Gespräche zwischen Pflegebedürftigen, Angehörigen und Betreuerinnen, sollen künftig durch „24/7 Dialog“ vereinfacht werden.
Neue App erleichtert 24-Stunden-Betreuung in Österreich
Die Betreuerin betritt ein neues Zuhause – ein Ort, an dem sie den Bewohner für die nächsten Wochen rund um die Uhr begleiten und unterstützen wird. Die 24-Stunden-Betreuung ist dabei weit mehr als eine Dienstleistung: Sie vereint Fürsorge, Verantwortung und zwischenmenschliche Nähe in einem sensiblen Umfeld. Gerade diese Konstellation bringt unterschiedliche Herausforderungen mit sich: Betreuungskräfte werden zu einem Teil des Haushalts. Angehörige sind oft weit entfernt und Agenturen versuchen, die Fäden über verschiedene Kanäle zusammenzuhalten.
Die Bedeutung dieser Betreuungsform nimmt dabei kontinuierlich zu. Einer Untersuchung zufolge nutzen etwa 7 Prozent der Pflegegeldbezieher in Österreich heute bereits eine 24-Stunden-Betreuung. Aufgrund des erwarteten Anstiegs der Zahl pflegebedürftiger Personen ist künftig mit einer verstärkten Nachfrage nach dieser Betreuungsform zu rechnen.
Fakten
Im Jahr 2023 bezogen rund 476.000 Menschen in Österreich Pflegegeld. Das entspricht mehr als 5 Prozent der heimischen Bevölkerung.
650.000 Menschen in Österreich werden laut einer Erhebung von Statistik Austria bis 2050 professionelle Pflegedienstleistungen benötigen.
Helfende App
Umso wichtiger wird es, den Alltag aller Beteiligten effizienter zu gestalten. Dem widmet sich ein Forschungsteam der FH Wiener Neustadt. Philipp Rameder und Philipp Kolmann vom Institut für Informatik entwickeln eine App namens „24/7 Dialog“, welche die Zusammenarbeit aller Beteiligten erleichtern soll. Die Nutzergruppe besteht aus Betreuerinnen, Angehörigen und Regionalverantwortlichen. Letztere sind typischerweise diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger, die als Ansprechpersonen für beide Seiten fungieren.
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Die App beinhaltet 2 Besonderheiten: „Sowohl alle Chat- als auch die Anruffunktionen sind mit integrierten Sprach- und Übersetzungsfunktionen ausgestattet“, sagt Rameder der futurezone. So seien mehrsprachige Chatverläufe oder Anrufe mit verschiedensprachigen Teilnehmern für alle in ihrer eigenen Sprache möglich. Denn die Kommunikation mit den Pflegerinnen sei oft von Sprachbarrieren begleitet, zumal Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Sie stünden vor der Herausforderung, sich in einem fremden Land mit fremder Sprache zurechtzufinden, um ihre Kunden bestmöglich zu betreuen.
Die Software übersetzt Nachrichten in diverse Sprachen.
© FHWN
Updates zu Gesundheit
Auch gebe es eine Funktion, mit der Text, Sprache und Bilder übersetzt werden können. Das könne unter anderem beim Einkaufen oder beim Weg zur Apotheke hilfreich sein. „Zudem werden sämtliche Daten über eine eigene Infrastruktur verarbeitet, die die Speicherung in Österreich sicherstellt. Bei den externen Services ist die DSGVO-konforme Verarbeitung innerhalb der EU garantiert“, sagt der Informatiker.
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Konkret können sich Angehörige laut Kolmann beispielsweise mit der Betreuerin austauschen, welche Leistungen – etwa Körperpflege oder Medikamentengabe – wann notwendig sind. Auch können sie Updates zum Gesundheitszustand der Betreuten erhalten und die Betreuerin im Haushalt aus der Ferne unterstützen. „Sollten gesundheitliche Schwierigkeiten oder Fragen auftauchen, kann die Betreuerin auch die Regionalverantwortliche direkt involvieren und Beratung erhalten“, betont Kolmann. Kommt es dann turnusmäßig zum Wechsel zur nächsten Betreuerin, könne auch diese direkt über die App alle Informationen zur Übergabe erhalten.
Android, iOS und Browser
Der Dienst wird durch die Web-App „24h KlimaFit“ ergänzt – eine von Experten der Gesundheits- und Krankenpflege entwickelte Wissensplattform. Sie liefert Empfehlungen zu Ernährung, Körperpflege, Aktivitäten und weiteren unterstützenden Maßnahmen für ältere oder bettlägerige Personen, besonders bei körperlich belastendem Wetter wie Hitzewellen.
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Das Projekt „24/7 Digital“ wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützt und gemeinsam mit der Wirtschaftsuniversität Wien, der Hilfswerk-Personaldienstleistungs-GmbH, myneva Austria GmbH und Schneeweis Wittmann umgesetzt. Die App soll für Android, iOS und den Browser erscheinen. Ein konkreter Termin für die Veröffentlichung steht derzeit noch nicht fest.
Für die Nutzung seien nicht die Haushalte, sondern die Betreuungsagenturen die direkten Partner. Generell könne die Software laut Kolmann nicht nur im Pflegebereich eingesetzt werden, sondern überall dort, wo Menschen trotz unterschiedlicher Sprachen miteinander kommunizieren müssen.
Diese Serie erscheint in redaktioneller Unabhängigkeit mit finanzieller Unterstützung der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).
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