Europäischer Panzer Karpat als leichte Alternative zum Leopard und Abrams
Bei der Rüstungsmesse IDEB 2026 in Bratislava erregte ein Aussteller Aufmerksamkeit: CSG. Beim Stand des tschechischen Konzerns wurde nämlich der CFL-120 Karpat gezeigt. Damit hat jetzt auch Europa einen modernen „Medium Tank“.
Karpat am Messestand von CSG auf der IDEB 2026
© CSG
Was ist ein Medium Tank?
Medium Tank ist eine Kategorie, die im Zweiten Weltkrieg geläufig war, aber eigentlich seit den 1960er-Jahren nicht mehr existiert. Zeitweise wurden noch ältere Generationen von Kampfpanzern, die unter der 50-Tonnen-Grenze liegen, als Medium Tanks bezeichnet, wie etwa der Leopard 1.
Aus heutiger Sicht sind damit Panzer gemeint, deren Kanonen denen von Kampfpanzern entsprechen, die aber in die 30-bis-40-Tonnen-Klasse fallen. Moderne Kampfpanzer, wie der Leopard 2 und Abrams M1A2, wiegen hingegen um die 70 Tonnen. Daher werden die Medium Tanks auf Deutsch auch als leichte Kampfpanzer bezeichnet.
Die US Army hatte mit dem M10 Booker einen Panzer geplant, der in die Kategorie fällt. Allerdings wurden nur 80 Stück davon gebaut, das Projekt wurde Anfang Mai 2025 gestrichen. Er wiegt knapp 40 Tonnen und hat eine 105-mm-Kanone.
M10 Booker
© US Army
China hat 2025 mit dem Type 100 einen Medium Tank der Öffentlichkeit präsentiert. Dieser wiegt ebenso knapp 40 Tonnen und hat eine 105-mm-Kanone.
Karpat mit der Feuerkraft eines Leopard 2
Der CFL-120 Karpat setzt hier eines drauf – und drunter. Das Gewicht soll lediglich 34 Tonnen betragen, also nur halb so viel wie ein Leopard 2A8, die derzeit modernste Variante des deutschen Kampfpanzers. Dennoch hat der Karpat, genau wie der Leopard 2, eine 120-mm-Kanone.
Die Kanone befindet sich in einem HITFACT MkII. Dieser Turm wird vom italienischen Rüstungskonzern Leonardo gebaut. Er wurde speziell entworfen, um Radpanzer, wie den Centauro 2, und Schützenpanzer mit 105- und 120-mm-Geschützen auszustatten. Daher eignet er sich auch gut für leichte Kampfpanzer.
Es handelt sich dabei nicht um einen unbemannten Turm. Aber er kann auf Kundenwunsch mit einem Autolader ausgestattet werden. Als Zweitbewaffnung gibt es ein koaxiales Maschinengewehr im Kaliber 7,62 mm NATO. Am Dach kann auf Wunsch eine ferngesteuerte Waffenstation angebracht werden, für ein weiteres Maschinengewehr oder einen 40-mm-Granatwerfer.
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Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 70 km/h angegeben, die Reichweite mit 450 km. Damit schlägt er den amerikanischen Kampfpanzer Abrams M1A2 SEP, der auf 68 km/h und 425 km kommt. Und das, obwohl mit etwa 700 PS die Motorisierung nur halb so stark ist (Abrams: 1.500 PS).
Computer-Rendering des CFL-120 Karpat
© CSG
Weniger Panzerung = weniger Gewicht
Das hängt alles mit der Gewichtsersparnis zusammen. Weniger Gewicht bedeutet, dass ein weniger starker und damit leichterer Motor genutzt werden kann, der wiederum weniger Sprit verbraucht – was ebenfalls Gewicht spart, weil man den Tank kleiner bauen kann und trotzdem über 400 km Reichweite hat.
Die grundlegende Gewichtsersparnis geht größtenteils auf die geringere Panzerung zurück. Das scheint auf den ersten Blick kontraintuitiv. Denn durch Kamikaze-Drohnen, moderne Panzerabwehrwaffen mit Tandemladungen und durchschlagskräftigen SABOT-Wuchtgeschossen, werden die Bedrohungen für Kampfpanzer ständig größer.
Die Überlegung ist, dass die Entwicklung solcher Waffen die der klassischen Panzerung längst überholt hat. Um hier aufzuholen, müsste die Panzerung so dick gemacht werden, dass ein Kampfpanzer so stark an Mobilität einbüßt, dass er nicht mehr praktikabel ist. Also wird stattdessen auf aktive Abwehrsysteme (APS) und Reaktivpanzerung (ERA) gesetzt.
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ERA sind gerichtete Sprengladungen, die explodieren, wenn sie von einem Projektil getroffen werden. Das soll die Darts der Wuchtgeschosse zerstören, deformieren oder so weit abbremsen, dass sie die klassische Panzerung nicht mehr durchschlagen können.
Ein T-72 in der Ukraine, der mit älterem ERA (vermutlich Kontakt-1) ausgestattet ist. Die ERA sind die kleinen "Päckchen", die an der Panzerung montiert sind.
© APA/AFP/ROMAN PILIPEY / ROMAN PILIPEY
APS erkennt anfliegende Projektile, Raketen und Drohnen und feuert diesen automatisch Splitterladungen oder Wolframkugeln entgegen. So sollen sie zerstört werden, schon bevor die den Panzer erreichen.
Mit ERA und APS könnte ein Medium Tank also genauso gut geschützt gegen Angriffe sein, wie ein Kampfpanzer – trotz dünnerer Panzerung. Der CFL-120 Karpat ist laut dem Hersteller vorbereitet, um mit APS ausgestattet zu werden. Welches das ist, obliegt den Kunden. Bekannte APS sind etwa Iron Fist und Trophy aus Israel oder das deutsche Strikeshild.
Was bringt weniger Gewicht beim Panzer?
Die Gewichtsersparnis soll für Kunden mehrere Vorteile haben. So soll der CFL-120 Karpat günstiger und schneller in der Anschaffung sein als der Leopard 2 und der Abrams M1A2. Außerdem hat ein leichterer Panzer weniger hohe Anforderungen an die Infrastruktur für Transport und Wartung. Eine militärische Transportmaschine wie etwa die C-17, kann wegen des hohen Gewichts nur einen Abrams transportieren - aber 2 Karpat. Auch Züge könnten mehr Karpat als Leopard 2 auf einmal ziehen.
Durch das geringere Gewicht bleibt der Karpat in schwierigem Gelände und weichem Untergrund mobil, wie etwa bei Schnee, Eis, Schlamm, felsigem Gebiet und im Wald. Ein Radpanzer mit 120-mm-Turm wäre zwar noch leichter, hat aber in solchem Gelände mehr Schwierigkeiten als ein Panzer mit Kettenantrieb.
Außerdem kann Karpat Brücken befahren, die nicht für die 70 Tonnen schweren Kampfpanzer geeignet wären. Das ist relevant, wenn im Verbund mit anderen Fahrzeugen agiert wird. Der Karpat wiegt ähnlich viel wie die deutschen Schützenpanzer Puma und Marder oder der amerikanische M2 Bradley.
Sind Transportmittel und Straßen für die geeignet, kann sie auch der Karpat nutzen. Besteht etwa eine Kampfgruppe aus Schützen- und Kampfpanzern, müsste die sich aufspalten oder einen Umweg fahren, wenn Infrastruktur oder Gelände nicht für die 70-Tonner geeignet sind. Ist statt den Kampfpanzern der Karpat in der Gruppe, geht es regulär weiter.
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Türkische Wurzeln
Gänzlich neu ist der CFL-120 Karpat nicht. Er basiert auf dem Kaplan MT des türkischen Unternehmens FNSS. Er wird seit 2020 in Massenproduktion für die indonesische Armee gebaut, wo er Harimau (deutsch: Tiger) heißt.
Je nach Konfiguration wiegt er 30 bis 35 Tonnen. Die Hauptbewaffnung ist eine 105-mm-Kanone. Aktuell hat Indonesien 18 Stück im Einsatz, bis zu 412 Stück sollen es insgesamt werden. Weitere Interessenten am Kaplan MT sind Brasilien, Brunei und Ghana.
Fertigung in der Slowakei
Der Karpat richtet sich hingegen an europäische Länder und NATO-Partner. Gebaut werden soll er in den CSG-Fertigungsanlagen in der Slowakei. Das Timing für diese Ankündigung dürfte nicht ganz zufällig sein. Die Slowakei hat Ende Februar nämlich laut überlegt, ob sie im Zuge der Armee-Modernisierung Kampfpanzer oder Medium Tanks anschaffen soll.
Laut dem Verteidigungsminister Robert Kaliňák sei ein Medium Tank besser fürs gebirgige Land der Slowakei geeignet und nur halb so teuer. Die Kosten für einen Leopard 2A8 hat die Slowakei damals mit etwa 25 Millionen Euro pro Stück berechnet. Der CFL-120 Karpat würde dementsprechend etwa 12 bis 15 Millionen Euro kosten.
Eine Alternative für die Slowakei könnte noch der CV90120 sein. Der wiegt, je nach Ausstattung, knapp über 40 Tonnen und hat eine 120-mm-Kanone.
Der schwedische Panzer basiert auf dem Schützenpanzer CV90, weshalb er nicht als „echter“ Medium Tank gezählt wird, sondern als Panzerabwehr/Feuerunterstützungsfahrzeug. Dennoch hätte er gute Chancen, weil die Slowakei gerade 152 Stück des Schützenpanzers CV90 beschafft. Man hat also schon Beziehungen zum Hersteller und weil die Panzer dieselbe Plattform nutzen, erleichtert das die Wartung und Instandhaltung.