Digital Life

In diesem Browser-Spiel seid ihr die KI und antwortet Menschen

Generischer KI-Slop ist überall: Er füllt Firmen-Blogs und LinkedIn-Feeds. Mittlerweile kann man kaum mehr eine Website besuchen, ohne dass sich dort ein KI-Chatbot aufdrängt, der unsere Fragen statt eines menschlichen Kundendienstmitarbeiters beantworten will. Ein neues Browser-Spiel des Entwicklers Mihir Maroju ist nun ein lustiges Ventil für alle KI-Frustrierten: Bei „Your AI Slop Bores Me“ („Euer KI-Slop langweilt mich“) darf man endlich selbst KI spielen und selbst antworten.

Das Spiel nimmt Chatbots wie Anthropics Claude und ChatGPT aufs Korn, die zum Go-to-Tool für spontan aufkommende Fragen und Bildwünsche geworden sind. Das Game soll etwas Menschlichkeit in unseren digitalen Alltag zurückbringen. Fehler sind ausdrücklich erlaubt, weil sie das sind, was uns menschlich macht. Nutzer ab 13 können dort eine „KI“ nach Antworten fragen oder Zeichnungen bestellen, die andere User spontan generieren.

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Unerwartete Fragen, lustige Zeichnungen

Am Anfang kann man sich aussuchen, ob man „Human“ (Mensch) oder „AI“ (KI) spielen will. Die Sprache ist Englisch und ich frage die KI etwa: „I am a tech journalist. What should I write about?“ (Ich bin Tech-Journalistin. Worüber soll ich schreiben?). Die KI antwortet mir: „idk but being a journalist sounds fun, id love to read one of your articles“ (Ich weiß es nicht, aber Journalistin sein klingt lustig, ich würde gerne einen deiner Artikel lesen).

Dann sind meine Tokens aus. Die muss ich mir erst selbst als KI verdienen: Im KI-Modus schicken mir andere User eine Anfrage und ich habe 60 Sekunden, um eine Antwort zu schreiben oder eine bestellte Zeichnung zu schicken. Die Anfragen überfordern mich mitunter. Man will von mir etwa wissen: „Give me ur fav ship hcs (pls state the ship as well)“ („Nenn mir deine Lieblings-Klasse der Kriegsschiffe (bitte auch sagen, welches genau dein Lieblingsschiff ist)“). Dann bestelle ich eine Zeichnung von einem Eichhörnchen mit Eis.

Lustige Beispiele im Internet

Die Antworten unterscheiden sich folglich wesentlich von gewohnten KI-Gesprächen. Sie sind meist lustig und kreativ und bringen einen zum Schmunzeln, weil man nie weiß, was kommt. Screenshots auf Reddit und X zeigen die lustigsten Unterhaltungen mit den KI-LARPern. 

Manche beschweren sich allerdings darüber, dass die Plattform zunehmend auch für Ragebait genutzt wird und User böse Antworten schicken. Auch mir kam die eine oder andere unangenehme Anfrage zum Zeichnen unter. Vielleicht auch etwas, das echte KI-Chatbots von Menschen unterscheidet.

Erfinder wollte eine Bühne für KI-Frust 

Der Entwickler Maroju sieht sein Spiel als „Life Action Roleplay“ (LARP) – ein interaktives Rollenspiel, bei dem User für eine gewisse Zeit in eine Rolle schlüpfen. Während es bei solchen Spielen sonst oft darum geht, historische Szenarien wie mittelalterliche Schlachten oder Fantasy-Welten nachzuahmen, spielen die User bei „Your AI Slop Bores Me“ KI.

Um das Spiel herum hat sich mittlerweile sogar eine eigene Community gebildet, in der sich Menschen wohlfühlen, die von der KI frustriert sind, die sich überall breitmacht und immer öfter auch negativ auffällt. In einem eigenen Discord tauschen sich Leute über die Auswüchse des KI-Hypes aus und versuchen, ihren Ärger im Spiel ironisch zu kanalisieren.

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Laut Maroju entstand die Idee aus seiner „Frustration über KI-Kunst und deren Verbreitung, die das Leben der Künstler erschwert und das Internet mit lieblos produziertem, generischem Schund überschwemmt“, wie er Fortune erklärte. Er wollte mit dem Spiel auch ein Stück weit den Charme des alten Internets wiederbeleben. Die Website ging erst vor einer Woche online, hat aber bereits mehr als 50 Millionen Aufrufe verzeichnet.

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Jana Unterrainer

Interessiert sich nicht nur dafür, was Technologie kann, sondern auch was sie mit uns macht. Sie schreibt am liebsten über KI, Digitale Trends und Wissenschaft.

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