Überraschungs-Hit Mewgenics im Test: Der Kampf-Katzen-Hype ist real!
500.000 verkaufte Exemplare nach 36 Stunden, eine Million Verkäufe in nur einer Woche und mehr als 100.000 Spielerinnen gleichzeitig: Mewgenics ist ohne Frage das neue Hype-Spiel. Nach kürzester Zeit löste es Hades 2 als meistgespieltes Rogue-Like aller Zeiten ab.
Ein Grund dafür ist wohl, dass Entwickler Edmund McMillen bereits mit Super Meat Boy und The Binding of Isaac 2 der wichtigsten und beliebtesten Indie-Titel der Videospielgeschichte geliefert hat. Ein anderer, viel entscheidenderer Grund, ist das großartige Spielprinzip.
Provokant, hektisch, fantastisch
McMillen ist bekannt für seine eher geringe Hemmschwelle, wenn es um Provokation geht. So auch bei Mewgenics. Neben erwartbarem Pippi-Kacka-Humor und einem hohen Brutalitätsgrad, stößt bei seinem neuesten Spiel schon der Name an. Der ist nicht falsch gewählt, sondern trifft den Kern des Spiels: die perfekten Kampfkatzen züchten, komme was wolle. Und was nicht mehr gebraucht wird, kommt in den Abfluss. Moralische Bedenken müssen zuhause bleiben.
Wie schon bei Binding of Isaac und Super Meat Boy hat auch Mewgenics einen einzigartigen Comic-Look. Er erinnert an einen Mix aus Zeichentrick der 1930er-Jahre und Happy Tree Friends. Die Farben sind schmutzig abgetönt und die Filmkörnung schafft einen insgesamt unheimlichen Look.
Die dudelnde Gothic-Folk-Musik zahlt da nur ein. Banjo, ein verstimmtes Klavier und statt auf ein Schlagzeug wird auf irgendwelche Gegenstände gehauen – das könnte so auch im Kuriositätenkabinett auf einem gruseligen Karneval spielen. Es ist großartig.
Startschwierigkeiten
Bevor man sich am Spiel ergötzt, gilt es die erste Hürde zu nehmen: Das Spiel zum Laufen zu bekommen.
Wohl reicht es nicht, einfach bei Steam auf „Spielen“ zu klicken. Das wäre zu einfach, fast lächerlich. Ich musste erstmal die Spiel-Datei auf meinem PC lokalisieren und sie als Administrator ausführen. Sonst passiert einfach nichts, wenn man es versucht, wie gewohnt über Steam zu starten.
Vielleicht war das bereits ein erster Test, ob ich würdig bin oder direkt aufgebe. Ich habe es jedenfalls geschafft.
Genexperimente für überzüchtete Kampf-Katzen
Die Basis des Spiels, in die man immer wieder zurückkehrt, ist das Haus. Dort nehme ich Streuner auf und züchte neue Kätzchen, wo wir beim namensgebenden Zuchtprinzip sind.
Die aus der nächtlichen Paarung resultierenden Kätzchen erhalten nach dem Zufallsprinzip Eigenschaften ihrer Eltern. Mit Einrichtungsgegenständen und Hauserweiterungen hält man die Tiere bei Laune, motiviert sie zum Geschlechtsakt und kann vielversprechende Paarungen steuern.
Auf ins Abenteuer
Sobald eine bestimmte Anzahl Katzen einsatzbereit ist, kommen sie in eine Kiste und es geht ab ins Abenteuer. Dort trifft man auf Gegner und sammelt Ausrüstungsgegenstände für den Kampf, z.B. zusätzliche Rüstung oder einen Stock, mit dem man zuhaut.
Mit fortschreitendem Spielverlauf werden die Abenteuer zunehmend komplexer. Entscheidungen formen die Geschichte – etwa, ob man sich an Wegpunkten für Gewalt oder geschicktes Austricksen entscheidet. Fast wie in einem Mini-Rollenspiel entscheiden die Eigenschaften der Katzen - z.B. Geschicklichkeit oder Intelligenz - über Erfolg und Misserfolg.
Klassische rundenbasierte Kämpfe
Die Kämpfe folgen an sich dem klassischen Prinzip des rundenbasierten Schachbretts. Katzen und Gegner sind nacheinander dran. Dabei hat jede Katze einmal die Gelegenheit, sich zu bewegen und ihren Basisangriff (Nah- oder Fernkampf) auszuführen. Zudem hat jede Katze einen Zauber, für den Mana nötig ist. Dieser kann innerhalb eines Zuges mehrfach angewandt werden, vorausgesetzt man hat genug Mana.
Das Spielprinzip geht hier perfekt auf. Vorstürmen und unüberlegt rumklicken bringt einen nicht sonderlich weit. Stattdessen ist es essenziell, taktische Züge zu machen und vorauszudenken – die Schachbrettform ist kein Zufall.
Stirbt eine Katze auf dem Schlachtfeld, ist ihr Verlust endgültig. Überleben sie, sammeln sie während des Kampfs Erfahrung und leveln auf. Dann lernen sie neue Fähigkeiten, die sich clever kombinieren lassen.
Ausgediente Katzen als Tauschware
Nach einem erfolgreichen Abenteuer kehrt man zurück nach Hause. Dort bleibt man meist mehrere Tage. Man hofft, genug Nahrung gesammelt zu haben, entfernt Kot, kauft Einrichtung. Waren Katzen einmal auf einem Abenteuer, sind sie im Ruhestand, können sich aber fortpflanzen. Nicht mehr gebrauchte Katzen kommen in den Abfluss und werden damit zur Währung, z.B. um das Haus oder das Lager zu erweitern.
Fazit
Ist Mewgenics anstößig? Natürlich und das ist auch erwartbar. Aber ehrlich gesagt dauert es keine halbe Stunde, bis man daran keinen einzigen Gedanken mehr verliert. Das Spiel schafft es mühelos, dass sich die altbewährten Spielprinzipen „rogue-like“ und „rundenbasiertes Schachbrett“ frisch anfühlen.
Der Hype ist vollkommen berechtigt. Mewgenics hat schnell enorm hohes Suchtpotenzial, auch wenn ich für diesen Kurztest nur einige Stunden gespielt habe. Das Potenzial, mit dem grotesken, brutalen, ekligen, aber gleichzeitig charmanten Chaos Spielerinnen und Spieler einzulullen, ist riesig.
© Screenshot / Edmund McMillan & Tyler Glaiel
Es vereint Elemente aus Spielen, die ich liebe, z.B. die Niedlich- und Rücksichtslosigkeit eines Cult of the Lamb und (wenn auch in deutlich kleinerem Rahmen) den taktischen, offenen Kämpfen eines Xcom.
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Die deutsche Übersetzung schwankt herrlich zwischen Memes für Spielerinnen wie mich, die schon im frühen Internet unterwegs waren („Muss man wissen!“) und erzwungener Jugendsprache („Du nimmst die Katze safe auf, oder?“).
Bei dieser Entwicklergeschichte ist der berechtigte Erfolg keine Überraschung aber auch keine Garantie. Ob Mewgenics den langen Atem eines Binding of Isaac haben wird, das sich seit über 10 Jahren hartnäckig unter den meistgespielten Games auf Steam hält, bleibt abzuwarten. Dafür ist das langsamere Spielprinzip für einige Spielerinnen auf Dauer möglicherweise zu zäh. Zumindest für eine gewisse Zeit bringt Mewgenics aber große Freude.
Mewgenics kostet 28,99 Euro und ist bei Steam erhältlich. Es ist zu erwarten, dass das Spiel langfristig auch auf Konsolen erscheint.