Abgeordnete beschwert sich, weil WhatsApp Sexarbeiterinnen blockiert
Meta verfolgt seit jeher quasi puritanische Moralvorstellungen und zwingt sie Userinnen und Usern seine Nutzungsbedingungen weltweit auf – unabhängig von lokalen Sitten. Die Zensur weiblicher Brüste auf Facebook führte bereits 2013 zur #freethenipple-Bewegung. Im Dezember 2025 kam es zum Aufschrei, als Facebook, Instagram und WhatsApp weltweit die Konten von Organisationen sperrten, die über Schwangerschaftsabbrüche und Rechte queerer Menschen informieren, berichtete der Guardian.
Nun regt sich in den Niederlanden Protest gegen Metas Regeln und deren undurchsichtige Durchsetzung. Wie die Investigativplattform Pointer recherchiert hat, wurden 2025 mindestens 5 Sexarbeiterinnen und eine NGO, die in dem Bereich tätig ist, auf den Plattformen blockiert. Weil Sperren auf WhatsApp nicht öffentlich sichtbar sind, könnte die Dunkelziffer noch weit höher liegen.
Kaum Widerspruchsmöglichkeit für Betroffene
Pointer zeichnet den Fall einer niederländischen Sexarbeiterin, Felicia genannt, nach: Ihr WhatsApp-Account wurde bereits mindestens 3 Mal ohne Angabe von Gründen gesperrt, immer abends, wenn sie mit Kunden in Kontakt stand. Zwar konnte sie über einen Einspruch per Online-Formular den Zugriff auf ihr WhatsApp-Konto jedes Mal wiedererlangen, verlor in der Zwischenzeit jedoch die Möglichkeit, neue Termine zu vereinbaren. „Und es ist skandalös, dass man bei einem so großen Unternehmen niemanden erreichen kann“, findet sie.
Eine Kollegin traf es laut dem Bericht noch härter: Während eines bezahlten Videoanrufs mit einem Kunden über ihren privaten WhatsApp-Account wurde der Bildschirm einfach schwarz. Ihr Instagram- und Facebookkonto wurde im Anschluss gelöscht, wodurch sie Kundendaten und -Gespräche unwiderruflich verlor.
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Business- vs. Privatkonto
Frankie Hermsen, Sprecherin der NGO SMAP, die Sexarbeiterinnen berät, kritisiert das Vorgehen von Meta stark: „Die meisten Kunden nutzen WhatsApp, was zu einem enormen Einkommensverlust führt. Infolgedessen sind Sexarbeiterinnen bei der Auswahl ihrer Kunden weniger wählerisch. Und das wiederum erhöht das Risiko von Gewalt.“
Die Nutzungsbedingungen von Business-Konten auf WhatsApp verbieten es, „Inhalte [zu] posten, hoch[zu]laden oder [zu] teilen, die rechtswidrig […], obszön, pornografisch, unanständig, lüstern, anzüglich […] oder nach unserem alleinigen Ermessen anstößig sind“. Für private Accounts gilt dies nicht, doch auch hier nimmt sich WhatsApp heraus, Nutzerinnen und Nutzern nach eigenem Ermessen den Zugriff zu verwehren. Das ist offenbar in den Fällen, über die Pointer berichtet, passiert.
Instagram-Account von NGO betroffen
Die NGO SHOP aus Den Haag, die als Kompetenzzentrum für Sexarbeit und Menschenhandel fungiert, war von Metas Kontosperren ebenfalls betroffen. Ein Instagram-Account der Organisation wurde mit der Begründung gelöscht, dass die NGO angeblich in Menschenhandel und Ausbeutung verwickelt sei. Der WhatsApp-Account einer angestellten Sozialarbeiterin sei ebenfalls gesperrt worden, wodurch sie den Kontakt zu hilfesuchenden Sexarbeiterinnen verloren hatte.
Andere Akteure in diesem Bereich versuchen sich an Vermeidungsstrategien: Die NGO sekswerk.info postet derzeit nur auf Bluesky, wo sie ihre Posts durch Verwendung von Codes selbst zensiert, aus „sexwork“ wird so „s-work“. Die URL, in der die niederländische Entsprechung „sekswerk“ steht, wird auf Sharepics grafisch verändert – mutmaßlich, um Texterkennungsprogramme zu „verwirren“. Unter dem selben Namen scheint ein Instagram-Account registriert zu sein, er ist derzeit allerdings nicht aufrufbar.
Abgeordnete kritisiert Meta
Sandra Beckermann, sozialdemokratische Abgeordnete im niederländischen Parlament, meldete sich in der Causa ebenfalls zu Wort: „Sexarbeit ist hier legal und sollte daher auch online legal angeboten werden können“, wird sie von Pointer zitiert. Meta müsse sich an niederländische Vorschriften und Gesetze halten.
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Der konservative Trend in den USA, dem auch Tech-Unternehmen folgen, habe schwerwiegende Folgen für LGBTQ+-Menschen und andere marginalisierte Gruppen in den USA und den Niederlanden. Meta wollte sich auf Anfrage von Pointer nicht zu den konkret beschriebenen Fällen äußern.
Bündnis verschickt formelle Beschwerde
Im Mai 2026 richtete ein Bündnis mehrerer Organisationen, darunter die NGO Repro Uncensored und das Schwulenmagazin BUTT, eine formelle Beschwerde gegen Meta. Sie argumentieren, dass das Vorgehen des Konzerns mehrere europäische Digitalgesetze wie den DSA sowie niederländisches Antidiskriminierungsrecht verletzen könnte.
„Das Löschen von queeren Konten ohne Begründung und ohne Vorwarnung stellt einen Verstoß gegen europäisches Recht dar“, erklärt Minke Gommer, Anwältin des Bündnisses, in einer Aussendung. „Wir haben Meta aufgefordert, eine umfassende Erklärung abzugeben und zu garantieren, dass sich so etwas nicht wiederholt.“