US Army enthüllt Kampfpanzer M1E3 mit überraschendem Design
Ende des Jahres hat die US Army ihren ersten M1E3 erhalten. Der Pre-Prototyp ist der erste große Schritt zur neuesten Version des Abrams-Kampfpanzers, der später als M1A3 eingeführt werden soll.
Der M1E3 wurde jetzt bei der Automesse Detroit Motor Show erstmals gezeigt. Das Design sorgt dabei bei vielen für Überraschungen.
M1E3 Pre-Prototyp
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Nicht modern, dafür schlank
Auffällig ist vor allem, wie wenig auffällig es ist. Viele hatten damit gerechnet, dass der M1E3 dem AbramsX sehr ähnlich sehen wird. Dieses Konzept hatte General Dynamics, das auch den M1A2 und M1E3 baut, schon 2022 als Demonstrator gezeigt.
Von den beinahe futuristisch anmutenden Linien ist beim M1E3 nichts zu sehen. Stattdessen wirkt er einfach wie ein M1A2, bei dem die An- und Aufbauten entfernt wurden, die sich als Upgrade-Pakete in den vergangenen Jahrzehnten angesammelt haben. Einige User nennen den M1E3 Pre-Prototyp deshalb scherzhaft einen „Abrams auf Ozempic“.
Diese Abnehmkur ist aber durchaus gewollt. Durch die ständigen Upgrades, die nicht im Grunddesign vorgesehen waren, ist das Gewicht des M1A2 in der aktuellen Variante SEPv3 nämlich auf über 70 Tonnen angewachsen, was schlecht für den Transport und den Treibstoffverbrauch ist.
M1A2 SEPv3
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„Ihr könnt noch so viel Scheisse oben draufpacken, wie ihr wollt: Das Teil ist trotzdem 30 Jahre alt!“, soll ein hochrangiger US-Army-Offizier bei einer Besprechung zur Zukunft des M1A2 geschimpft haben. Beim M1E3 ist deshalb das Ziel, auf unter 60 Tonnen, oder zumindest nur auf knapp über 60 Tonnen zu kommen.
M1E3
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Kein finales Design
Wichtig zu wissen ist, dass der gezeigte Pre-Prototyp ein sehr frühes Modell ist, auf das die US Army gedrängt hatte. General Dynamics wollte eigentlich erst in ein paar Jahren einen M1E3 liefern. Daher kann sich am Design des M1E3, auf dem Weg zum M1A3, noch viel ändern.
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So sieht es zB. aus, als hätte General Dynamics für den Pre-Prototypen den Turm eines M1A1 als Basis genommen. Dieser hatte nämlich noch nicht das CITV – eine Nachtsichtoptik für den Kommandanten links oben am Turm, die eine Rundumsicht ermöglicht, ohne eine Luke öffnen zu müssen.
M1A2: Das CITV ist der Zylinder, der sich, von vorne betrachtet, rechts von der Kanone befindet.
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Statt des CITV hat der M1E3 an dieser Stelle ein Leonardo DRS S3. Dabei handelt es sich um ein stabilisiertes Zielerfassungssystem. Es bietet Wärmebildsicht, einen Laserentfernungsmesser und einen sichtbaren Laser und Infrarotlaser zur Zielmarkierung. Auch das automatische Tracking von Zielen ist damit möglich.
Rechts im Bild das Leonardo DRS S3 am Turm des M1E3
© Screenshot / Fox 2 Detroit
Raketenwerfer am Dach
Für ein sprichwörtliches Raunen in Social Media, sorgt die ferngesteuerte Waffenstation am Turm. Nicht wegen der Station selbst: Die war schon immer für den M1E3 gewünscht. Ferngesteuerte Waffenstationen können unabhängig vom Turm, aus dem Inneren des Panzers, gedreht und geschwenkt werden. So kann der Panzer Ziele in 2 verschiedenen Richtungen gleichzeitig bekämpfen und auch in Höhen, die mit dem Schwenkbereich der Kanone bzw. des Koaxial-Maschinengewehrs, nicht erreichbar sind.
ESO Slinger am Turm des M1E3
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Die Waffenstation am M1E3 hat aber einen Javelin ganz oben montiert. Das ist ein Raketenwerfer zur Panzerabwehr, der auch von der Schulter eines Soldaten aus abgefeuert werden kann.
Nur hat der Abrams schon eine Waffe zur Panzerabwehr: die Kanone. Die ganze Idee eines Kampfpanzers ist, dass er mit der Kanone andere Panzer abschießt.
M1 Abrams feuert seine 120mm-Kanone ab
© US Army
User spekulieren, dass der Javelin wegen seiner Top-Down-Attack-Fähigkeit montiert wurde. Die Rakete explodiert dabei über dem Ziel, um so die schwach gepanzerte Oberseite zu zerstören. Dagegen spricht aber, dass für die 120-mm-Kanone laufend neue Munition entwickelt wird, um selbst die stark gepanzerten Stellen eines Kampfpanzers – und dessen Reaktivpanzerung – zu durchschlagen.
Zudem müsste die Startröhre samt neuer Rakete des Javelins nach einem Schuss außerhalb des Panzers ausgetauscht werden, was die Crew gefährdet. Auch die Vermutung mancher User, dass mit dem Javelin Drohnen abgewehrt werden sollen, macht wenig Sinn. Zwar kann ein Javelin schwebende Hubschrauber treffen, aber für kleine und agile Kamikazedrohnen ist er nicht geeignet.
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Viel wahrscheinlicher ist, dass der Javelin nur für die Automesse montiert wurde. Die modulare Waffenstation EOS Slinger hat den Platz dafür und vermutlich hat sich irgendjemand gedacht: „Montieren wir da halt drauf, was wir gerade herumliegen haben, damit es spektakulärer aussieht.“
M1E3
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Automatischer Granatwerfer und Maschinengewehr
Die andere Bewaffnung im EOS Slinger macht mehr Sinn. Der Mk 19 ist ein automatischer Granatwerfer im Kaliber 40 mm. Die Zuführung erfolgt per Gurt, die Feuerrate beträgt theoretisch bis zu 375 Schuss pro Minute, die effektive Reichweite 1,5 km. Mittels Airburst-Munition, die in der Nähe des Ziels explodiert, statt bei einem direkten Treffer, kann der Mk 19 auch zur Bekämpfung von Kamikazedrohnen genutzt werden.
Ebenfalls im EOS Slinger montiert ist ein Maschinengewehr im Kaliber 7,62 NATO. Auch das kann durch die automatische Zielverfolgung des EOS Slinger zur Drohnenabwehr genutzt werden. Eine schnell fliegende Drohne ist mit den Projektilen, die einen Durchmesser von 7,62 mm haben, aber schwieriger zu treffen als mit einer 40-mm-Granate, die in der Luft explodiert und Splitter erzeugt.
Beide Waffen können auch für die ursprünglich vorgesehene Funktion zur Bekämpfung von Infanterie eingesetzt werden. Der Mk 19 kann zudem gegen leicht gepanzerte Fahrzeuge und leicht befestige Stellungen verwendet werden.
Wie bei den anderen Komponenten des Pre-Prototyps ist anzunehmen, dass sich die Konfiguration noch ändern wird. Der EOS Slinger kann beispielsweise auch mit einer 30-mm-Maschinenkanone Bushmaster M230LF bestückt werden. Möglich ist zudem, dass der finale M1A3 eine Waffenstation eines anderen Herstellers haben wird.
„Glatter“ Panzer
Auffällig beim Pre-Prototyp ist noch, wie „glatt“ er ist. Einige User vergleichen ihn deshalb mit Kampfpanzern aus den 1980er-Jahren, als „die Zeiten noch simpler waren“. Auch, wenn das Ziel war, die angehäuften Aufbauten des M1A2 SEPv3 zu entfernen, vermisst man beim M1E3 aktuell die Reaktivpanzerung und die aktiven Abwehrmaßnahmen, die die US Army eigentlich haben will.
M1E3 Pre-Prototyp
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Letzteres könnte eine integrierte Variante des israelischen Trophy APS sein. Dieses System erkennt anfliegende Raketen und Granaten und zerstört sie mit einer Richtladung, bevor sie den Panzer treffen.
Unbemannter Turm
Der M1E3 Pre-Prototyp soll den bereits geforderten Autolader installiert haben. Dadurch entfällt die Position des Ladeschützen und die Besatzung wird von 4 auf 3 Mann reduziert. Ob der Turm wirklich unbemannt ist, also die gesamte Besatzung in der Wanne sitzt, scheint aber noch nicht final beschlossen zu sein.
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Laut dem üblicherweise gut informierten X-User Chieftain geht General Dynamics derzeit davon aus, dass der finale Turm unbemannt sein wird, aber einen engen Notfallplatz haben wird, falls etwas ausfällt und doch eine Person die manuelle Kontrolle übernehmen muss. Der Rüstungskonzern vermutet auch, dass es eine Luke am Turm geben wird, selbst wenn dieser unbemannt ist. Diese soll hauptsächlich zur Wartung genutzt werden. Das ist zwar praktisch, aber auch eine potenzielle Schwachstelle, die den Turm anfällig für Angriffe von oben macht.
Nettes Detail: Laut Chieftain soll sich in der Wanne des Panzers eine normale Steckdose befinden. Offiziell ist die für einsatzrelevantes Equipment vorgesehen, aber er geht davon aus, dass die Crew eine Kapsel-Kaffeemaschine anstecken wird.
Videospiel-Controller
Besonders stolz sind General Dynamics und die US Army auf die integrierte Software des M1E3. So soll es möglich sein, dass im Ernstfall lediglich ein Mann den Panzer lenken und gleichzeitig während der Fahrt schießen kann.
In einem Fernsehbeitrag von Fox sagte Ryan Howell, Leiter des M1E3-Programms bei der US-Armee, dass es lediglich 30 Sekunden dauert, einem jungen Soldaten beizubringen, diesen Panzer zu fahren. Früher hätte das Tage oder Wochen gedauert.
In dem Beitrag ist auch die Trainingsstation für den M1E3 zu sehen. Dabei ist deutlich ein Xbox-Spielecontroller des Hersteller Fanatec zu sehen, das ClubSport Lenkrad Formula V2.5 X.
Fanatec ClubSport Lenkrad Formula V2.5 X
© Fanatec
Im finalen M1E3 wird vermutlich kein ziviles Produkt zu finden sein, aber es zeigt den Trend, der seit einigen Jahren beim Militär herrscht. Es kommen immer öfter Videospiel-Controller oder davon inspirierte Controller zum Einsatz. Nicht nur, weil viele Rekruten schon wissen, wie man damit umgeht, sondern weil diese Controller seit Jahrzehnten von den Konsolenherstellern weiterentwickelt und optimiert wurden, damit möglichst viele Menschen diese möglichst einfach und intuitiv nutzen können – ein Faktor, den Rüstungsunternehmen und Armeen viel zu lange zur Seite geschoben haben.
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Antrieb
Beim M1E3 Pre-Prototypen ist ein Dieselmotor ausgestellt, sowie das Getriebe ACT1075LP. Details zum Hybrid-Antrieb, der von der US Army gewünscht ist, gibt es noch nicht. Es ist möglich, dass der Pre-Prototyp diesen noch nicht installiert hat.
Die Hoffnung ist, dass der Hybrid-Antrieb den Dieselverbrauch um 50 Prozent reduziert, verglichen mit dem jetzigen M1A2. Außerdem soll damit, zumindest für kurze Strecken, eine Art Schleichantrieb möglich sein. Wenn der Panzer dabei rein elektrisch fährt, reduziert das nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Hitzesignatur – der Panzer ist dadurch durch Wärmebildtechnologie schwieriger aufzuspüren.
Keine neue Kanone?
Ebenfalls abgängig ist eine neue Kanone. Der Pre-Prototyp scheint eine 120-mm-Kanone M256 zu haben, die schon der M1A2 nutzt. Das ist eine US-Fertigung der deutschen Rheinmetall Rh-120 L44. Es wurde zumindest erwartet, dass der M1E3 das Nachfolgemodell L55 bekommen wird. Die L55 wurde schon 1999 von der US Army getestet.
M1A2 mit L55
© US Army
Damals wurde festgestellt, dass die L55 nicht zufriedenstellend mit dem Stabilisationssystem des M1A2 funktioniert, weshalb ein Nachrüsten nicht ohne weiteres möglich war. Beim M1E3 könnte man aber das System von vornherein neu designen und für die L55 anpassen. Die L55 ist länger und hält höherem Druck Stand, wodurch durchschlagskräftigere Munition genutzt und eine höhere Reichweite erzielt werden kann.
Ebenfalls wurde spekuliert, ob der M1E3 eine 130-mm-Kanone bekommt, für noch mehr Feuerkraft. Mehrere Rüstungshersteller haben entsprechende Konzepte. KNDS testet sogar eine 140-mm-Kanone, die möglicherweise im Leopard-Nachfolger MGCS verbaut werden könnte.
Ein Kaliber-Upgrade würde allerdings massive Kosten für die US Army mit sich bringen, da die komplette Logistik und Lieferkette auf 120 mm ausgerichtet ist. Die Umstellung wäre nicht nur teuer, sondern würde auch die Zeit verlängern, bis aus dem M1E3 ein in Dienst gestellter M1A3 werden kann.
Ein ähnliches Problem haben auch viele andere Nationen, da 120 mm das Standardkaliber für Kampfpanzer der westlichen Welt ist. Daher existiert gerade eine „Schisshase“-Situation: Wer traut sich zuerst auf 130 oder 140 mm umzustellen? Wer auch immer es sein wird, wird viel Geld und Zeit dafür investieren. Die anderen NATO-Länder können dann von den Entwicklungen und Erfahrungen mit der Umstellung profitieren und steigen deshalb günstiger aus.
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Zeitplan bis zum M1A3
Wenn es nach den Wünschen der US Army geht, soll bis Ende 2026 ein Platoon mit dem M1E3 ausgestattet sein. Ein Platoon hat üblicherweise 4 Kampfpanzer. Das Platoon soll die M1E3 testen und so die Entwicklung Richtung M1A3 schnell vorantreiben.
Die Indienststellung der ersten M1A3 könnte dann 2029/2030 erfolgen – so zumindest ein früherer Wunsch der US Army. Für diesen Zeitraum ist nämlich auch die Indienststellung des M30 geplant. Dabei handelt es sich um einen Nachfolger des Schützenpanzers Bradley.
Im Rennen um den M30 befinden sich derzeit der Rheinmetall KF41 Lynx und General Dynamics Griffin III. Mit einer Entscheidung darüber, welches Unternehmen den Zuschlag erhält, wird erst 2027/2028 gerechnet.