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Netzpolitik
02/11/2019

Russland schaltet testweise Internetzugang ab

Um sich künftig besser abschotten zu können, will Russland testen, wie gut man ohne den Rest des Internets funktioniert.

Russland soll im Rahmen eines Experiments kurzzeitig vollständig vom Internet getrennt werden. Das berichtet die russische Nachrichtenagentur RosBiznesKonsalting (RBK). Demnach wolle man damit „Erkenntnisse gewinnen und Feedback zu einem geplanten Gesetz liefern“. Dieses sieht unter anderem vor, dass russische Internetanbieter im Fall eines feindlichen Angriffes „die Unversehrtheit des russischen Internet-Raumes“ gewährleisten und sich vom restlichen Internet abkoppeln müssen.

Zudem müssten alle russischen Telekom-Konzerne ihren Traffic an Knotenpunkte weiterleiten, die von der russischen Regulierungsbehörde Roskomnazor genehmigt wurden. Diese soll sicherstellen, dass die Daten Russland nicht verlassen. Bis 2020 soll bereits der gesamte Traffic des Landes über die lokale Infrastruktur abgewickelt werden. Langfristig strebt Russland ein System ähnlich wie Chinas große Firewall an, wodurch sich das russische Internet vollständig vom Rest der Welt abkapseln könnte.

Derzeit werde noch nach entsprechenden technischen Wegen und Mitteln gesucht, wie man den gesamten Staat so kurzfristig wie möglich vom Internet trennen kann, um den Schaden für Behörden und Konsumenten möglichst gering zu halten.

Wann der Test durchgeführt werden soll, ist noch unklar. Das vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstützte Gesetz befindet sich derzeit in der Begutachtungsphase, bis zum 1. April können noch Änderungsvorschläge gemacht werden. Daher rechnen Experten damit, dass das Experiment noch vor diesem Termin durchgeführt wird.