Wendy-Windernergy-CEO Michael Strudler steht vor einer seiner Windkraftanlagen

Wendy-Windernergy-CEO Michael Strudler vor einer seiner Windkraftanlagen

© Wendy Windenergy
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Start-ups

Cleveres Klappensystem macht vertikale Windräder aus Österreich effizienter

Windenergie ist nach der Wasserkraft eine der wichtigsten Säulen für Österreichs Strommix. Dafür entstehen riesige Windparks, die bereits Energie für 2,6 Millionen Haushalte liefern. Doch auch Betriebe und Privatpersonen können von Windkraft auf dem eigenen Gelände profitieren.

Das Start-up Wendy Windenergy hat für diesen Einsatzzweck vertikale Windräder entwickelt. Statt dass ihre Rotorblätter quer zum Wind stehen und damit viel Platz brauchen, ist ihre Bauweise kompakt genug, um auch von Privatpersonen und Betrieben genutzt zu werden. Das Konzept an sich ist kein neues, doch mit ihrem cleveren Klappmechanismus heben sie sich von der Konkurrenz ab. 

Windstärken von 2 m/s reichen aus

Herkömmliche vertikale Systeme haben in der Regel Probleme, bei schwachem Wind überhaupt anzulaufen. Sie sind effizient, brauchen aber viel Wind, um diesen Punkt zu erreichen. Die Rotorblätter der Wendy-Windenergy-Anlagen haben im Stillstand geöffnete Klappen. Dadurch vergrößert sich die Angriffsfläche für den Wind um ein Vielfaches. „Die Anlagen laufen schon bei 2 m/s an und ab 3 m/s können wir wirklich effektiv Energie herausziehen“, erklärt Geschäftsführer Michael Strudler der futurezone im Interview. 

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Bei höheren Drehzahlen ist eine geschlossene Form aber aerodynamischer und damit effizienter. Daher werden die Klappen ab einer höheren Drehzahl durch die Fliehkraft bündig in den Flügel gedrückt. Sie drücken dabei gegen Magneten. Wird die Windkraftanlage langsamer, nimmt auch die Fliehkraft ab und die Magnete können die Klappen wieder nach außen drücken – so vergrößert sich die Fläche automatisch. Die Magnete werden statt verschleißanfälligerer Federn verwendet, was die Anlage weniger wartungsintensiv macht. 

Insgesamt hat die Anlage so einen 20 Prozent höheren Energieertrag als andere vertikale Kleinwindräder. Bei einer Durchschnittwindgeschwindigkeit von 5 m/s bringt ein Wendy Small 1.500 kWh pro Jahr ein.

Testanlage im Energiepark Bruck/Leitha

Gegründet wurde das Start-up im Mai 2025 von Michael Strudler gemeinsam mit Andreas Strommer, Nicolas Mühlberger und der konzept59 GmbH. Die Idee entstand während einer Diplomarbeit an der Flugtechnik-HTL Eisenstadt. Unterstützt wird das junge Unternehmen vom Austria Wirtschaftsservice (aws) durch „Preseed und Seedfinancing – Innovative Solutions“. Auch zuvor gab es langjährigen Support durch die Programme „Jugend Innovativ“ und „First Incubator“ und die Windkraftanlage wurde im „Innovation Corner“ des Technischen Museum Wien ausgestellt. Jetzt hat Wendy Windenergy ihr System im Windkanal erprobt und in Bruck an der Leitha im April ihre erste Testanlage aufgestellt. 

Mit ihren 8 Metern ist Wendy Small die kleinste Version der Anlagen. Später sollen noch Medium mit über 10 Metern Höhe und Large folgen. Letztere befindet sich noch in der Planungsphase, soll aber vor allem für industrielle Zwecke geeignet sein. Dabei sieht Strudler die Kleinwindkraftanlagen als Ergänzung zu bestehenden PV-Anlagen: „Die Kombination aus Wind und Sonne ist die perfekte Autarkie-Lösung für Betriebe“.

Ergänzung für landwirtschaftliche Betriebe 

Auch wenn die Small-Anlage auch in einen großen Garten passen würde, sieht Strudler die Kundschaft eher bei Kommunen, Unternehmen, vor allem aber bei landwirtschaftlichen Betrieben. Landwirte haben oft einen konstanten täglichen Stromverbrauch, etwa um Lüftungsanlagen oder Kühlungen zu betreiben. Oft nutzen diese Betriebe schon Photovoltaikanlagen, die sie mit vertikalen Windrädern ergänzen können, um Zeiten zu überbrücken, in denen wenig Energie durch die Sonne gewonnen werden kann. 

Appell an die Politik

Dabei ist zumindest für die kleinste Variante nicht zwingend eine Baugenehmigung erforderlich. Kleinwindkraftanlagen sind in Österreich grundsätzlich durch die zuständige Behörde, etwa der Gemeinde oder Bezirkshauptmannschaft, zu genehmigen, sagt Strudler. Das könne aber von Bundesland zu Bundesland variieren. Wendy Windenergy unterstütze seine Kunden und Kundinnen bei diesen Einreichungen und stellt dafür ein entsprechendes Einreichpaket zur Verfügung.

„Ein offener Wunsch an die Politik wäre es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die dezentrale und bedarfsorientierte Energieversorgung nicht unnötig erschweren“, sagt Strudler. Gerade kleinere, ergänzende Systeme könnten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Entlastung der Netze leisten. Dafür brauche es nachvollziehbare, praxistaugliche und bundesweit möglichst einheitliche Regelungen, die technologische Ergänzungen im Sinne der Eigenversorgung erleichtern statt verkomplizieren, appelliert er. 

Die Gründer v.l.n.r.: Nicolas Mühlberger, Michael Strudler und Andreas Strommer sitzen vor einer ihrer Winkraftanlagen

Die Gründer v.l.n.r.: Nicolas Mühlberger, Michael Strudler und Andreas Strommer

Pionierprogramm mit 33 Partnern

Mit ihrem Pionierprogramm wollen Wendy Windenergy jetzt einen Schritt weiter hin zur Massenproduktion machen. Dafür können sich Interessierte über die Webseite bewerben. Im Herbst werden dann 33 Partner und Partnerinnen ausgewählt, die eine Wendy-Small-Anlage erhalten. Kostenpunkt: 12.000 bis 13.000 Euro.

„Wir sind preislich nicht im Segment einer China-Anlage, das muss man ehrlich sagen. Aber wir produzieren in Österreich, um die Lieferketten kurz zu halten und das kostet einfach was“, so Strudler. Der Preis umfasst neben der Anlage auch die Beratung, Ansprechpartner vor Ort sowie den Aufbau und weitgehenden Anschluss durch Wendy Windenergy. Die finale Abnahme erfolgt durch einen Elektriker.

„Wenn es nichts bringt, verkaufen wir es nicht“

Noch bevor die Anlage aufgestellt wird, prüfen die Wendy-Mitarbeiter mithilfe eines KI-Tools anhand von übermittelten Fotos des gewünschten Standorts und Windatlasdaten, ob sich das Aufstellen auszahlt. „Das ist auch unsere Philosophie: Wenn wir sehen, es bringt am Standort nichts, dann verkaufen wir das auch nicht“, sagt der Wendy-Chef.

Nach dem Pionierprogramm will das Unternehmen in die großflächige Serienproduktion gehen. Die Medium-Variante wird dann voraussichtlich auf einen Preis von 25.000 Euro kommen, der Preis für die Large-Anlage steht noch nicht fest.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und Austria Wirtschaftsservice (aws).

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction. Co-Host des Podcast "Raumfahrtgeschichten".

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