In den USA werden jetzt Wetten aufs Wetter abgeschlossen
„Wird die höchste Temperatur am 13. April in New York City 61 Grad Fahrenheit oder weniger sein?“: Zu dieser Frage kann man noch wenige Stunden lang auf Polymarket wetten. Im Moment glauben die meisten Bietenden nicht an eine Höchsttemperatur von weniger als umgerechnet 16,1 Grad Celsius. Ein Nein wird gerade mit 99,7 amerikanischen Cents gehandelt, ein Ja mit nur 50.
Polymarket und die Konkurrenzplattform Kalshi standen in den letzten Monaten immer stärker im Fokus. Einerseits weil ihre Nutzerzahlen deutlich stiegen, andererseits weil teils fragwürdige Wetten abgeschlossen wurden und strittig ist, ob es sich um Handelsbörsen oder Online-Wettbüros handelt. Zusätzlich wurden Vorwürfe zu Insider-Trading laut.
Wie Bloomberg berichtet, wird auf den Plattformen mittlerweile fleißig auf das Wetter gewettet. Unter Bietenden befinden sich demnach bei weiten nicht nur Expertinnen und Experten für das Thema. Auch Gelegenheitsteilnehmer und Tech-Unternehmen beteiligen sich.
11 oder 12 Zoll Schnee in New York?
Das Handelsvolumen zum Schneeaufkommen beim großen Schneesturm in New York im Jänner betrug allein auf Kalshi über 6 Millionen US-Dollar. Das ist beachtlich, aber auch kein Vergleich zu Wetten im Sport- oder Politbereich. Die staatliche Wetterbehörde NOAA maß am 25. Jänner übrigens 11,4 Zoll (knapp 29 Zentimeter) Neuschnee – die 12-Inch-Marke wurde an der Messstation im Central Park nicht geknackt.
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Unzählige erzürnte User klagten in den Kommentaren, dass es an anderen Stellen der Stadt durchaus mehr Schnee gegeben hatte. Sie waren nach Handelsschluss wohl leer ausgegangen. Abgesehen davon, dass viele Menschen auf solchen Plattformen sehr viel Geld verlieren und womöglich in eine Sucht abrutschen, könnte man diese Wetter-Wetten als unwichtige Spielerei abtun.
Glücksspiel oder Intuition für bessere Vorhersagen?
Doch die Wertpapierfirma Interactive Brokers argumentiert, dass Prognosemarkt-Plattformen menschliche Einschätzungen zum Wetter besser berücksichtigen als klassische Wettervorhersagen allein: „Es gibt eine direkte finanzielle Belohnung für Genauigkeit und eine direkte finanzielle Strafe für Ungenauigkeit.“
Außerdem würden Wetter-Wetten häufiger aktualisiert als klassische Prognosen und enthielten Wahrscheinlichkeits-Einschätzungen, die für die Finanzmärkte relevant seien. Üblicherweise greifen Energiehändler und Hedge Funds auf Wetterdaten zurück, um Entscheidungen zu treffen.
Messungenauigkeiten aufdecken
Bloomberg führt ein weiteres Beispiel an, bei dem Wetter-Wetten als Quasi-Schwarmintelligenz genutzt werden: Wetter-Nerd Howard Qin hat z. B. begonnen, auf Wetterereignisse zu wetten, um sein meteorologisches Wissen zu testen. Sein Arbeitgeber, ein Wetter-Tech-Start-up hat ihn schließlich dazu angehalten, die firmeneigenen KI-Modelle beim Trading zu nutzen.
Die Daten zu diesen Wetten führten dazu, dass das Unternehmen Ungenauigkeiten in den Messungen offizieller Wetterstationen erkannte, heißt es bei Bloomberg. So registrieren manche Thermometer höhere Temperaturen als tatsächlich herrschen, weil sie in der direkten Sonne aufgestellt sind.
Sorge um Manipulation
Insider-Trading muss man beim Wetter kaum fürchten, denn es ist quasi nicht zu beeinflussen. Sorge um Manipulation gibt es dennoch. Denn Messdaten könnten verfälscht und Wetterstationen sabotiert werden.
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Klimaforscher, mit denen Bloomberg gesprochen hat, betonen außerdem, dass Prognosemärkte nicht die beste Art seien, Experteneinschätzungen zusammenzufassen – Wetter- und Klimaphänomene seien kein Basketball-Spiel.