziert und gemalt haben.

Der grüne Saurier Yoshi steht auf einer großen grünen Kreatur, die im Wald am Boden liegt

Nicht alle Kreaturen, die Yoshi trifft, haben auch Yoshi-Größe.

Viel Abwechslung

Einige der Kreaturen kennt man aus den Mario-Spielen, andere hat man vielleicht noch nicht zu Gesicht bekommen. Ihre individuellen Eigenschaften bestimmen den Spielstil im jeweiligen Level und sorgen so dafür, dass es viel Abwechslung gibt. So wird Yoshi etwa zum Surfer, erkundet ein Level per Paragleiter, fischt, versucht sich als Sprengmeister oder schwingt wie Spider-Man von Baum zu Baum.

Einen wirklichen Schwierigkeitsgrad gibt es dabei nicht. Hier geht es ums Entdecken und Experimentieren, im Stil von: Was kann ich mit der Kreatur noch machen und wie hilft mir das, von Punkt A zu Punkt B zu kommen?

Fällt man doch mal in eine Schlucht, taucht man einfach ein paar Meter vor der Absturzstelle wieder auf. Selbst bei Boss-Kämpfen geht es hauptsächlich darum, Spaß zu haben. Statt ums Überleben zu kämpfen, gilt es lediglich herauszufinden, wie man gewinnt und was man dabei noch so alles mit der Kreatur anstellen kann, die einem dabei hilft.

Spielzeit

Es gibt nur ganz wenige Passagen, in denen man etwas Jump-and-Run-mäßig gefordert wird und noch weniger, in denen es de facto ein Zeitlimit gibt. Und weil das Fortschrittssystem zur Freischaltung der nächsten Kapitel generös ist, könnte man sogar Passagen getrost auslassen.

Grüner Saurier hält sich an einem Vogel fest, der wie ein Schirm aussieht und fliegt damit durch Regenwetter

Yoshi and the Mysterious Book

Dadurch ist die Zeit zum Durchspielen sehr verschieden, je nachdem, wie man sich in die einzelnen Levels hineintigert, um wirklich alles zu finden, oder nur im Schnelldurchlauf ans Ende kommen will. Zwischen unter 10 bis über 20 Stunden ist alles möglich.

Motiviert zum Durchhetzen, wie in klassischen Mario-Jump-and-Runs, wird man jedenfalls nicht. Die 2D-Level strecken sich oft in der vertikale Ebene und selbst, wenn man die offensichtliche Hauptroute wählt, sieht man immer Hinweise auf versteckte Orte und zu lösende Rätsel, was zum Erkunden einlädt. Und weil die Levels und die darin zu machenden Kreatur-Entdeckungen „Snack-sized“ sind, eignet sich Yoshi and the Mysterious Book auch sehr gut zum Spielen unterwegs.

Grüner Saurier hat eine Kreatur am Rücken, die im klaren Wasser angelt

Tauchen kann Yoshi nicht, aber mit der angelnden Kreatur lassen sich Dinge aus dem Wasser ziehen.

Fazit

Wer den Adrenalinkick sucht oder Spielspaß durch das Bestehen von kniffligen Levels und frustrierenden Passagen definiert, wird mit Yoshis Abenteuer nur wenig anfangen können. Denn Yoshi and the Mysterious Book ist ein gelungenes Gute-Laune-Game.

Es wirkt wie eine Feelgood-Variante von LittleBigPlanet: Entdecken und Physikrätsel lösen, aber ohne Stress und ohne Druck. Wenn jetzt noch der Preis etwas sinkt, wäre Mysterious Book ein schöner Titel für den Sommerurlaub. Zum Vollpreis mangelt es etwas an Substanz.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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