Digital Life

Lithium-Knappheit könnte sich schon ab 2028 bemerkbar machen

Lithium ist einer der weltweit wichtigsten Rohstoffe. Das Alkalimetall wird zur Herstellung von Akkus und Batterien dringend benötigt. Mit der wachsenden Nachfrage nach Elektroautos, könnte Lithium aber schon in 2 Jahren knapp werden. E-Mobilität und damit eine deutlich erhöhte Akku-Produktion sind ein entscheidender Faktor bei der Energiewende und der Abkehr von fossilen Brennstoffen.

In einer Analyse hat die Forschungs- und Beratergruppe Wood Mackenzie die Auswirkungen von 4 möglichen Zukunftsszenarien durchgespielt. Das drastischste Szenario wäre die "Net Zero"-Strategie, bei der nur so viel Treibhausgase ausgestoßen werden, wie sich aus der Atmosphäre wieder entfernen lassen. Hier würde sich die Knappheit bereits 2028 bemerkbar machen. 

➤ Mehr lesen: Durchbruch könnte Lithium-Gewinnung revolutionieren

Zusätzliche 8,5 Millionen Tonnen benötigt

2050 könnte der Bedarf dann auf 13,2 Millionen Tonnen Lithium-Carbonat-Äquivalent (LCE) angestiegen sein. Die Standardeinheit LCE wird in der Industrie verwendet, um eine bessere Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Lithiumverbindungen zu schaffen. 

2050 würden bei diesem Szenario 8,5 Millionen Tonnen LCE fehlen. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 wurden laut Statista weltweit geschätzt 240.000 Tonnen reines Lithium produziert, was ca. 1,3 Millionen Tonnen LCE sind. Ein Kilogramm reines Lithium entspricht etwa 5,32 kg LCE. 

Lithium wird auch als "Weißes Gold" bezeichnet

Auch bei moderaten Szenarien steigt der Bedarf schneller als gedacht an. Mit den Länderversprechen des Pariser Klimaabkommens, würde sich 2029 eine Knappheit bemerkbar machen. Um den Bedarf zu decken, wären 2050 6,7 Millionen Tonnen LCE zusätzlich nötig. 

Macht man so weiter wie bisher ("Base Case"), werden die Vorräte Mitte der 2030er Jahre knapp. Verzögert man die Energiewende und verlangsamt die Klimabemühungen, reichen die Lithium-Reserven bis 2037

➤ Mehr lesen: Weißes Gold: Wie Lithium aus Thermalwasser gewonnen werden kann

Akkus und E-Mobilität als treibende Faktoren

Der Großteil des Lithiums wird für Akkus verwendet. Stärkster Faktor ist die Elektromobilität. In allen Szenarien entfällt 72 bis 80 Prozent des Bedarfs auf E-Autos. Mitte des Jahrhunderts sollen Akkus 96 bis 98 Prozent des Lithiumbedarfs beanspruchen.

So steigt der Lithium-Bedarf für Akkus bis 2050 nach 4 verschiedenen Szenarien an

Recycling von Lithium-Akkus wird dabei eine immer größere Rolle spielen, ist aber keine alleinige Lösung für die Knappheit. Laut Wood Mackenzie könnte 2050 darüber zwischen 2,3 und 2,7 Millionen Tonnen LCE geliefert werden. 

Enorme Investitionen nötig

Je nach Szenario müssten in den kommenden Jahren jedenfalls enorme Investitionen gemacht werden, um dem Lithium-Mangel entgegen zu wirken. Bei einer verzögerten Energiewende wären das 104 Milliarden Dollar, bei der Net-Zero-Variante kann das bis auf 276 Milliarden anwachsen. 

Zwischen 2030 und 2034 wird ein deutlicher Investitions-Anstieg erwartet, etwa für Bergbauprojekte und verbesserte Lieferketten. Klar ist aber: Egal welchen Weg man einschlägt, die Lithium-Knappheit ist unumgänglich. 

Auch deshalb arbeiten Forscher weltweit an Alternativen, beispielsweise Feststoffakkus auf Salzbasis. Auch in Österreich wird an solchen Natrium-Ionen-Akkus gearbeitet.

➤ Mehr lesen: Salzbatterien aus Österreich sollen Lithium-Akkus ersetzen

Klicken Sie hier für die Newsletteranmeldung

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!