Warum der Airbus A380 eigentlich 4 Triebwerke hat
Der Airbus A380 ist das größte, je gebaute Passagierflugzeug. Damit geht auch der Rekord beim maximalen Startgewicht von 575 Tonnen einher. Somit liegt der europäische Superjumbo deutlich über der Boeing 747-8 mit 448 Tonnen oder der Boeing 777-300ER mit 352 Tonnen.
Um ein hunderte Tonnen schweres Teil in die Luft zu bekommen, ist ausreichend Schub erforderlich. Zu jener Zeit, als das Flugzeug entwickelt wurde, konnte der benötigte Schub nicht mit 2 Triebwerken gewährleistet werden.
Und das ist auch schon die verkürzte Erklärung, warum der Airbus A380 von 4 Triebwerken angetrieben wird. Die ausführlichere Erklärung ist allerdings etwas vielschichtiger und birgt außerdem eine hitzig diskutierte Kontroverse.
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Vierstrahlig hatte auch Vorteile
Die Entwicklung des A380 reicht bis in die 1980er Jahre zurück. In der konkreten Konzeptionsphase der späten 1990er und frühen 2000er Jahre war das ETOPS-Regelwerk noch ein völlig anderes.
In den so genannten "Extended-range Twin-engine Operations Performance Standards" ist festgelegt, wie weit sich ein zweistrahliges Passagierflugzeug von einem kompatiblen Ausweichflughafen entfernen darf.
Für den vierstrahligen A380 galten diese Regeln nicht, wodurch er einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz hatte. Ohne ETOPS-Regeln konnte er nämlich Flugrouten flexibler planen und auch dort fliegen, wo es zweistrahligen Passagiermaschinen nur schwer möglich war.
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Höhere Leistung mit 4 Triebwerken
Ein Triebwerksausfall beim A380 bedeutet nur den Verlust von 25 Prozent des Schubs. Dies ermöglicht auch eine bessere Steigleistung nach einem Ausfall während des kritischen Starts im Vergleich zu Zweistrahlern, die 50 Prozent ihrer Leistung verlieren.
Selbst wenn ein Start des doppelstöckigen Superjumbos mit 2 Triebwerken möglich gewesen wäre, konnte Airbus durch 4 Triebwerke eine bessere Beschleunigung auf der Startbahn garantieren. Das ermöglichte den Einsatz auf bestehenden Flughäfen ohne massive Pistenverlängerungen.
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Wirtschaftlichkeit und Wartung
Der A380 wird entweder von GP7200 der Engine Alliance (General Electric und Pratt & Whitney) oder den Trent 900 von Rolls-Royce angetrieben - beides maßgeschneiderte und speziell für den Superjumbo entwickelte Mantelstrom-Turbofan-Triebwerke.
Dass aber vier Triebwerke die Wirtschaftlichkeit des Flugzeugs schwer unter Druck setzen, liegt auf der Hand. Das betrifft nicht nur einen treibstoffarmen und effizienten Betrieb, sondern auch die Wartung und die gesamte Komplexität des Flugzeugs.
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Die Kontroverse um die Effizienz
Nachdem Airbus sein A380-Projekt nach gerade einmal 251 produzierten Modellen beendet hatte, kam eine Kontroverse auf. Frühere Airbus-Manager und Stimmen in der Fachpresse gaben den Triebwerksherstellern eine nie erwiesene Mitschuld am Scheitern des doppelstöckigen Flugzeugs. Der frühere langjährige Airbus-Verkaufschef John Leahy hat mehrfach öffentlich erklärt, dass Airbus von den Triebwerksherstellern "kalt erwischt" wurde.
Leahy behauptet, Airbus habe im Jahr 2000 von den Triebwerksproduzenten die feste Zusage erhalten, dass in den kommenden Jahren keine signifikanten Sprünge bei der Entwicklung von Triebwerken zu erwarten seien. Auf dieser Basis optimierte Airbus den A380 für die damals verfügbare Triebwerkstechnologie und passte das gesamte Konzept und das Design an 4 Triebwerke an.
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In die Irre geführt?
Nur 3 Jahre nach dem offiziellen Programmstart des A380 und noch bevor das erste Flugzeug ausgeliefert war, präsentierten GE und Rolls-Royce völlig neue Triebwerke für die Boeing 787 (GEnx und Trent 1000). Diese waren um etwa 15 Prozent effizienter als die Triebwerke des A380.
Dieser technologische Sprung machte zweistrahlige Flugzeuge plötzlich so effizient, dass sie den A380 wirtschaftlich deklassierten. Leahy argumentierte rückblickend, dass der A380 mit diesen moderneren Triebwerken ein "unschlagbares Flugzeug" gewesen wäre und die Luftfahrtgeschichte anders verlaufen wäre. Ob dem tatsächlich so ist, wird man nie herausfinden.
Die Behauptung von Leahy wird jedenfalls stark bezweifelt. Am Niedergang des A380 sei vielmehr mit einem grundlegenden Wandel in der Luftfahrt zu erklären. Der Trend geht von großen Maschinen hin zu kleineren, effizienteren und flexibleren Flugzeugen.