Nach Crash: Größter Trijet aller Zeiten vor dem Aus
Am 4. November des Vorjahres kam es in den USA zu einer Luftfahrttragödie. Eine McDonnell Douglas MD-11 des Frachtdienstleisters UPS stürzte in Louisville im Bundesstaat Kentucky ab. Die 3-köpfige Crew sowie 12 Menschen am Boden kamen dabei ums Leben.
Schnell gab es Hinweise, dass technische Mängel für den Crash verantwortlich waren. Mit Stand Anfang 2026 geht man davon aus, dass Materialermüdung bei der Triebwerksaufhängung dazu führte, dass das linke Triebwerk beim Start abriss. Das Flugzeug stürzte daraufhin ab. Kurz danach verhängten alle verbleibenden Betreiber der MD-11 einen Flugstopp für den Maschinentyp, neben UPS waren das FedEx und Western Global Airlines.
Jetzt wurde bekannt, dass es wohl das letzte Kapitel für die MD-11 bei vielen Airlines gewesen sein dürfte. UPS hat sich dafür entschieden, die Ausmusterung der Jets vorzuziehen. Auch bei Fedex, dem zweitgrößten Betreiber des Typs und bei Western Global Airlines sind die Maschinen nach wie vor am Boden, eine Ausmusterung ist denkbar.
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Größter Trijet vor dem Aus
Es wäre das Ende für die MD-11, die als größter Trijet aller Zeiten gilt. Als Trijet bezeichnet man Flugzeuge mit 3 Triebwerken. Neben 2 Stück unter den Tragflächen liegt das dritte Triebwerk in der Regel unterhalb des Seitenruders.
Trijets waren vor allem in den 1970er- bis 1980er-Jahren beliebt. Hintergrund waren damalige Sicherheitsbestimmungen. So waren 2-strahlige Flugzeuge nicht für eine Atlantiküberquerung zugelassen. Man sah das Risiko zu groß an, dass es zu Triebwerksausfällen kommt.
Flugzeuge mit 2 Triebwerken müssen bis heute die Extended-range Twin-engine Operations Performance Standards erfüllen, kurz ETOPS. Diese besagen, wie nah man während eines Fluges an Ausweichflughafen bleiben muss, auf denen man im Notfall landen kann. Die ETOPS-Regeln waren lange so streng, dass sich auf diese Art und Weise keine Atlantiküberquerung mit 2 Triebwerken ausging, weil man früher oder später an einem Punkt angekommen wäre, wo kein Ausweichflughafen mehr nah genug wäre.
Die 3-strahligen Jets sollten im Vergleich zu den für Transatlantikflügen sonst üblichen 4-strahligen Maschinen vor allem Treibstoffersparnis bringen. Genau in diese Kerbe wollte McDonnell Douglas mit der MD-11 schlagen.
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Schwieriger Start
Die Entwicklung verlief allerdings nicht wie geplant, die Versprechungen der Maschine konnten nicht gehalten werden. So verbrauchte der Jet schlussendlich deutlich mehr Sprit als ursprünglich angekündigt.
Zudem ist die MD-11 äußerst schwierig zu fliegen. Wegen ihrer Bauweise ist sie in der Luft instabil. Ihre äußerst hohe Landegeschwindigkeit war ein weiterer Grund, dass sie unter Piloten als Diva gilt.
Noch problematischer für den Typ war der Umstand, dass die Ära der 2-strahligen Atlantiküberquerungen begonnen hatte. Im Jahr 1985 erhielt die Boeing 767-200 ein ETOPS-Rating von 120 Minuten. Das heißt, dass das Flugzeug 2 Stunden vom nächsten Ausweichflughafen entfernt sein darf. Davor lag dieser Wert bei maximal 60 Minuten. Das bedeutete, dass eine Atlantiküberquerung mit 2 Triebwerken laut geltenden Standards möglich wurde. Da diese Flieger in der Regel effizienter sind, setzten Airlines lieber auf diese.
Dieser Umstand war der letzte Sargnagel für die MD-11 als Passagierflieger. Zusätzliche Konkurrenz, wie der Airbus A330 und die Boeing 777, die wenige Jahre nach der MD-11 auf den Markt kamen, machten den größten Trijet der Geschichte für die Passagierluftfahrt unattraktiv.
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Karriere als Frachter
Das war jedoch nicht das letzte Kapitel des Riesen-Trijets. Ihre wahre Berufung hat die MD-11 erst später gefunden, als sie vermehrt als Frachter eingesetzt wurde. So erfüllte sie in Sachen Größe einen Zwischenschritt zwischen Boeing 767 und 747 bei im Vergleich zur 767 höherer Reichweite. Letztere kommt daher, dass die Tanks der MD-11 viel größer sind als die der Boeing 767, weil sich im Höhenleitwerk ebenfalls Sprit befindet.
Ein weiterer Pluspunkt: Weil die MD-11 bei den Airlines nicht gut ankam, verkauften diese sie oft günstig weiter. Frachtunternehmen wie UPS nutzten diese Gelegenheit, preiswert an den Flieger zu kommen.
Für McDonnell Douglas geht die MD-11 dennoch als Misserfolg in die Geschichte ein. Dieser war einer, aber nicht der alleinige Grund, dass das Unternehmen heute so nicht mehr existiert. Boeing übernahm McDonnell Douglas im Jahr 1997.
Wo Trijets noch beliebt sind
Während Trijets bei großen Passagiermaschinen keine Rolle mehr spielen, ist es bei kleinen Privatflugzeugen anders. So hält etwa der französische Hersteller Dassault mit seiner Falcon-Serie (900, 7X, 8X) an dem Design fest. Das hat mehrere Gründe. Aufgrund des zusätzlichen Schubs des dritten Triebwerks können die Privatjets auch von kurzen Startbahnen starten.
Zudem ist ETOPS auch bei den kleineren Business-Jets ein Thema. Mit 3 Triebwerken unterliegen die Maschinen keinen Regulierungen. Das heißt, sie können etwa bei Atlantiküberquerungen eine direktere Route nehmen und müssen keine Umwege fliegen, was Zeit und Sprit spart. Dadurch, dass alle 3 Triebwerke am Heck des Fliegers liegen, ist es im Innenraum zudem angenehm leise.