Darum fuhren in Deutschland stundenlang keine Züge
In Deutschland standen Dienstagnacht für mehrere Stunden alle Züge still. Erst kurz nach Mitternacht gelang es Technikern der Deutschen Bahn nach Angaben von Konzernchefin Evelyn Palla, mit einem "Notfallsystem" das Problem zu beheben, und die ersten Züge rollten wieder.
Mobilfunk der Bahn gestört
"Aufgrund bundesweiter Störung des digitalen Bahnfunks GSM-R werden alle Züge an Bahnhöfen zurückgehalten", teilte die Deutsche Bahn in ihrer ersten Störungsmeldung am Dienstagabend mit. Bei dem von der Störung betroffenen digitalen Bahnfunk GSM-R handelt es sich um ein zentrales Kommunikationsmittel zwischen den Lokführern im Zug und den Fahrdienstleitern auf den Stellwerken des Netzbetreibers DB InfraGO AG.
➤ Mehr lesen: Bahn.bet: Wiener lässt Nutzer auf Zugverspätungen wetten
Dafür betreibt die Bahn entlang der Strecken eigene Mobilfunkmasten. Wie Die Zeit schreibt, könnte die Bahn theoretisch auch ohne GSM-R fahren, erlaubt ist das aber nicht. Das System ist notwendig, um Fehler auf der Strecke, wie z.B. ein falsches Signal, zu melden oder Züge zum Nothalt zu bringen, wenn sich Personen auf dem Gleis befinden. Es kann auch auf das alternative GSM-D-Netz ausgewichen werden, laut Zeit war das aber ebenfalls ausgefallen.
➤ Mehr lesen: Student stoppte Schnellzug mit Funkgerät
"Immenses Sicherheitsproblem"
Ein Ausfall dieses Systems stelle "ein immenses Sicherheitsproblem" für den Zugbetrieb dar. Die "Bild"-Zeitung berichtete unter Verweis auf Sicherheitskreise, dass ein Software-Update oder ein Komponentenwechsel der Auslöser für die Funkstörung gewesen sein könnte. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht.
© APA/dpa/Andreas Arnold / Andreas Arnold
Bahn-Chefin Palla sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir konnten mit einem Notfallsystem die Lage stabilisieren." Die Ursache für das Problem "müssen wir jetzt klären". Allerdings ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar, ob das Problem tatsächlich behoben, oder mit dem Notfallsystem lediglich umgangen wurde. Gleichzeitig wurde vor möglichen Einschränkungen bis in die frühen Morgenstunden gewarnt. Betroffenen Passagieren sollten Taxi- und Hotelgutscheine ausgestellt und Ersatztransporte angeboten werden.
Fern-, Regional- und Stadtverkehr betroffen
Neben Fern- und Regionalverkehr waren auch S-Bahnen in verschiedenen Städten betroffen, so etwa in der Hauptstadt Berlin. Der Verkehr lief jedoch schneller als zwischenzeitlich befürchtet wieder an. Nachtzüge des Personenfernverkehrs und auch des Güterverkehrs konnten nicht mehr weiterfahren, wie ein ÖBB-Sprecher auf APA-Anfrage nach der gegen 22.30 Uhr aufgetretenen Störung mitteilte.
© APA/dpa/--- / ---
Das österreichische Netz war laut ÖBB-Angaben nicht von der Störung betroffen, allerdings mussten Züge an der Grenze anhalten. Wie viele Züge und Personen von der Störung betroffen waren, ist noch unklar. Die ÖBB wollten Züge, die in der Nacht etwa von Innsbruck nach Wien über das Deutsche Eck verkehren, über Zell am See umleiten. "Wir hoffen natürlich, dass die Deutsche Bahn und InfraGO das bis zum Morgen wieder in Tritt bekommt", sagte der ÖBB-Sprecher.
➤ Mehr lesen: Wer sich darum kümmert, wenn ein ÖBB-Zug Probleme hat
Systemausfall kurz vor Aufsichtsratstagung
Der Vorfall mit seinen drastischen Auswirkungen auf den Zugverkehr ereignete sich wenige Stunden vor einer Tagung des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn. Bei der am Mittwoch und Donnerstag stattfindenden Sitzung will Palla ihre Strategie für die kommenden Jahre vorstellen. Sie steht seit vergangenem Herbst an der Spitze des Konzerns und hat weitreichende Umstrukturierungen angekündigt. Insbesondere soll die Konzernzentrale deutlich verschlankt werden.