Frau mit Kopfhörern hält ein Smartphone mit KI-App.

Eustella

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Eustella im Test: Wiener KI-App als Konkurrenz zu ChatGPT und Gemini

Mit Eustella gibt es eine neue KI-App eines österreichischen Unternehmens.

Im Rennen um die KI-Vorherrschaft sind es bisher vor allem amerikanische Unternehmen, die den Ton angeben. Google, Anthropic oder OpenAI sind allesamt auf der anderen Seite des Atlantiks beheimatet. 

Das Aushängeschild für Europa ist bisher das französische Mistral. Darüber hinaus sind Angebote kaum etabliert. Mit Eustella gibt es seit dieser Woche laut eigenen Angaben Europas erste vollständig unabhängige KI-Agentenplattform, geschaffen von einem kleinen österreichischen Start-up. Die von newsroom.ai entwickelte Plattform möchte Chatbot bzw. KI-Agenten bieten, bei denen wir Herr unserer Daten bleiben.

Nicht komplett frei von US-Diensten

Betont wird hier vollständige DSGVO-Compliance dank Verarbeitung innerhalb europäischer Datenzentren. Als Cloud-Partner hat man sich hier für das deutsche IONOS entschieden. Darüber hinaus listet Eustella alle anderen Unternehmen, die für den Betrieb der Plattform notwendig sind, auf einer eigenen Webseite.

Hier treffen dann Anspruch auf momentane Realität. Während nämlich viel auf europäische Anbieter gesetzt wird, sieht sich Eustella gezwungen, den Einsatz von einigen amerikanischen Angeboten, etwa Google Firebase oder Apple APNs, zu rechtfertigen, weil diese schwer zu ersetzen sind.

Zum Einsatz kommen bei Eustella Open-Weight KI-Modelle. Zwar stammen diese unter anderem von Mistral, Google und Alibaba, da sie aber auf eigener Infrastruktur betrieben werden, findet immerhin kein Datenaustausch statt. 

Startseite der eustella-App mit unserem Companion, einer schwarzen Katze, sowie dem Textfeld zur Eingabe von Fragen.

Auf dem Startbildschirm der App begleitet uns auf Wunsch ein Companion.

Reibungsloser Start

Möchten wir mit Eustella loslegen, gibt es dafür momentan 3 Wege. Neben einer Web-Version für alle gängigen Browser gibt es eine App für Android und eine derzeit noch in TestFlight zu findende iOS-Variante. Haben wir die App runtergeladen, ist eine kurze Anmeldung erforderlich. Anmelden können wir uns über Single-Sign-On sowie per E-Mail.

Mehr als unseren Namen müssen wir nicht hinterlegen. Nach der Anmeldung können wir direkt mit Eustella chatten. Hier beginnen wir in einem ersten Chatfenster, das als eine Art Vorstellungsrunde dient. Eustella fragt uns etwa, wie wir angesprochen werden möchten und welche Art von Chat wir uns wünschen.

Über diese Interaktion können wir die „Persönlichkeit“ unserer KI festlegen. Während die erste Frage noch auf Englisch ist, switcht die KI aber sofort auf Deutsch, nachdem ich auf Deutsch antworte. Unterstützt werden derzeit 8 Sprachen, inklusive Spanisch, Französisch und Polnisch.

Nachdem wir der KI einen lockeren aber ehrlichen und direkten Ton vorgeschrieben haben, ist der Einstieg auch schon abgeschlossen. Wie von anderen KI-Anbietern bereits bekannt, arbeitet Eustella mit Threads. Innerhalb dieser Chatfenster können wir zusammenhängend Konversationen führen.

In diesen Chats gibt es ein Gedächtnis, das bis zu gewissen Grenzen beibehalten wird. Wird der Chat zu lang, werden frühere Details vergessen. Das „Langzeitgedächtnis“ regelt Eustella dagegen über eine SOUL.md, in der etwa Persönlichkeit und andere wichtige Details gespeichert werden. Diese kann jederzeit per Chat oder direkt bearbeitet werden. 

Soul.md der Eustella-App mit Stichpunkten zur Persönlichkeit.

Die anpassbare "Seele", also Persönlichkeit, unserer KI im Überblick.

Vom Kochrezept bis zur PowerPoint

In Sachen Themen lässt Eustella kaum Wünsche offen. Die KI lässt sich sowohl für einfache Anfragen nutzen, als auch für tiefergehende Recherche (Deep Research). Wir können mit ihr programmieren oder uns Kochrezepte vorschlagen lassen.

Und auch die Verarbeitung von tagesaktuellen Themen ist dank Websuche für Eustella kein Problem. Spannend ist vor allem die Datenerstellung und -bearbeitung. Word, Excel oder PowerPoint-Dateien können nicht nur zur Bearbeitung hochgeladen werden, die KI erstellt sie auf Wunsch auch von Grund auf. PDFs, Bilder und andere Dokumente können wir ebenso hochladen, um sie etwa analysieren zu lassen. 

Neben den klassischen Chats finden sich in der Seitenleiste der App weitere interessante Reiter. Unter „Projects“ können wir beispielsweise Chats, Dateien und Erinnerungen gesammelt speichern, um die Arbeit für ein bestimmtes Projekt an einem Ort zu haben.

Persönliche Agenten

Über „Gruppen“ können wir gemeinsam mit anderen in einer Gruppe mit unseren Companions chatten. Companions finden wir ebenso in einem eigenen Reiter. Hier können wir zwischen unterschiedlichen Avataren, etwa einer schwarzen Katze oder einer Giraffe, wählen. Diese können uns dann über die Chats hinweg begleiten und reagieren sogar auf Antippen. 

Besonders spannend ist der Reiter „Agents“. Hier können wir uns unsere eigenen KI-Agenten basteln, die aufwändige oder sich wiederholende Tasks erledigen. Ein Beispiel ist hier etwa der „Morning News Briefer“, der uns täglich eine morgendliche Zusammenfassung mit wichtigen News, Wetter und anderen Informationen serviert.

Ebenso ein Reiseplaner, der uns beim Durchorganisieren des Urlaubs hilft. Vom Flug bis zu den Aktivitäten können wir so den Agenten die Planung übernehmen lassen, während wir bei Bedarf Input liefern.

Schnell am Limit

Die Unterhaltungen mit Eustella waren im Test so produktiv, dass ich vom Nutzungslimit etwas überrascht wurde. Eustella setzt grundsätzlich auf ein Freemium-Modell, das in der kostenlosen Version ein wöchentliches Limit beinhaltet. In meinem Fall waren es etwa 25 Fragen bzw. Antworten, die mich an dieses Limit gebracht haben.

Darin enthalten waren neben den Einführungsantworten ganz am Anfang auch erste (erfolgreiche) Versuche mit einem Python-Projekt. Jede Anfrage hat aber einen eigenen Verbrauch, die „Kosten“ sind von Frage zu Frage unterschiedlich. Wer höhere Limits braucht, erhält diese gegen Aufpreis.

Die Preise von Eustella sind überraschend kompetitiv. Mit dem Einsteigerabo Comet um 5,99 Euro sollen die Tokenlimits 4-mal höher sein als in der Freemium-Variante. Noch mehr gibt es bei Star um 17,99 Euro und Cosmos um 89,99 Euro

Fazit

Mit Eustella schiebt sich eine interessante KI-Alternative auf dem europäischen Markt an. Plattform und Apps machen schon jetzt einen sehr ordentlichen Eindruck. Das bekannte Gefühl von ChatGPT und Co. hat man gekonnt übernommen.

Auch bei den Features kann man dank Agenten aufwarten. Spannend bleibt, wie sich Eustella langfristig etablieren kann und ob die Preise so konkurrenzfähig bleiben können.

Eustella ist kostenlos für iOS (Testflight) und Android erhältlich.

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Amir Farouk

Early-Adopter. Liebt Apps und das Internet of Things. Schreibt aber auch gerne über andere Themen.

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