Digital-Life 07.01.2018

Was passiert, wenn Russland ein Untersee-Kabel angreift

Was passiert, wenn Russland ein Untersee-Kabel angreift
© APA/AFP/OLGA MALTSEVA

Die Nato ist besorgt, weil sich russische U-Boote immer öfter in der Nähe von Untersee-Datenkabel aufhalten. Was würde aber passieren, wenn ein solches Kabel attackiert wird.

Russische U-Boote sind immer wieder in der Nähe wichtiger Untersee-Datenkabel aktiv. Erst kurz vor Weihnachten hat die Washington Post darüber berichtet, dass sich die russische Marine immer häufiger entlang von Datenkabeln aufhält, die für den Internetverkehr zwischen Europa und den USA zuständig sind.

"Russland zeigt klar ein Interesse an der Unterwasser-Infrastruktur der Nato und Nato-Länder", zitierte die Washington Post US-Admiral Andrew Lennon, den Kommandeur der U-Boot-Streitmacht des westlichen Bündnisses. Der Zeitung zufolge ist die Nato mittlerweile so nervös, dass sie zur Sicherung des Nordatlantiks die Wiedereröffnung eines nach dem Kalten Krieg geschlossenen Kommandopostens plane.

Was aber würde aber tatsächlich mit Internet passieren, wenn ein russisches U-Boot ein Untersee-Datenkabel angreifen würde?

© Microsoft

Angst unbegründet?

"Die Auswirkungen wären sofort spürbar und möglicherweise katastrophal", sagte der Chef des Verteidigungsstabes der britischen Streitkräfte im Dezember. Andere Experten hingegen sehen die Auswirkungen weit weniger drastisch, sollte ein Unterseekabel attackiert werden, wie Wired schreibt.

"Die Angst, dass jemand ein oder mehrere Datenkabel angreift ist überzeichnet", sagt etwa Nicole Starosielski, ein Professor an der New York University, der sechs Jahre lang die Funktionsweise derartiger Kabel studiert hat. Sollte jemand genau wissen, wie diese Systeme funktionieren und einen gezielten Angriff starten, könnte dies das Funktionieren des Internets beeinträchtigen. Die Chance, dass so etwas passiert, sei aber sehr gering.

Tägliche Schäden an Kabel

Laut Starosielski werde nahezu jeden Tag eines der rund 428 Unterseekabel beschädigt - durch Felsstürze, Fischer, Anker oder Erdbeben. Zu Ausfällen kommt es aber in den wenigsten Fällen, da die Kabelverbindungen meist redundant verlaufen und gleich mehrere Kabel gleichzeitig die verschiedenen Regionen verbinden. Vor allem Europa und die USA verbinden zahlreiche Kabel.

© Screenshot/submarinecablemap.com

Erst im September vergangenen Jahres haben Facebook und Microsoft ein Glasfaserkabel durch den Atlantik verlegt, das 160 Terabit pro Sekunde übertragen kann. Sollte also ein Kabel im Atlantik beschädigt oder angegriffen werden, ist davon auszugehen, dass die Daten einfach über ein anderes Kabel übertragen werden.

Für den Fall, dass russische U-Boote eines oder mehrere Kabel im Atlantik angreifen, könnten andere Atlantik-Kabel genutzt werden, oder überhaupt eine andere Route, beispielsweise über den Pazifik, so der Forscher. Die Auswirkungen auf die globalen Internetverbindungen wären also relativ gering. "Die Verbindungsgeschwindigkeiten wäre zwar nicht mehr die höchsten, aber es wäre nicht so, dass plötzlich gar keine Kommunikation mehr möglich ist", wird Alan Mauldin, ein TeleGeography-Forscher, der sich auf Telekommunikation und Unterseekabel spezialisiert hat, von Wired zitiert.

Was wäre wenn

Im äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass sämtliche Unterseekabel in Richtung USA gekappt werden, würde das Internet in den USA selbst auch weiterhin funktionieren. Nur die Kommunikation mit Übersee-Regionen würde darunter leiden, sagt Mauldin. Da aber Schiffe, die auf das Reparieren von Unterseekabel spezialisiert sind, ständig die Kabel-Routen patrouillieren, könnten angegriffene Kabel relativ rasch wieder in Stand gesetzt werden.

© Microsoft

Ein anderer TeleGeography-Forscher meint, dass das Kappen von Unterseekabel Russland womöglich mehr treffen würde, als die USA. Denn während die meisten Daten in den USA gespeichert sind, sei Russland vielmehr vom internationalen Datenverkehr abhängig.

Fische sind keine Gefahr

Die Auswirkungen eines Angriffs auf Unterseekabel wären in infrastrukturschwachen Regionen am drastischsten, da die Kabelverbindungen in diesen Gebieten weniger redundant sind. Somalia war im Sommer 2017 etwa drei Wochen lang ohne Internet, da das einzige Unterseekabel von einem Schiff unabsichtlich beschädigt wurde.

Youtube 1ex7uTQf4bQ

Dass die Meeresbewohner eine Gefahr für die Datenkabel darstellen, sei ein Gerücht, so Mauldin. Obwohl es bereits Videos von Hai-Attacken auf Unterseekabel gibt, seien die Fische aber keine Bedrohung für die globale Internet-Kommunikation.

(futurezone) Erstellt am 07.01.2018