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Eurofighter testet günstige APKWS-Raketen zur Abwehr russischer Drohnen

Drohnenabwehr ist eine Frage des Geldes. Die Verteidiger haben hier meist das finanzielle Nachsehen. Als etwa im Vorjahr 19 russische Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen sind, wurden ein paar davon abgeschossen: 400.000 US-Dollar teure Sidewinder-Raketen kamen gegen 10.000 US-Dollar teure Gerbera-Aufklärungsdrohnen zum Einsatz.

Eines der Waffensysteme, das dieses extreme Kosten-Ungleichgewicht aufwiegen soll, ist APKWS. Das nutzt etwa die Ukraine vom Boden aus und die USA auf Kampfjets, wie der F-15 und F-16. Wie BAE berichtet, der Hersteller des Waffensystems, wird auch bald der Eurofighter Typhoon damit einsatzfähig sein.

Meilenstein erreicht

BAE hat schon im Vorjahr angekündigt, an der Integration von APKWS für den europäischen Kampfjet zu arbeiten. Jetzt fand ein Testschießen mit einem britischen Eurofighter statt. Dabei wurde mit den lasergelenkten Raketen erfolgreich ein Bodenziel getroffen.

Dies ist ein wichtiger Meilenstein in der Integration von APKWS in die Systeme des Eurofighters. Er ebnet den Weg zu den nächsten Tests, bei denen Luftziele beschossen werden.

Eurofighter mit 2 APKWS-Pods

Billige gelenkte Raketen

APKWS II (Advanced Precision Kill Weapon System II) ist ein Aufrüstkit für die Hydra 70. Die Hydra 70 ist eine ungelenkte Luft-Boden-Rakete mit 70mm-Durchmesser. Die Hydra 70 wurde für Luftunterstützung im Nahbereich konzipiert und wird deshalb vor allem bei Kampfhubschraubern eingesetzt.

APKWS II macht aus der ungelenkten Hydra 70 eine lasergelenkte Rakete. Dazu wird zwischen dem Gefechtskopf und dem Raketenmotor die WGU-59/B Guidance Unit eingesetzt. Diese enthält Lenkflügel und den Lasersucher.

Das Ziel wird mit einem Laser markiert. Dieser ist für das menschliche Auge nicht sichtbar und meist im Infrarotbereich. Die abgefeuerte APKWS-II-Rakete steuert auf das markierte Ziel zu. Der übliche Gefechtskopf der Hydra ist der M151, der ein Kilogramm Sprengstoff enthält. Der Sprengradius wird mit 10 Metern angegeben, die Splitterwirkung mit bis zu 50 Metern.

Die Reichweite von APKWS II beträgt bis zu 5 km, wenn sie von einem Hubschrauber gestartet wird und 11 km von einem Flugzeug aus. Theoretisch ließe sich die Reichweite erhöhen, weil der Lasersucher bis zu 14 km weit „sehen“ kann. Dazu ist aber ein anderer Raketenmotor nötig. So einer wird gerade vom europäischen Unternehmen Nammo entwickelt, der die Reichweite von APKWS II auf 15 km erhöhen könnte.

Der große Vorteil von APKWS II sind die Kosten. Die USA haben etwa noch etliche Hydra-70-Raketen in ihren Arsenalen. Also muss nur das APKWS II neu gekauft werden. Das kostet in der aktuellen Ausführung etwa 15.000 bis 20.000 US-Dollar pro Stück. Selbst, wenn die alten Hydra 70 verbraucht sind, wird ein neu gebauter Gefechtskopf und Hydra-70-Motor die Gesamtkosten einer APKWS-II-Rakete nur auf 22.000 bis 30.000 US-Dollar ansteigen lassen.

Grafische Darstellung von APKWS II. Oben die reguläre Hydra 70. Die WGU-59/B Guidance Unit wird zwischen Gefechtskopf und Raketenmotor eingefügt

Zum Vergleich: Die Luft-Luft-Rakete AIM-9 Sidewinder wäre derzeit die günstigste Lenkwaffe, mit der eine F-15 Luftziele bekämpfen kann. Diese kostet in der aktuellen Ausführung 400.000 US-Dollar. Allerdings hat sie mit 35 km eine höhere Reichweite und ist agiler, weil sie für Dogfights gegen Kampfjets gemacht wurde.

Das europäische Gegenstück zur Sidewinder ist ähnlich teuer. Die IRIS-T, die einige Länder auf ihren Eurofighter nutzen, kostet mittlerweile um die 400.000 Euro. Die Luft-Luft-Rakete hat eine Reichweite bis zu 25 km und fliegt bis zu Mach 3 schnell.

Buddy-Lasing

Die APKWS II ist weniger agil als die Sidewinder und IRIS-T. In ihrer Funktion als Luft-Luft-Rakete ist sie deshalb für weniger bewegliche Ziele gedacht, wie eben Kamikaze-Drohnen oder Unterschall-Marschflugkörper, die sich in einer relativ stabilen Flugbahn langsam bewegen. Um die Trefferquote zu erhöhen, nutzen die USA Buddy-Lasing.

Ein Kampfjet fliegt höher und in größerer Entfernung zur Drohne und markiert sie mit dem Infrarot-Laser. Ein zweiter Kampfjet mit APKWS-II-Pod führt den Angriff aus dem bestmöglichen Winkel aus und muss dabei nicht darauf achten, das Ziel selbst bis zum Einschlag der Rakete mit dem Laser zu markieren – weil das eben der Buddy macht.

Der Eurofighter nutzt zum Markieren des Ziels Litening. Der von Rafael entwickelte Targeting-Pod wird meist mittig am Rumpf angebracht.

Eurofighter mit Litening am Rumpf (schwarzer Behälter in der Mitte).

Infrarot-Suchkopf

Die US Air Force nutzt mit FALCO eine Variante der APKWS II, die für den Luft-Luft-Einsatz optimiert ist. Es ist anzunehmen, dass auch die Eurofighter diese Version von APKWS II bekommen werden.

FALCO hat statt eines Aufschlagszünders einen Annäherungszünder. Die Raketen explodieren dadurch nicht bei einem direkten Treffer, sondern kurz vor dem Ziel. Dadurch geht die Rakete nicht ins Leere, wenn sie z.B. die Drohne knapp verfehlen würde.

Eine F-15E feuert FALCO ab

Die meisten modernen Luft-Luft-Raketen nutzen ebenfalls Annäherungszünder. Die Wucht der Explosion und die dabei erzeugten Splitter reichen, um Drohnen und Flugzeuge zu zerstören oder zumindest die Systeme so zu beschädigen, dass die Maschine nicht mehr kampffähig ist.

BAE Systems arbeitet zudem an einem neuen Dual-Suchkopf für APKWS II. Damit richtet sich die Rakete nach dem Abfeuern in Richtung des mit dem Laser markierten Ziels aus. Kurz danach schaltet sie zum passiven Infrarot-Modus um und verfolgt das Ziel anhand seiner Wärmesignatur. Dadurch muss die Drohne nicht bis zum Einschlag mit dem Ziel markiert bleiben - es können mehrere Drohnen in schneller Folge bekämpft werden. Der Dual-Suchkopf wird den Preis einer Rakete in die Höhe treiben, aber selbst bei 40.000 US-Dollar wären das nur 10 Prozent einer Sidewinder oder IRIS-T.

Bis zu 50 Raketen an einer F-15E

Neben den niedrigeren Kosten ist ein weiterer Vorteil von APKWS II ihre kompakte Größe. Dadurch können die Kampfjets deutlich mehr Raketen mitführen. Das hilft gegen die übliche Taktik, die etwa Russland und der Iran mit ihren Kamikazedrohnen nutzen: Sättigungsangriffe. Man schickt so viele auf das Ziel, bis der Feind keine Munition mehr hat, um sie abzuwehren, bzw. eine Feuerpause einlegen muss, um die Flugabwehrsysteme nachzuladen. 

Die USA nutzen FALCO etwa auf der F-15E. Auf einem Foto ist zu sehen, dass auf einem Hardpoint unter dem linken Flügel gleich 3 Startröhren (Pods) von APKWS II montiert sind.

Jeder Pod enthält 7 Raketen. Aus Symmetriegründen ist davon auszugehen, dass auf dem rechten Flügel dasselbe Setup montiert werden kann. Dadurch hat die F-15E 42 Raketen an Bord.

Das war es aber noch nicht. Die F-15E ist bekannt dafür, eine hohe Waffenlast tragen zu können. Zusätzlich zu den 42 APKWS-Raketen sind laut TWZ noch genügend Hardpoints für 8 klassische Luft-Luft-Raketen frei. Insgesamt könnte die F-15E also mit 50 Raketen bestückt werden, um Drohnen, Unterschall-Marschflugkörper und andere Luftziele zu bekämpfen.

Auch für die neuere Variante F-15EX wäre ein Setup mit 6 APKWS-Pods denkbar. Da sie insgesamt 23 Hardpoints und eine um 28 Prozent größere Waffenlast als die F-15E hat, könnte sie womöglich sogar mit mehr als 50 Raketen bestückt werden.

Mehr lesen: F-15EX in Dienst gestellt: Das kann der neue Kampfjet

Die F-16 der Air Force wurde bereits mit 6 APKWS-Pods ausgestattet. Diese befinden sich zu je 3 Stück auf einem Hardpoint unter dem linken und rechten Flügel.

F-16 mit APKWS II

Wie viele APKWS-Pods der Eurofighter maximal tragen kann, ist noch nicht bekannt. Auf dem Foto von BAE vom Testschießen sind 2 Behälter zu sehen. In dieser Konfiguration hat der Eurofighter also insgesamt 14 APKWS-Raketen zur Verfügung. Würde man stattdessen Sidewinder- oder IRIS-T-Raketen an diesen Hardpoints montieren, wären es nur 2 Raketen.

Eurofighter mit 2 APKWS-Pods

Ob eine Lösung ähnlich wie bei der F-15 und F-16 angedacht ist, bei der mehrere APKWS-Pods auf einem Hardpoint des Eurofighters getragen werden, ist derzeit nicht bekannt. Auch ohne dieser Option ist der Eurofighter mit seinen 13 Hardpoints gut bestückbar. Wenn er 2 Zusatztanks hat, den Litening-Pod und 2 APKWS-Pods, könnte er immer noch 8 Luft-Luft-Raketen zur Bekämpfung von Kampfjets tragen - oder z.B. 6 APKWS-Pods und 4 Luft-Luft-Raketen, womit er insgesamt 46 Raketen für den Luftkampf gegen Drohnen und Flugzeuge hätte.

Ein Eurofighter, bei dem 12 der 13 Hardpoints belegt sind.

Bordkanone ist billig, aber riskant

Billiger als APKWS II wäre es nur, wenn die Kampfjets ihre Bordkanonen gegen Drohnen einsetzen. Bei US-Jets wie der F-15 oder F-16 handelt es sich um die M61A1 Vulcan. Die 6-läufige Kanone im Kaliber 20mm hat eine Feuerrate von bis zu 6.000 Schuss pro Minute. Bei 33 US-Dollar pro Patrone wären das 3.300 US-Dollar für eine Sekunde abdrücken.

Der Eurofighter ist mit der Bordkanone BK-27 bewaffnet. Die hat das Kaliber 27×145 mm und eine Reichweite von 2,5 km gegen Luftziele. Sie hat nur einen Lauf, aber einen Zylinder mit 5 Kammern, um den Prozess des Ladens und des Auswerfens der Hülse zu beschleunigen. Dadurch ist eine Feuerrate von bis zu 7.000 Schuss pro Minute möglich.

Der Nachteil der Bordkanone: Der Kampfjet muss nahe zur Drohne oder dem Marschflugkörper fliegen, um das Ziel zu treffen. Dabei besteht das Risiko, dass es durch plötzliche Flugmanöver der Drohne zu einer Kollision in der Luft kommt.

Eine weitere Gefahr besteht, wenn die Drohne langsam fliegt und der Kampfjet versucht, diese Geschwindigkeit zu halten, um sich für eine höhere Trefferquote genau hinter sie zu setzen. Viele Kamikaze-Drohnen sind nur mit 170 bis 300 km/h unterwegs. Unterschreiten Kampfjets eine gewisse Geschwindigkeit (je nach Modell zwischen 150 und 300 km/h), kommt es zu einem Strömungsabriss (Stall), der zum Absturz führen kann.

Mehr lesen: Wie die Ukraine mit einem unbewaffneten Flugzeug 120 Drohnen abgeschossen hat

Da eine F-15E 31 Millionen US-Dollar im letzten Produktionsjahr (1997) gekostet hat und die aktuelle F-15EX gut 90 Millionen US-Dollar kostet, ist das Risiko unverhältnismäßig zur möglichen Kosteneinsparung, wenn eine Drohne mit der Bordkanone statt Lenkwaffen bekämpft wird. 2007 wurde der Preis pro Eurofighter, den Österreich bezahlte, mit 106 Millionen Euro beziffert. Bei allen 15 gekauften Stück handelt es sich um die erste (und technisch mittlerweile veraltete) Tranche 1, 6 davon sind gebrauchte Maschinen.

Mögliche Nutzer

Wann die ersten Eurofighter mit APKWS II einsatzbereit sein sollen, ist derzeit nicht bekannt. Auch die potenziellen Kunden will BAE derzeit nicht verraten. Mehrere Nationen hätten Interesse bekundet, den Eurofighter mit APKWS II auszustatten, sagt BAE lediglich.

Abgesehen von Großbritannien werden das wohl die anderen großen Eurofighter-Besitzer sein, wie Deutschland, Italien und Spanien. Die Motivation dahinter ist klar: Russlands Schwärme von Drohnen abfangen, sollte es zu einer militärischen Auseinandersetzung kommen.

Auch die Golfstaaten, die Eurofighter bereits gekauft haben oder im Beschaffungsprozess sind, sind wohl spätestens seit dem aktuellen Konflikt mit dem Iran sehr am APKWS-Uprade interessiert, um die Shahed-Drohnen und iranischen Marschflugkörper abzufangen. Dazu gehören Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und Oman.

Neues Radar für Eurofighter

Laut dem BAE müsse man aber jetzt erst abschätzen, ob die Integration der Raketen, wenn sie auf Wunsch der Eurofighter-Nationen vorgezogen wird, andere Upgrades verzögert. Dazu gehört das seit über 10 Jahren geplante Aufrüsten des Eurofighters auf ein AESA-Radar

Dieses Radar besteht nicht aus einer Antenne, sondern aus Hunderten kleiner Antennen. AESA hat eine höhere Reichweite, höhere Scangeschwindigkeit, ist weniger anfällig für elektronische Störmaßnahmen und kann besser kleine Ziele erfassen – wie eben Drohnen.

Prototyp-Test eines AESA-Radard für den Eurofighter

Optimal wäre die Kombination aus AESA und APKWS II, um den Eurofighter für den Luftkampf gegen Drohnen zu rüsten. Für die deutschen und spanischen Eurofighter der Tranche 4 haben Anfang 2025 die Tests des ECRS-MK1-Radars begonnen, mit einer modifizierten Airbus A320. Diese hat die Nase des Eurofighters mit dem Radar vorne aufgesetzt bekommen.

Airbus A320 mit Eurofighter-Nase

Es kommt regelmäßig vor, dass umgebaute Passagiermaschinen für den Test von Kampfjet-Systemen genutzt werden. Es reduziert das Risiko und durch den größeren Stauraum lassen sich Mess- und Analysesysteme unterbringen.

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Die britische Luftwaffe ist schon etwas weiter bei den AESA-Tests. Bereits 2024 gab es Testflüge mit einem Prototyp von ECRS MK2 (die AESA-Variante für die britischen Typhoons) in der Nase eines Eurofighters.

Insgesamt will Deutschland über 150 Eurofighter mit AESA ausstatten, Spanien zumindest 25. Großbritannien will mindestens 40 Typhoons mit AESA bestücken, hat aber bis zu 160 in Aussicht gestellt.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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